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Verein im Herzen|01.11.2018|16:00

"Es war an der Zeit, uns zu verewigen"

Mit Fußballkunst zum Meistertitel 2016.[Foto: privat/Sebastian Keil]

Es gibt wohl nicht viele Menschen, die so sehr für ihren Verein brennen wie Sebastian Keil. Seit seiner Kindheit ist der 36-jährige Spieler und Anhänger des SV Rainrod. Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht er über die Liebe zu seinem Herzensverein, warum ein Wechsel zu Eintracht Frankfurt für ihn nicht in Frage käme und ein ganz besonderes Hobby.

FUSSBALL.DE: Herr Keil, wann haben Sie die Karriere bei Ihrem Herzensverein gestartet?

Sebastian Keil: Angefangen habe ich 1988 beim SV-Rainrod in der F-Jugend. Seitdem hat mein Pass nie den Verein gewechselt. Als Jugendlicher musste dann leider wegen meiner Berufsausbildung pausieren. Erst 2010 kam ich wieder ins Vereinsleben und als aktiver Spieler zurück. Das war, als sich der SV Rainrod wieder selbstständig machte und aus der Spielgemeinschaft FSG Ober-Eichel-Rain austrat.

Sie kümmern sich neben Ihren Vereinstätigkeiten wie Spielberichte schreiben, Kaderzusammenstellungen oder Mannschaftsaufstellungen auch um den Thekendienst oder die Homepage. Warum stecken Sie so viel Leidenschaft in Ihren Verein?

"Ich könnte ja für 60 Millionen bei der SGE spielen, ich habe aber die 60 Millionen dafür nicht"

Keil: Mir gefällt das Vereinsleben bei uns. Viele langjährige Freundschaften sind dadurch entstanden und werden gelebt. In allen Altersklassen sieht man Männer und Frauen, die sehr viel für den Verein leisten, das steckt an. Dazu gehört eben unter anderem auch die Pflege der Homepage. Besonders leidenschaftlich übernehme ich dabei auch die Fotomontage.

Apropos Fotos. Sie haben die Mannschaftsfotos der 2. Mannschaft des SV Rainrod, für die Sie auch aktiv sind, im Stile der bekannten Panini-Reihe bearbeitet. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Keil: Das ist wahrlich eine tolle Geschichte. An einem Trainingstag vor vier Jahren kam mein Sportskamerad Martin W. mit einem schönen Oberlippenbart ins Training, als Hommage an vergangene Fußball-Legenden. Begeistert davon haben wir diesen „Oliba“ zum Meisterbart ernannt und alle, die Bartwuchs hatten, haben sich einen solchen stehen lassen. Ich glaube, diese Idee hat sehr dazu beigetragen, den Mannschaftsgeist noch mehr zu stärken und die Vereinsmeisterschaft zu holen. Da wir schon aussahen wie die Weltmeister von 1954 und wir solche Fotos nur aus „Papas Panini-Album“ kannten, war es einfach an der Zeit, uns so zu verewigen.

Was bedeutet Ihnen Ihre zweite Mannschaft, die Sie liebevoll „Zwoot“ nennen?

Keil: Viele Spieler bei, die eher vor dem Sprung zu den „Alten Herren“, als in der ersten Mannschaft zu stehen, kommen ins Training zu unserer Zwoot. Nicht wenige spielen hier auch nur noch wegen der Kameradschaft und dem Spaß am Spiel. Es sind eben diejenigen Leute, die sonntags als Erste auf dem Sportplatz sind und das Sportheim als Letzte verlassen. Natürlich sind wir auch gerade für die jüngeren Spieler, die aus der Jugend zu uns kommen, das Sprungbrett in die erste Mannschaft. So können wir bei Engpässen unsere Erste unterstützen.

Sie selbst sind derzeit allerdings verletzt…

Keil: Ja, ich habe mir vor circa einem Jahr das Kreuzband gerissen und ein danach ein halbes Jahr ohne Kreuzband gespielt. Da ich schon immer relativ sportlich war, hat mich der Kreuzbandriss nicht wirklich eingeschränkt. Die Muskulatur um mein Knie war stark genug, um das aufzufangen. Erst ein Meniskusriss hat mich zur Pause gezwungen.

Können Sie von Ihrem schönsten Erlebnis mit der Zwoot berichten?

Keil: Gerne, das werden meine Enkel auch noch tausendmal erzählt bekommen. (lacht)  Es geschah am 8.5.2016. Die Saison neigte sich dem Ende entgegen und wir standen punktgleich mit der FSG Altenstadt ganz oben, das direkte Duell sollte entscheiden. Zur Halbzeit stand es 0:0. An dieser Stelle muss ich anmerken, dass ich nie ein Fußballkünstler war und auch nicht mehr werde. Auf jeden Fall bekomme ich den Ball an unserem eigenen Sechzehner und sehe, dass meine Seite ziemlich offen ist. Ich renne mit dem Ball mit Tunnelblick in Richtung Tor. Im Zweikampf komme ich zu Fall, erwische den Ball aber gerade noch mit der Pike. Der Ball rollt wie in Zeitlupe hinter dem Tormann vorbei über die Linie. Es war das erlösende 1:0, Endstand 3:1. Die Zwoot war Meister!

Man merkt, wie sehr Sie für Ihre Zwoot brennen…

Keil: Absolut, mein Herz schlägt für sie. Ich hoffe, dass die Kameradschaft und Tradition noch viele Jahre fortgeführt werden. Nur als Kameraden können wir auch ein Team sein.

Sie haben nicht nur Panini-Bilder kreiert, sondern stellen auch selbst Autoaufkleber her.

Keil: Das ist dem Hobby meiner Freundin zu verdanken. Sie bastelt gerne und viel. Zu Weihnachten habe ich ihr einen kleinen Schneideplotter, der eigentlich nur zum Basteln gedacht ist, geschenkt. Schnell habe ich aber gemerkt, dass man damit auch Aufkleberfolie, Flockbedruckung und andere großartige Sachen machen kann. Es kostet zwar Zeit, aber nicht selten sitzt meine Freundin mit mir dran und popelt die Abschnitte aus der Folie.

Nebenbei sind Sie auch noch G-Jugendtrainer. Was gefällt Ihnen an der Arbeit mit den Kleinen?

Keil: Begonnen hat es eigentlich damit, dass sich keiner für den Job gefunden hat und die G-Jugend sonst abgemeldet worden wäre. Da haben sich mein bester Freund Sebastian, Zwoot-Kapitän und Vater meines Patenkindes, und ich zusammengetan und es einfach gemacht. Jetzt haben wir viel Spaß daran gefunden und „schleifen die Rohdiamanten.“

Ist Ihre Freundin nicht manchmal etwas genervt davon, wieviel Zeit Sie mit der Zwoot verbringen?

Keil: Da bin ich ganz froh und glücklich, dass sie es versteht und auch gerne sonntags mit mir an der Line steht. Fußballmama eben (lacht). Ich freu mich auch, wenn sie mich anfeuert. Wir sind die typische Patchwork-Familie: Ihr Kleiner spielt erfolgreich im Tor in der E-Jugend und so reisen wir oft zusammen von Sportplatz zu Sportplatz.

Gibt es eigentlich etwas, was Sie nicht für Ihren Verein machen?

Keil: Um ehrlich zu sein: Ganz ungern mache ich den Imbiss. Hut ab vor den Leuten, die den betreiben. Den Frittenfett-Geruch hat man noch Tage danach in der Nase.

Sie sind gerade 36 Jahre alt geworden. Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages den Verein zu wechseln?

Keil: Niemals. Ich könnte ja für 60 Millionen bei der SGE spielen, ich habe aber die 60 Millionen dafür nicht. (lacht) Ich habe auch einen Lieblingsverein in der Bundesliga. Oder um es mit den Worten von Henni Nachtsheim von Badesalz zu sagen: „Du kannst als Hesse immer nur zu einer Mannschaft steh‘n.“

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