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Sehbehinderung |14.03.2019|14:00

Fast blind: Ein ganz besonderer Manndecker

Berthold ist beim TSV Heusenstamm auch in der Behinderten-Abteilung der Leichtathleten aktiv.[Foto: privat]

Die TSV Heusenstamm 1873 e.V. ist mit knapp 2.900 Mitgliedern einer der größten Vereine im Landkreis Offenbach und fühlt sich dem Breitensport verpflichtet. Eine der wichtigsten Abteilungen bei den Blau-Weißen sind die Fußballer mit insgesamt 22 Teams. Die erste Mannschaft spielt in der Kreisliga A, die zweite in der Kreisliga C. Letzten Sonntag feierte die TSV- „Reserve“ einen 4:3-Sieg beim Türk SV Seligenstadt. Doppeltorschütze Mirsad Berovic, Guersel Akyildiz und Alexander Maas erzielten die Treffer für Heusenstamm. Über drei Gegentreffer ärgert sich aber nicht nur Trainer Ingo Knirsch, sondern auch ein Spieler des TSV, der wegen der schlechten Wetterverhältnisse diesmal nur auf der Bank sitzt: Philippe Berthold. Der 24-Jährige, in Indien geboren und mit neun Monaten von einem deutschen Lehrerehepaar adoptiert, ist fast blind. Er hat aufgrund einer sogenannten Zäpfchen-Stäbchen-Dystrophie – Sehnerv und Netzhaut sind nicht voll ausgeprägt – nur noch zwei Prozent Sehstärke.

FUSSBALL.DE: Philippe Berthold, wie geht das, mit zwei Prozent Sehstärke Fußball spielen?

Philippe Berthold: Das geht ganz gut, jedenfalls mache ich das fast schon mein ganzes Leben lang. Ich bin mit fünf Jahren in meinen ersten Verein eingetreten, das war noch die SG Oberhausen-Barbelroth in der Südpfalz. Bei den Bambinis laufen die Kinder ja eh alle kreuz und quer über den Platz und in einem Knäuel dem Ball hinterher. Da bin ich nicht sonderlich aufgefallen (lacht).

Waren Sie schon von Geburt an seheingeschränkt?

„Ich konzentriere mich vielleicht noch mehr aufs Spiel als andere“

Berthold: Ja, aber so richtig aufgefallen ist es mit etwa vier Jahren, als es ans Lesen ging. Ich erinnere mich noch, dass wir zu einem Spiel meines Bruders Patrick gegangen sind und ich mal vorlesen sollte, was auf der Werbebande steht. Ich musste ganz nah rangehen, um etwas zu erkennen. Dann sind meine Eltern mit mir zum Augenarzt gegangen. Der hat mir zunächst eine Brille verpasst, was aber nichts gebracht hat. Dann haben wir einen anderen Augenarzt aufgesucht, der uns an die Augenklinik in Heidelberg verwiesen hat. Erst dort fand man genau heraus, dass ich nur sehr schlecht sehen kann. Vorher bin ich natürlich, wie jedes kleine Kind, viel rumgelaufen, aber nicht an jeder Ecke angestoßen oder so. Anfangs hatte ich noch eine Sehfähigkeit von etwa zehn Prozent, aber das ist dann im Laufe der Jahre weniger geworden.

Haben Sie eine normale Schule besucht?

Berthold: Ja, meine Eltern wollten, dass ich in einem ganz normalen Umfeld aufwachse und nicht extra zur Sehbehinderten-Schule gehe. Meine Klassenkameraden und die Lehrer sind sehr gut auf mich eingegangen. Ich habe natürlich immer vorne in der ersten Reihe gesessen und hatte Ferngläser, um sehen zu können, was an der Tafel steht. Oder meine Mitschüler haben mir diktiert, was da geschrieben stand.

Wann und wie ist denn beim Fußball aufgefallen, dass Sie nicht so sehen können wie die anderen Kinder?

Berthold: In der F- und E-Jugend habe ich noch ganz normal mitgespielt, allerdings muss ich zugeben, dass ich eh nie eines der besten Kinder auf dem Platz war. Das Kleinfeld kam mir da entgegen, da konnte ich mich besser orientieren. Schwieriger wurde es erst, als wir später über den ganzen Platz gespielt haben. Ich habe versucht, das fehlende räumliche Sehen dadurch zu kompensieren, indem ich viel Eins-gegen-Eins gespielt habe. Ich bin einfach eng an meinem Gegenspieler geblieben und ihm hinterhergelaufen, dabei haben mir meine Mitspieler durch Zurufe Hinweise gegeben. So ist es eigentlich noch heute.

Was können Sie denn überhaupt sehen?

Berthold: Ich kann Konturen erkennen. Wichtig sind für mich gute Wetterverhältnisse. Wenn es dunkel ist und wir abends unter Flutlicht trainieren, kann ich leider kaum etwas machen. Auch Regen ist nicht gut für mich. Am besten komme ich bei Sonne klar.

Sie sind also ein richtiger Schönwetterspieler?

Berthold: Das kann man so sagen (lacht).

Wie läuft das genau ab, wenn am Sonntag Anstoß ist?

Berthold: Ich bin Abwehrspieler und nehme eine Position hinten ein. Dann decke ich meinen Gegenspieler eng und versuche, seine Laufwege zu blocken. Wenn ich angespielt werde, passe ich nach Gefühl in die Richtung eines Mitspielers. Schwierig sind für mich Ecken: Im Gewühl kann ich mich nicht orientieren.

Sind andere Sinne, zum Beispiel das Hören, bei Ihnen besonders ausgeprägt?

Berthold: Nein, aber ich konzentriere mich vielleicht noch mehr aufs Spiel als andere Spieler, die eben besser sehen können. Außerdem gebe ich immer hundert Prozent Einsatz, ganz egal, dass wir nur in der Kreisliga C spielen.

Mal ein Tor zu schießen, das wäre was, oder?

Berthold: Tja, man kann nicht alles haben (lacht). Mein letztes Tor aus dem Feld war in der B-Jugend, das ist also schon länger her. Außerdem durfte ich einmal einen Elfmeter schießen, aber das war nicht in einem Pflichtspiel, sondern eine Partie außerhalb der Wertung, deshalb zählt das für mich nicht richtig. Außerdem bin ich Abwehrspieler. Meine Aufgabe ist also in erster Linie, Tore zu verhindern.

Ist die Blindenfußball-Bundesliga kein Thema für Sie?

Berthold: Ich habe mich einmal kurz damit beschäftigt, aber da ich fast mein ganzes Leben ganz normal Fußball gespielt habe, konnte ich mir das für mich nicht vorstellen. Ich spiele ja nicht nur selbst in einer regulären Mannschaft, sondern bin als leidenschaftlicher Mainz-05-Fan auch sonst häufig beim Fußball. Außerdem bin ich beim TSV Heusenstamm noch in der Behinderten-Abteilung der Leichtathleten aktiv.

Käme für Sie eine Laser-OP in Frage beziehungsweise würde die überhaupt etwas bringen?

Berthold: Stand jetzt, nicht! Und so lange die Erfolgsaussichten bei einem solchen Eingriff auch nicht klar sind, möchte ich das Risiko nicht eingehen.

Wie kommen Sie mit Ihrer Sehbehinderung ansonsten durchs Leben?

Berthold: Ich habe einen Blindenstock, ein Lesegerät und eine digitale Lupe. Außerdem helfen mir Apps auf meinem iPhone. Das Wichtigste aber ist die Unterstützung durch die Menschen um mich herum, vor allem meine Familie und Freunde, aber auch meine Arbeitskollegen. Ich bin Physiotherapeut und meinen Job kann ich nur deshalb gut machen, weil sie ganz viel mit mir sprechen.

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