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Magazin |26.04.2015|16:30

Frank Reinel: Der Schiedsrichter im Rollstuhl

Souveräne Leitung: Frank Reinel hat auf dem Spielfeld alles im Griff. [Foto: altro]

Fußball ist sein Hobby, das Pfeifen seine Leidenschaft. Frank Reinel ist einer von rund 80.000 Schiedsrichtern in Deutschland, die an Wochenenden auf den Amateurplätzen unterwegs sind. Doch er ist alles andere als ein gewöhnlicher Schiedsrichter. Der 33-Jährige sitzt aufgrund einer angeborenen Gelenkversteifung im Rollstuhl. Dennoch ist er in der Lage, ein Fußballspiel alleine zu leiten.

Mit seinem zwölf Stundenkilometer schnellen Rollstuhl kommt Reinel flott voran. „Mir wurde sogar gesagt, dass ich mich auf dem Fußballfeld oftmals mehr bewege als manch andere Schiedsrichter, die nur am Mittelkreis stehen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

"Mir wurde sogar gesagt, dass ich mich auf dem Fußballfeld oftmals mehr bewege als manch andere Schiedsrichter"

Fußball war schon immer ein wichtiger Bestandteil im Leben von Frank Reinel. Der Fan des 1. FC Nürnberg hat die Spiele seiner Lieblingsmannschaft bereits in frühester Kindheit verfolgt. Im Idealfall im Stadion, ansonsten zumindest vor dem Fernseher. Umso größer war die Lust, selbst ein Teil des Fußballgeschehens zu sein. Dass er die Schiedsrichterlaufbahn einschlug, hatte er letztlich seinem Lehrer auf dem Gymnasium zu verdanken. „Ich war zwar vom Sportunterricht befreit, wollte aber nicht eine komplette Schulstunde herumsitzen. Ein Sportlehrer kam auf die Idee, mich als Schiedsrichter einzusetzen”, erinnert sich Reinel.

Das erste Highlight als Unparteiischer ließ nicht lange auf sich warten. Als das traditionelle Fußballspiel zwischen Abiturienten und Lehrern anstand, übernahm Reinel die Leitung des Spiels. Dass rund 1000 Schüler und Eltern um das Spielfeld herum standen, störte ihn kein bisschen. Im Gegenteil: Frank Reinel genießt es, im Mittelpunkt zu stehen und Entscheidungen treffen zu müssen. „Das macht schließlich den Reiz als Schiedsrichter aus”, sagt er.

Skeptische Blicke in der Anfangszeit

Aus dem Hobby wurde eine Berufung. Mit 27 Jahren besuchte er einen Schiedsrichterlehrgang, um seine Fähigkeiten als Unparteiischer nachweisen zu können. „Wenn jemand mich kritisiert, wollte ich mit dem Schiedsrichterausweis zumindest beweisen können, dass ich geprüfter Schiedsrichter bin”, erzählt er. Einige Monate später leitete Reinel sein erstes D-Jugendspiel in Regensburg. Die skeptischen Blicke in der Anfangszeit blieben ihm nicht verborgen. „Aber nach dem Spiel kamen die Menschen häufig zu mir und sagten, dass sie vorher nicht gedacht hätten, dass ein Schiedsrichter im Rollstuhl so eine souveräne Leistung abliefern kann.“

So war es auch bei den Amateurspielern Johannes und Michael, die auf dem Online-Portal idowa.de verrieten: „Im ersten Moment ist man schon überrascht, wenn man einen Schiri im Rolli sieht. Aber wir sehen ihn genauso wie jeden anderen Schiedsrichter.“ Am Ende entscheidet auch bei Frank Reinel die Leistung. Und die kann sich sehen lassen.

Schmerzlicher Unfall auf dem Platz

Fußballplätze sind nicht unbedingt für Rollstuhlfahrer gemacht. Doch Frank Reinel hat über die Jahre gelernt, wie er sich auf dem Feld zu bewegen hat. Bei Regen darf er zum Beispiel nicht zu stark abbremsen, weil sonst die Räder blockieren würden. Kommt ihm der Ball zu nahe, duckt er sich geübt weg. Unfälle kann es trotzdem geben. Diese Erfahrung musste Reinel im Juni 2013 machen: „Der Ball kam während des Spiels unter meinen Rollstuhl. Dadurch hat sich mein Rollstuhl schief gestellt, und ich blieb mit dem Bein im Rasen hängen. Dabei habe ich mir die Kniescheibe gebrochen und den Oberschenkelmuskel gerissen.“

Neun Monate lang musste der Schiedsrichter pausieren. Anfangs dachte er sogar darüber nach, mit dem Dasein als Schiedsrichter komplett abzuschließen. „Aber schon drei Tage nach dem Unfall hat es wieder gekribbelt. Daher war klar, dass ich mit dem Fußball nicht einfach aufhören kann.“

Trotzdem hat er seine Schlüsse aus dem Vorfall gezogen und den Rollstuhl aufgepimpt. Selbstmontierte Eisenstangen sollen sicherstellen, dass der Ball nicht noch einmal zwischen die Räder gelangt. Denn Frank Reinel hat als Schiedsrichter noch einiges vor. „Ich würde gerne in der Kreisliga pfeifen, damit ich in einem Schiedsrichtergespann pfeifen kann. Das würde noch mehr Spaß machen."

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