Hilfe-Center

Hilfe-Center:

Regionalliga

Regionalligen:

Verbände

Verbände:

Wenn Du dich bei unserer Community einloggst, kannst du Vereine und Mannschaften als Favoriten speichern und direkt von hier aus schnell und einfach erreichen.

Matchkalender

Begegnungen in deiner Nähe

{{typeaheadInput.text}}

* Pflichtfelder

Amateurstatistiken

DFB-Pokal |17.08.2016|16:40

Hauenstein im DFB-Pokal: Gepflegt gegen Bayer

David gegen Goliath: Der SC Hauenstein will die Pokalsensation gegen Leverkusen. [Foto: Andreas Renner/GettyImages/DFB]

Rückblende: 4. Juni 2016: 13 Minuten lang hatte der SC Hauenstein das große Ziel erreicht. Nach mehreren vergeblichen Anläufen sollte endlich der Aufstieg in die Regionalliga Südwest klappen. Dabei hatte es zunächst so ausgesehen, als ob die von Ex-Weltmeister Jürgen Kohler gecoachten Pfälzer erneut scheitern würden. Für den Coup war nämlich ein Sieg gegen den FC Nöttingen im letzten Spiel der Aufstiegsrunde notwendig und die Gäste aus Baden führten nach 36 Minuten 3:1. Zur Pause schien schon alles klar.

Doch nach dem Seitenwechsel drehten die Hauensteiner auf. Kapitän Sandro Röster traf doppelt zum 3:3 und in der 73. Minute erzielte Steffen Staub das 4:3 für das Kohler-Team. 4:3, das würde zum Aufstieg reichen. Damit hätte der SCH die Forderung von Klub-Präsident Carl-August Seibel umgesetzt, der im Winter gefordert hatte, dass es nach zwei knapp verpassten Aufstiegen in Folge nun endlich mit dem Sprung in die Regionalliga klappen müsse.

Schock ist verdaut

Aber es klappte nicht. Elf Minuten nach dem Führungstreffer sah Hauensteins Alexander Zimmermann die Rote Karte und in Unterzahl konnte der SCH den Ausgleich nicht verhindern. Leutrim Neziraj traf in der 86. Minute für Nöttingen und die Gäste machten damit den Aufstieg klar.

"Wir haben extra gegen viele höherklassige Gegner getestet und dabei gute Ergebnisse erzielt"

Den Schock über dieses unglückliche Saisonende haben die Pfälzer inzwischen einigermaßen verdaut. Zum einen war kurz zuvor durch ein 2:1 gegen den TSV Schott Mainz im Verbandspokalfinale zum ersten Mal der Einzug in den DFB-Pokal gelungen. Zum anderen erlebte die Mannschaft in der Sommerpause einen riesigen Umbruch. 15 neue Spieler kamen, von den SCH-Akteuren aus dem Nöttingen-Spiel sind viele gar nicht mehr im Klub. Auch Erfolgscoach Kohler ist nicht mehr Trainer in Hauenstein.

"Jürgen Kohler war von Anfang an nur als Trainer für eine Saison eingeplant", erklärt der Sportliche Leiter Heiko Magin: "Er lebt mit seiner Familie bei Bad Neuenahr und musste zu jedem Training 250 Kilometer einfach fahren. Es war klar, dass so etwas auf Dauer nicht geht." Kohler coacht inzwischen einen Klub in Heimatnähe, der SCH geht die neue Oberligasaison mit einem neuen Trainer an.

Oberliga wohl richtige Adresse

Dass der SC Hauenstein überhaupt in der Oberliga mitmischen kann, ist durchaus bemerkenswert. Die gerade mal 4000 Einwohner große Gemeinde wird von der Schuhindustrie dominiert und bietet neben vielen Schuhgeschäften auch noch das Deutsche Schuhmuseum. Das "Schuhdorf" Hauenstein liegt am Fuße des Pfälzer Waldes zwischen Landau, Pirmasens und Kaiserslautern.

Das Bindeglied zwischen der Schuhindustrie und den Fußballern ist Carl-August Seibel. Der Unternehmer ist Präsident des SCH und mit seiner Firma "Josef Seibel" auch Hauptsponsor des Klubs. Er hat es möglich gemacht, dass der SCH seit 1997 durchgehend in der Oberliga beheimatet ist, diversen Ligareformen zum Trotz. Zuletzt beendete der Klub dreimal in Folge die Spielzeit auf Platz zwei.

Mittlerweile hat sich im Schuhdorf allerdings auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Oberliga für den SCH vermutlich die passende Liga ist. Geschäftsführer Markus Kuntz stellt fest: "In unserem Stadion dürften wir die Risikospiele in der Regionalliga wie gegen Waldhof Mannheim gar nicht durchführen. Dafür müssten wir in ein anderes Stadion ausweichen. Das wäre auch organisatorisch ein großes Problem. Zudem haben wir riesige Standortnachteile, weil wir für den Fremdenverkehrsort Hauenstein zwar ein riesiger Werbeträger sind, von der Ortsgemeinde Hauenstein aber leider null Zuwendungen und Unterstützung bekommen. Bei unserer Konkurrenz ist dies anders." Und Heiko Magin konstatiert: "Wir haben eigentlich zu wenige Leute, die für das operative Geschäft und die Organisation zuständig sind. Für die Regionalliga bräuchten wir viel mehr zuverlässsige und kompetente Man-Power."

Partie verlegt

Ein organisatorischer Spagat wird auch der erste Hauensteiner Auftritt im DFB-Pokal. Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen besucht den SCH. Aufgrund der mangelnden Infrastruktur im heimischen Wasgau-Stadion findet die Partie im 20 Kilometer entfernten Pirmasens statt, ausgerechnet im Stadion des Lokalrivalen, der vor zwei Jahren knapp vor den Hauensteinern den Sprung in die Regionalliga schaffte.

Gegen Bayer 04 geht es für den SCH vor allem darum, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Dass ein Weiterkommen gegen Leverkusen mehr als unwahrscheinlich ist, wissen in Hauenstein alle. Ausgerechnet einer, der im Pokal schon einmal eine große Überraschung geschafft hat, wiegelt dann auch ab. Kapitän Sandro Rösner, der 2012 mit Wormatia Worms Hertha BSC aus dem Wettbewerb warf, verweist auf ein paar entscheidende Unterschiede zu damals: "Erstens war Worms Regionalligist und Hertha gerade aus der Bundesliga abgestiegen. Die hatten einen Riesenumbruch hinter sich. Und dann hatten wir auch jede Menge Glück. Unser Siegtor fiel zum Beispiel nach einem Torwartfehler."

Besser lief es für Rösner, einen ehemaligen U 19-Nationalspieler, der aus dem Nachwuchs des 1. FC Kaiserslautern stammt, und seine Wormatia dann eigentlich in der zweiten Runde gegen den 1. FC Köln, damals ebenfalls Zweitligist. "Da haben wir richtig stark gespielt", erinnert sich der Innenverteidiger. Die Wormatia schaffte es bis ins Elfmeterschießen, wo Rösners Teamkollege Marcel Abele den entscheidenden Elfmeter verschoss. Abele trägt heute, wie Rösner, das Trikot des SCH. Die Geschichte mit dem verschossenen Elfmeter ist zwischen den beiden natürlich immer noch ein Thema. "Das wird er sein Leben lang nicht mehr los", sagt Rösner und lacht.

Bange machen gilt nicht

Der Trainer, der auf Jürgen Kohler folgt und Hauenstein in die neue Saison führt, heißt Thomas Fichtner. Der coachte zuletzt Arminia Ludwigshafen und freut sich nun auf die Aufgabe im Schuhdorf. "Hauenstein hat einen guten Ruf", stellt Fichtner fest: "Hier weiß man als Trainer, dass man mit einem guten Team zusammenarbeiten kann." Der SCH steht nämlich seit Jahren im Ruf, gepflegten Fußball mit viel Ballbesitz zu spielen. "Da freut man sich auch mal an der Seitenlinie, weil das jetzt schon in der Vorbereitung richtig gut aussieht", sagt Fichtner.

Dass es mit dem vielen Ballbesitz gegen einen Champions-League-Teilnehmer eher schwer werden dürfte, hat durchaus auch die Hauensteiner Saisonvorbereitung beeinflusst. "Wir haben", so Fichtner, "extra gegen viele höherklassige Gegner getestet und dabei gute Ergebnisse erzielt." Gegen den Zweitligisten Sandhausen gab es zum Beispiel ein ehrenhaftes 0:0.

Gegen Leverkusen wäre ein torloses Unentschieden (und das Erreichen des Elfmeterschießens) natürlich ein absolutes Traumergebnis. Es kann aber auch ganz anders laufen. Vor fünf Jahren, beim letzten Pokalbesuch von Bayer 04 in Pirmasens, gewann der Bundesligaklub gegen den heimischen FK Pirmasens 11:1.

Aber Bange machen gilt nicht. Beide Teams haben ja auch ein paar Gemeinsamkeiten. Schließlich trifft der auf zweite Plätze abonnierte Bundesligist auf den Serienzweiten aus der Oberliga. Es ist das Duell Vizekusen gegen Vizestein.

Anzeige