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Pokalchancen |09.09.2020|18:00

Havelses Zimmermann: "Mutig und ohne Angst"

Havelse-Coach Jan Zimmermann: "Der Heimvorteil wäre ohne Zuschauer nicht allzu groß gewesen"[Foto: imago]

Der TSV Havelse aus der Regionalliga Nord nimmt erstmals seit 2012 im DFB-Pokal teil. Am Freitag (ab 20.45 Uhr) gastieren die Garbsener beim Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Trainer des TSV ist der ausgebildete Fußball-Lehrer Jan Zimmermann, der in Havelse mit Volker Finke und André Breitenreiter prominente Vorgänger hatte. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht Zimmermann über die Chancen in Mainz.

FUSSBALL.DE: Ihr Team startete mit einem 2:0 beim Aufsteiger FC Oberneuland in die neue Saison und ist der erste Tabellenführer in der Süd-Staffel der Regionalliga Nord. War es ein Auftakt nach Maß, Herr Zimmermann?

Jan Zimmermann: Vom Ergebnis her auf jeden Fall. Es ist immer wichtig, mit einem Sieg in die Saison zu starten. Nachdem wir zuvor schon das Endspiel im Landespokal von Niedersachsen gegen unseren Ligakonkurrenten BSV Schwarz-Weiß Rehden 4:1 gewonnen hatten, gehen wir die kommenden Aufgaben mit Rückenwind an. Allerdings lief gegen Oberneuland nicht alles perfekt. Besonders in der ersten Hälfte war Luft nach oben. Wir müssen zu Beginn des Spiels noch wacher und konzentrierter sein.

Die Regionalliga Nord ist in dieser Saison zunächst zweigeteilt. In den Staffeln Nord und Süd mit jeweils elf Mannschaften. Wie finden Sie das?

"Wir sind aber alle bereits heiß und voller Vorfreude auf die Partie"

Zimmermann:  Sehr gut. Es ist eine innovative Lösung für eine besondere Situation. Die Aufteilung in zwei Staffeln erleichtert den Vereinen die Reisen zu Auswärtsspielen und macht die Saisonplanung flexibler. Sofern es durch die Corona-Situation zu weiteren Spielabsagen kommen sollte, wäre dennoch genug Zeit, die Partien bis zum Saisonende nachzuholen. Bei einer Liga mit 22 Mannschaften wäre der Spielplan zeitlich zu eng getaktet gewesen.

Die abgebrochene Saison 2019/2020 beendete der TSV Havelse auf Platz neun. Wie lautet die Zielsetzung für die nun begonnene Spielzeit?

Zimmermann:  Wir waren mit dem Resultat der vergangenen Saison nicht komplett zufrieden. Wäre die Spielzeit fortgesetzt worden, hätten wir auf jeden Fall das Ziel gehabt, um noch einige Plätze zu klettern. In dieser Saison wollen wir uns für die Meisterrunde qualifizieren, also in unserer Staffel eine Top Fünf-Platzierung erreichen.

Nach dem Auftaktsieg in der Liga steht am Freitagabend bereits ein Saisonhöhepunkt an. Im DFB-Pokal treffen Sie mit Ihrem Team auf den Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Wie schätzen Sie Gegner und Siegchancen ein?

Zimmermann:  Viel spricht sicher nicht für uns. Wir spielen drei Ligen tiefer und Mainz hat Heimrecht. Außerdem konnten wir uns nicht optimal auf den Gegner vorbereiten, weil der FSV wegen interner Coronafälle zuletzt keine Testspiele absolvieren durfte. Es war uns also nicht mehr möglich, Mainz ausgiebig zu beobachten. Wir sind aber alle bereits heiß und voller Vorfreude auf die Partie und werden alles geben, um für eine Sensation zu sorgen.

Ist es ein großer Nachteil für Ihr Team, dass aufgrund der Corona-Situation in Mainz statt in Havelse gespielt wird?

Zimmermann:  Es ist zwar schade, dass wir aufgrund der aufwendigen Hygienemaßnahmen nicht in Havelse spielen können. Allerdings wären auch in unserem Stadion keine Zuschauer zugelassen gewesen. Der Heimvorteil, den sonst Amateurklubs im DFB-Pokal genießen und sich zunutze machen können, wäre dementsprechend nicht allzu groß gewesen.

Für Sie wird es erst das zweite DFB-Pokalspiel als Trainer. Bei Ihrem Debüt gab es 2016 mit Germania Egestorf-Langreder ein 0:6 gegen Bundesligist TSG Hoffenheim. Was muss jetzt besser klappen, um für eine Sensation sorgen zu können?

Zimmermann:  Obwohl es mein bisher einziges Spiel im DFB-Pokal als Trainer war, erinnere ich mich nicht gerne daran. Grund dafür ist, dass die Partie bereits nach der ersten Halbzeit entschieden war. Unser damaliges Team hat ohne Überzeugung und Mut gespielt und lag deshalb schon zur Pause 0:4 zurück. Am Freitag wird es für uns vor allem darum gehen, mutig und ohne Angst aufzutreten. Nur dann haben wir eine Chance.

Sie haben gerade Ihre Ausbildung zum Fußball-Lehrer abgeschlossen, in Havelse hatten Sie mit Volker Finke und André Breitenreiter prominente Vorgänger. Welchen Weg verfolgen Sie?

Zimmermann:  Kurzfristig wird mich mein Weg erst einmal am Freitag nach Mainz führen. (lacht) Aber Spaß beiseite: Ich habe keine wilden Karriereziele und bin entspannt. Das Fußballgeschäft ist so schnelllebig, dass es wenig Sinn macht, schon für Jahre vorauszuplanen. Die Ausbildung zum Fußball-Lehrer habe ich gemacht, um mir für die Zukunft alle Optionen offen zu halten.

Obwohl Sie bereits seit 2011 coachen, ist Havelse erst Ihre zweite Trainerstation. Ist Volker Finke, der unter anderem 16 Jahre den SC Freiburg trainierte, in Sachen Vereinstreue eines Ihrer Vorbilder?

Zimmermann:  Ich denke, dass man sich als Trainer bei verschiedenen Kollegen etwas für seine Arbeit und seinen Werdegang abschauen kann. Entscheidend dabei ist nur, dass man nicht sich selbst und seine Authentizität verliert. Ich möchte niemanden kopieren, sondern meine eigene Laufbahn gestalten.

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