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Nothilfefonds |01.07.2020|17:30

Herberger-Stiftung: "Doppelte Hilfe für mich"

Güney (M.): "Man kann sagen, dass mich die Corona-Pandemie den Job gekostet hat."[Foto: Thomas Siedler]

Die Corona-Pandemie hat Daniel Güney, bis Ende Juni noch Trainer der U 19 des VfR Aalen, finanziell hart getroffen. Genau für solche Fälle, in denen Menschen durch Covid19 unverschuldet in Not geraten sind, hat die DFB-Stiftung Sepp Herberger gemeinsam mit Nationalspieler Jonathan Tah ihren Corona-Nothilfefonds ins Leben gerufen. Worum geht es dabei? Und wer kann Unterstützung beantragen?

Plötzlich war die Not groß. Plötzlich hatte das Coronavirus die Welt im Griff - und auch Daniel Güney ist unmittelbar betroffen. Als Trainer der U 19 des VfR Aalen hatte er von heute auf morgen eigentlich keine Aufgabe mehr, an Fußballspielen war erstmal nicht mehr zu denken. Der Verein beantragte Kurzarbeit und Daniel Güney verlor einen wichtigen Teil seines Einkommens.

"So bin ich wirklich in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Ich hatte vorher nicht die Möglichkeit, mir großartige Rücklagen zu bilden", sagt Güney. "Einen kurzen Zeitraum hätte ich vielleicht überbrücken können. Aber das Geld aus der Kurzarbeit hätte nicht gereicht, um am Ende des Monats nicht dauerhaft in die Verlustzone zu rutschen."

Unterstützung von Jonathan Tah

"Heute bin ich einfach nur glücklich, dass ich auf die Aktion gestoßen bin. Es ist eine unglaubliche Hilfe für mich"

Durch Zufall wurde Güney auf den Corona-Nothilfefonds der DFB-Stiftung Sepp Herberger aufmerksam. "Ich habe gelesen, dass sich Jonathan Tah finanziell daran beteiligt und habe daraufhin genauer recherchiert, worum es dabei geht", beschreibt Güney. "Heute bin ich einfach nur glücklich, dass ich auf die Aktion gestoßen bin. Es ist eine unglaubliche Hilfe für mich."

Der Corona-Nothilfefonds fußt auf dem jahrzehntealten Solidaritätsgedanken des DFB-Sozialwerks. Dieser besagt, dass die große Fußballfamilie sich hilft, wenn einzelne Mitglieder unverschuldet in Not geraten sind - schon zu Lebzeiten war gerade diese Fürsorge für Sepp Herberger ein wichtiger Aspekt seines Handels. Auch nach seinem Tod lebt dieser Gedanke weiter. Denn der frühere Bundestrainer und seine Frau haben ihr Privatvermögen der DFB-Stiftung Sepp Herberger vermacht und dabei verfügt, dass dieses vorrangig für solche Zwecke eingesetzt wird.

Aus diesem Gedanken ist der Corona-Nothilfefonds entstanden, von dem neben Daniel Güney viele weitere Mitglieder der Fußballfamilie in Deutschland profitieren. Güney musste einige wichtige Belege einreichen. Danach hat der 29-Jährige schnell die finanzielle Unterstützung zugesprochen bekommen: "Ich war erstaunt, wie unkompliziert das alles abgelaufen ist. Normalerweise ist es bei solchen Prozessen ja nicht ungewöhnlich, wenn das Wochen oder Monate dauert. Aber hier hat es wirklich nur ein paar Tage gebraucht, bis die Hilfe bewilligt wurde."

Antragsberechtigt sind Menschen, die sich haupt- oder ehrenamtlich in den DFB-Mitgliedsverbänden, deren Untergliederungen (zum Beispiel Schiedsrichtervereinigungen) und den bundesdeutschen Fußballvereinen engagieren. Förderanträge können fortlaufend bei der Stiftung gestellt werden. Wichtig ist der Nachweis über die individuellen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den jeweiligen Antragsteller. Die Anträge können formfrei per E-Mail an corona-hilfe@sepp-herberger.de gesendet werden. Jeder Antrag wird im Einzelverfahren geprüft. Ein Anspruch auf die Gewährung von Stiftungsmitteln besteht nicht.

Sicherheit in schwieriger Lebensphase

Die genannten Voraussetzungen treffen auf Daniel Güney zu. Deshalb war es schnell klar, dass er Unterstützung verdient hat. Denn bei ihm kommt zu allem Überfluss noch dazu, dass sein Trainervertrag aufgrund der Ungewissheit in dieser besonderen Zeit nicht verlängert wurde: "Man kann sagen, dass mich die Corona-Pandemie den Job gekostet hat. Das ist bitter. Als Verantwortlicher im Fußballbereich ist man es zwar gewohnt, dass es schnell mal Veränderungen geben kann. Dass durch die Kurzarbeit Gehalt wegfällt und ich ab dem 30. Juni keinen Job mehr habe, macht es aber wirklich kompliziert. In diesem Zusammenhang ist die Unterstützung durch die Sepp-Herberger-Stiftung eine doppelte Hilfe für mich."

Nun sucht Güney zur neuen Saison eine neue Herausforderung. Es ist keine einfache Aufgabe, schließlich kann niemand genau sagen, wie sich die Pandemie entwickeln und welche dauerhaften Auswirkungen sie auf den Fußball haben wird. Güney macht sich Sorgen, aber nicht in übertriebenem Maße: "Obwohl ich noch recht jung bin, habe ich bereits viel Erfahrung im professionellen Nachwuchsfußball sammeln können. Ich kann mir gut vorstellen, bei einem ambitionierten Verein in diesem Bereich zu helfen. Es ist für mich aber auch eine Option, im Profibereich als Co-Trainer zu arbeiten oder eine Mannschaft auf Regionalliga- oder Oberliganiveau hauptverantwortlich zu betreuen.“

Und wenn alle Stricke reißen sollten, hätte Güney noch ein zweites berufliches Standbein: "Ich habe Lehramt studiert und könnte daher in den Lehrerberuf wechseln. Außerdem habe ich einen Bachelorabschluss als Bauingenieur. Das wäre auch noch eine Möglichkeit. Aber mein Herz schlägt für den Fußball. Deshalb ist es mein großes Anliegen, in diesem Bereich eine neue Aufgabe zu finden." Die finanziellen Mittel aus dem Corona-Nothilfefonds der Sepp-Herberger-Stiftung verschaffen ihm nicht nur etwas Sicherheit in einer schwierigen Lebensphase, sondern auch etwas Zeit bei der beruflichen Neuausrichtung.

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