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Familienbande |02.11.2018|14:00

In Wunstorf geht nichts ohne die "Ullmänner"

Trainer Jens, Kapitän Robin, Vorstand Dirk und 1. Vorsitzender Andree Ullmann sind die Ullmänner beim 1. FC Wunstorf. [Foto: 1. FC Wunstorf]

Wenn Du Präsident eines Fußballvereins wärst: Würdest Du dann auch am Trainer der ersten Mannschaft festhalten, wenn er die ersten zehn Saisonspiele nicht gewonnen hat und abgeschlagener Tabellenletzter ist? Oder würdest Du den Trainer entlassen, selbst wenn es Dein eigener Bruder wäre?

Im Profigeschäft ist eine Trennung nach einem kapitalen Fehlstart oft unausweichlich und ein üblicher Mechanismus - nicht aber beim 1. FC Wunstorf , der in der Oberliga Niedersachen zu Beginn der Saison durch ein tiefes Tal der Tränen gehen musste. „Ein Trainerwechsel war bei uns nie ein Thema“, sagt der 1. Vorsitzende Andree Ullmann, dessen jüngerer Bruder Jens für die sportlichen Geschicke des Fünftligisten verantwortlich ist, im Gespräch mit  FUSSBALL.DE . „Wir gehen gemeinsam durch dick und dünn.“

Ohnehin geht in dem rund 400 Mitglieder zählenden Verein aus der 25.000 Einwohner-Gemeinde Wunstorf in der Nähe von Hannover kaum etwas ohne die Familie Ullmann. Fußball-Boss Andree (55), der schon seit 30 Jahren in verschiedenen Funktionen Vereinsarbeit verrichtet, wird im Vorstand von seinem Bruder Dirk (54) unterstützt, der früher auch schon 1. Vorsitzender war und jetzt für die Finanzen und Mitgliederverwaltung zuständig ist. Im sportlichen Bereich hält Jens (51) als Trainer und Sportlicher Leiter seit sechs Jahren das Ruder fest in der Hand. Kapitän der Oberliga-Mannschaft ist Robin Ullmann (29), Sohn von Andree. Er zieht auf dem Platz im Mittelfeld die Fäden.

Trainer Jens Ullmann im Autohaus für Zweiräder zuständig

Nicht nur privat und im Verein, sondern auch beruflich ziehen die „Ullmänner“ an einem Strang. Ihr Autohaus in Wunstorf, das auch als Sponsor beim Oberligisten auftritt, wird von Andree, Dirk sowie Schwester Claudia geleitet. FC-Trainer Jens Ullmann ist für die Zweiräder zuständig, schraubt manchmal bis tief in die Nacht an den Motorrädern, um die Kunden zufriedenzustellen.

FC-Kapitän Robin Ullmann, der aktuell im Verkauf tätig ist, wird auch im Unternehmen als Nachfolger für die nächste Generation aufgebaut. Damit setzt die Familie die Tradition ganz im Sinne des inzwischen verstorbenen Vaters, Großvaters und Firmengründers Heinz Ullmann fort.

Früher in der ersten Mannschaft, heute bei Alten Herren

Schon Heinz Ullmann engagierte sich nahezu sein ganzes Leben für den Verein, war „Mädchen für alles“, wie sich der Vorsitzende Andree Ullmann erinnert. Als der heutige 1. FC Wunstorf im Januar 1972 aus der Fusion der beiden Vereine SpVg Wunstorf und FC Rot-Weiß Wunstorf entstand, war Heinz Ullmann schon dabei.

„Mein Vater hat uns Kinder über Jahre an den Fußball in Wunstorf herangeführt“, sagt Andree Ullmann. Später spielten die drei Söhne allesamt in der ersten Mannschaft und sind auch heute noch bei den Alten Herren aktiv.

Späterem Nationaltorwart Uli Stein das Benzin spendiert

Auch beim größten Erfolg in der Vereinsgeschichte war Familie Ullmann in der ersten Reihe dabei. In der Saison 1974/1975 nahm der Klub als Finalist im Niedersachsenpokal zum ersten und bislang einzigen Mal am DFB-Pokal teil, scheiterte in der ersten Runde am heutigen Zweitligisten SV Sandhausen (1:3).

Zwischen den Pfosten seines Heimatvereins stand damals kein Geringer als der spätere Nationaltorwart Uli Stein, der für Arminia Bielefeld, den Hamburger SV und Eintracht Frankfurt insgesamt 645 Einsätze in den höchsten beiden deutschen Profiligen absolvieren sollte und damit Rekordhalter ist. „Uli war schon damals ein außergewöhnlich guter Torhüter. Mein Vater, der damals sein Geschäft mit einer Tankstelle aufbaute, spendierte Uli häufiger die Benzinrechnung, wenn er mit seinem Auto vorgefahren kam“, verrät Andree Ullmann.

Neustart 1996 in den Niederungen der Bezirksliga

Die schlechten Zeiten beim 1. FC Wunstorf hat die Fußballerfamilie Ullmann ebenfalls mitgemacht. Der Tiefpunkt war 1996 erreicht. „Das damalige Management hatte den Verein heruntergewirtschaftet“, erinnert sich Andree Ullmann: „Als mein Bruder Dirk, der zufällig seine Sporttasche im Auto hatte und als elfter Mann bei der ersten Mannschaft aushelfen musste, war das für uns die Initialzündung für einen Neuanfang. So konnte es nicht weitergehen.“ Der Klub, der stets der klassenhöchste Verein in der Umgebung war, drohte in der Versenkung zu verschwinden.

Vor inzwischen 22 Jahren übernahmen die „Ullmänner“ in der Bezirksliga das Kommando, fortan ging es fast nur noch bergauf. Lediglich in der Spielzeit 2002/2003, als der Verein von der Niedersachsenliga in die Landesliga abstieg, mussten die drei Ullmann-Brüder mit dem 1. FC Wunstorf einen sportlichen Rückschlag einstecken. Seit der Saison 2012/2013 mischt der Klub nun in der Oberliga Niedersachen mit, der fünfthöchsten Spielklasse.

Ersten Aufstieg in die Regionalliga hauchdünn verpasst

In der vergangenen Saison formte Trainer Jens Ullmann sein Team sogar zu einer Spitzenmannschaft. Der erste Aufstieg in die Regionalliga Nord wurde nur ganz knapp verpasst. Am Ende fehlte dem Tabellenvierten nur ein Sieg für die Meisterschaft. Lupo Martini Wolfsburg stieg direkt auf und der punktgleiche Tabellenzweite VfL Oldenburg setzte sich in der Aufstiegsrunde durch.

„Den verpassten Aufstieg nehme ich auf meine Kappe“ sagt der 1. Vorsitzende Andree Ullmann. „Wir hatten in der Rückrunde viele Verletzte und hätten wohl personell nachbessern müssen. Ich bin jedoch davon ausgegangen, dass die Spieler rechtzeitig für den Saisonendspurt wieder fit werden. Das war unter dem Strich eine Fehleinschätzung.“

Mit drei Siegen in Serie neue Hoffnung geschöpft

Grundsätzlich ist der Sprung in die 4. Liga für den 1. FC Wunstorf nicht das angestrebte Ziel. „Wir sind von unseren Strukturen her eigentlich nicht viel mehr als ein Bezirksliga- oder Landesligaverein“, gibt Andree Ullmann offen zu: „Die Oberliga ist für uns nur durch das Engagement von einigen positiv Bekloppten, die sich für den Verein aufopfern und ihn finanziell unterstützen, zu realisieren. Wir wollen uns in der Klasse möglichst weiter etablieren. Ein Abstieg wäre aber auch kein Weltuntergang.“

Aktuell scheint die sportliche Krise beim 1. FC Wunstorf jedoch überwunden. Mit optimalen neun Punkten aus den vergangenen drei Spielen hat die Mannschaft von Jens Ullmann die Wende eingeleitet und im Abstiegskampf neue Hoffnung geschöpft. Zwar rangiert das Team immer noch am Tabellenende. Der Rückstand zu einem sicherten Nichtabstiegsplatz ist aber auf zwei Zähler geschmolzen. „Wir werden den Klassenverbleib schaffen“, sagt Vereinsboss Andree Ullmann voller Überzeugung.

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