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Alternativsport |10.01.2019|15:00

Irre: Pokerkönig aus Buer

Robionek setzte sogar das letzte Training vor dem Turnier aus, um eine Teilnahme nicht zu gefährden. [Foto: Facebook]

Im Hotel Atlantis auf Paradise Island vibriert die Luft. Die Spannung im großen Saal der Luxusherberge auf den Bahamas ist förmlich zu greifen. Hier laufen noch bis morgen die PokerStars Players NL Hold’em Championship, es geht um ein Preisgeld von insgesamt unglaublichen 26,45 Millionen Dollar. Einer der Zocker hier unter den Kartenprofis aus aller Welt kommt aus Gelsenkirchen, spielt bei den Alten Herren der SSV Buer und ist Mitorganisator beim „Buerschen Kneipenturnier“ für Hobbykicker: Michael Robionek.

So etwa wie die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär muten die vergangenen Tage des 46-Jährigen an. Denn wie im Fußball ist Michael Robionek auch im Pokern ein Amateur- oder eher Hobbyspieler, sein höchster Gewinn bisher: 80 Euro. Paradise Island verlässt er nun mit über 150.000 Dollar in der Tasche. Für den ganz großen Wurf – dem Sieger winken 5,1 Millionen Dollar! – hat es gegen die Stars der Szene doch nicht gereicht, aber Platz 21 beim bisher größten Pokerturnier der Welt kommt dem Underdog aus dem Ruhrpott dennoch wie ein Märchen vor.

Im Interview mit FUSSBALL.DE erzählt Michael Robionek, wie es zum Showdown auf den Bahamas kam und was er in Gelsenkirchen mit dem Geld vorhat.

FUSSBALL.DE: Michael Robionek, haben Sie keine Angst, dass Sie plötzlich aufwachen und all das, was Sie gerade erlebt haben, doch nur ein Traum ist?

"Ich hatte nie viel Geld und habe jetzt auch nicht vor, zu Hause auf die Kacke zu hauen"

Michael Robionek: Das ist alles schon irgendwie unglaublich, vom Gewinn meiner Wildcard bis hin zu den Vorbereitungen für die Reise ans andere Ende der Welt und natürlich dann dem Turnier hier auf den Bahamas. Ich konnte die ganze Zeit, seit ich hier bin, auch kaum schlafen, da ich zwischen den Spieltagen nicht abschalten konnte. Mein Kopf war einfach voll mit den unglaublich vielen neuen Eindrücken.

FUSSBALL.DE: Wie schafft es ein Hobbyspieler überhaupt in den Olymp der Pokerkönige?

Robionek: Da gibt es viele Faktoren. Wenn ich früher mit Kumpels in der Kneipe gepokert habe, dann war ich schon meistens besser als die anderen. Dann habe ich angefangen, online zu pokern, habe aber wie vorher auch nie Geld eingesetzt. Mein höchster Gewinn war bisher 80 Euro.

FUSSBALL.DE: Das Startgeld für die Championship auf den Bahamas betrug 25.000 Euro...

Robionek: Deswegen können sich das nur reiche Leute oder Profispieler leisten. Der Online-Anbieter PokerStars hat aber im Vorfeld 320 Platinum-Pässe vergeben, die Hobbyspieler bei Online-Qualifikationsturnieren gewinnen konnten. Ich habe solch eine Challenge im November gewonnen, danach ging der ganze Spaß los. Weil ich kein Geld für die Tour hatte, habe ich mir die 1.000 Euro für den Flug bei einem Kumpel geliehen.

FUSSBALL.DE: Der jetzt wie viel zurück kriegt?

Robionek: Den Tausender, den er mir geliehen hat, plus ein Prozent von meinem Gewinn. Das haben wir vorher so ausgemacht. Von den 150.600 Dollar, die ich gewonnen habe, gehen übrigens 600 Dollar als Trinkgeld an die Cardholder im Hotel und 15.000 an meinen Mitspieler Christian Jambor. Wir haben am ersten Tag des Turniers ausgemacht, dass wir uns von unserem Gewinn gegenseitig zehn Prozent abgeben – da hat er einen guten Deal gemacht (lacht) .

FUSSBALL.DE: Mit welcher Strategie haben Sie es als Nobody so weit gebracht?

Robionek: Ich habe in jeder Runde dazu gelernt und meinen Spielstil dem Turnier und den Gegnern am Tisch angepasst. Am ersten Tag erhält jeder Spieler für seinen Einsatz von 25.000 Dollar 60.000 Chips, die er einsetzen kann. Anfangs habe ich recht schnell viel verloren, weil ich zu offensiv gezockt habe. Neben mir am Tisch saß zwischendurch auch mal ein Milliardär, dem es ja, mal abgesehen vom sportlichen Ehrgeiz, finanziell egal ist, ob oder wie viel er gewinnt. Bei mir waren die Voraussetzungen ja ganz andere: Ich habe so etwas noch nicht einmal ansatzweise erlebt. Ab dem zweiten Tag lief es dann besser, da habe ich mit einer defensiveren Taktik fast nur noch gewonnen. Als ich dann unter den besten 38 gelandet war, konnte ich es kaum glauben. Da war ja schon klar, dass ich über 80.000 Dollar in der Tasche haben würde.

FUSSBALL.DE: Wie geht es jetzt zu Hause weiter?

Robionek: Ich hatte nie viel Geld und habe jetzt auch nicht vor, zu Hause auf die Kacke zu hauen. Ich will meine kleine Mietwohnung behalten, gönne mir vielleicht einen kleinen Gebrauchtwagen und gebe natürlich meiner Mannschaft einen aus. Nächsten Mittwoch ist wieder Training an der Löchterheide, da freue ich mich schon drauf. Beim letzten Training vor Weihnachten habe ich ausgesetzt, denn ich wollte vor der Reise auf die Bahamas nicht unbedingt einen Knöchelbruch oder so etwas riskieren (lacht) .

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