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Ein Jahr im Amt |27.09.2020|18:30

Keller: "Wichtig, uns stetig zu hinterfragen"

DFB-Präsident Fritz Keller: "Mir ist wichtig, dass wir uns permanent hinterfragen"[Foto: Getty Images]

Vor einem Jahr wurde Fritz Keller auf dem 43. Ordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt am Main einstimmig von den 257 Delegierten zum 13. DFB-Präsidenten gewählt. Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht der 63-Jährige über das Erlebte aus dieser Zeit.

FUSSBALL.DE: Herr Keller, Sie sind heute seit genau 365 Tagen DFB-Präsident. Was hat Sie in diesem Jahr besonders überrascht – neben dem Ausbruch einer weltweiten Pandemie, auf die wohl niemand vorbereitet war.

Fritz Keller: Überrascht haben mich die vielen hohen Erwartungen: Der Fußball soll auf alle aktuellen Fragestellungen eine Antwort haben, vor allem auch auf die, die Politik und Gesellschaft bislang nicht beantworten können. Diese Verantwortung nehmen wir selbstverständlich an, weil ich weiß, was der Fußball leisten kann. Wir gehen gerne voran und wir dürfen uns geehrt fühlen, dass man uns das zutraut. Für uns bedeutet dies Anspruch und Ansporn zugleich. Aber gleichzeitig muss ich mit realistischem Blick sagen: Auch der Fußball kann nicht alle Probleme im Alleingang lösen, sondern nur im Schulterschluss mit vielen Akteuren. Als Teil der Gesellschaft. Damit teilweise zusammenhängend hat mich außerdem der Grad an Hass und Neid überrascht, der nicht nur anonym im Internet denjenigen entgegenschlägt, die Haltung zeigen. Und schlussendlich hatte ich erwartet, als Präsident eines Fußballverbandes mehr Fußballspiele sehen zu können als zuvor. Aber leider ist das Gegenteil der Fall.

Ganz entscheidend geprägt war Ihr erstes Jahr im Amt vom Ausbruch der Corona-Pandemie. Wie ist Fußball-Deutschland bislang durch diese Krise gekommen?

Keller: So gut, wie es möglich war. Ich bekomme viel Lob von Kollegen aus anderen Nationalverbänden, von UEFA und FIFA. Wir haben ein erstklassiges Konzept entwickelt und zurück in den Spielbetrieb gefunden – im Profi- wie mittlerweile überall im Amateurfußball. Wir haben die Saisons auch in der 3. Liga und FLYERALARM Frauen-Bundesliga ordentlich zu Ende gespielt. Das ist weltweit einzigartig. Und wir haben die Endrunde der UEFA Europa League in Nordrhein-Westfalen organisieren dürfen. Das war ein wunderbarer Vertrauensbeweis der UEFA an den deutschen Fußball. Der Fußball hat dabei nicht nur auf sich selbst geschaut, sondern unsere Konzepte wurden von anderen Sportverbänden und Unternehmen weltweit übernommen, sogar von Kindergärten. Wir sind gerne vorangegangen und möchten das auch bei der Rückkehr von Zuschauer*innen tun. Denn wir werden, da wir nicht absehen können, wann ein Impfstoff verfügbar ist, mit diesem Virus leben und eine neue Normalität gestalten müssen. Der Fußball will seine Erfahrungen und Konzepte dabei abermals mit anderen Branchen, mit Kultur- und Wirtschaftsbetrieben teilen.

Der Fußball musste viel Kritik für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs einstecken.

Keller: Der Fußball hat nie von sich behauptet, systemrelevant oder bedeutender als andere Branchen zu sein. Im Gegenteil, der Fußball hat sich zurückgenommen und hat den Spielbetrieb vollständig ausgesetzt. Von 80.000 Spielen pro Woche auf null. Aber er ist nicht in der Starre geblieben, sonst wäre er dort heute noch und viele Vereine hätten womöglich nicht überlebt. Deutschland spielt wieder Fußball: Jung und Alt, Frauen und Männer, Amateure und Profis. Das ist großartig. Ich bin stolz darauf, dass Deutschland heute als Vorbild gilt, wie man mit der Corona-Krise umgeht. Und dazu hat der Fußball einen wichtigen Teil beigetragen. Wir wollen die Freude am Fußball zurückbringen.

Fünf Monate nach Ihrer Wahl zum DFB-Präsidenten brach die Corona-Krise über den Fußball herein. Sie sind mit einer klaren Agenda zur Wahl angetreten. Wie sehr hat die Pandemie Ihre Pläne für den DFB und den deutschen Fußball durchkreuzt?

Keller: Natürlich hatten über Nacht ganz andere Maßnahmen Vorrang. Das war im September nicht abzusehen. Und natürlich sind wir deshalb in manchen Bereichen noch nicht dort, wo wir zu diesem Zeitpunkt gerne wären. Aber auch wir sind nicht in der Schockstarre geblieben und haben obwohl Corona viele Kapazitäten und Gelder gebunden hat, wichtige Maßnahmen und Versprechen umgesetzt.

Auf welche sind Sie besonders stolz?

Keller: Wir haben im Auge der Krise eine elementar wichtige Diskussion angestoßen: Wie kann sich der Fußball besser rüsten, damit er künftigen Generationen erhalten bleibt, so wie wir ihn kennen und lieben? Aber damit er auch besser durch die nächste Krise findet, denn die wird irgendwann kommen. Mit dem "5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit im Fußball" wollte ich Impulse setzen, zum Nachdenken anregen, Diskussionen anstoßen. In einigen Punkten haben wir begonnen, an der Umsetzung zu arbeiten. Wir können die nötigen Maßnahmen allerdings nur gemeinsam mit vielen Akteuren treffen und sind deshalb im Dialog mit vielen verschiedenen Interessengruppen des Fußballs. Beispielsweise mit den Fans, die uns in den vergangenen Monaten in den Stadien so stark gefehlt haben. Wichtig war auch, dass wir mit als erster Verband die Proteste von Spielern gegen Rassismus nicht, wie es die internationalen Statuten vorschreiben, geahndet haben. Die jungen Generationen müssen sich politisch engagieren - auch wenn es unbequem ist. Der Diskussion und der Fragestellung politischer Botschaften im Stadion wollen wir uns neu stellen. Mir ist wichtig, dass wir uns permanent hinterfragen, auch wenn dies ein sehr herausfordernder Prozess sein wird.

Auch die Förderung des Frauenfußballs liegt Ihnen am Herzen.

Keller: Im Frauenfußball sind wir sicher noch nicht dort, wo wir gerne sein würden. Aber wir machen Fortschritte. Viele Profiklubs, die Frauenfußball vor kurzem noch gar nicht auf der Agenda hatten, engagieren sich mittlerweile. Das wird nochmal einen Extraschub geben. Auch Sponsoren erhöhen den Druck, sich im Frauenfußball zu engagieren. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für und um die Gleichstellung zu kämpfen. Im Fußball ist es wichtig, dass jedes Mädchen, das kicken möchte, ob auf dem Land oder in der Stadt, auch die Möglichkeit dazu erhält und einen Verein in der Nähe findet.

Wieviel Fritz Keller steckt nach einem Jahr schon im DFB?

Keller: Was den DFB intern angeht, so wurde ja schon vor mir ein Kulturwandel eingeleitet: Transparenz ist mir wichtig, wir haben erstmals zum Beispiel einen Vergütungsausschuss eingesetzt und Gehälter offengelegt, es gibt wieder ein konstruktives Miteinander – und eine Compliance, die weit über das hinausgeht, was in vielen Unternehmen üblich ist. Wir haben mehr Frauen in Führungspositionen, etwa erstmals in der Geschichte des Verbandes eine stellvertretende Generalsekretärin und eine Mediendirektorin. Auch darauf bin ich stolz. Wir wollen einen U30-Beirat gründen, möglichst gleichwertig besetzt mit Frauen und Männern, um von jungen Menschen zu lernen. Der DFB hat viele hochmotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für den Fußball brennen und den Fußball lieben. Auch wenn mir vieles zu langsam geht, weil ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, geht es hier voran. Und mit der Ausrichtung der UEFA EURO 2024 haben wir eine glänzende Perspektive. Eine Idee, hinter der sich wieder das ganze Land versammeln kann. Das sind hervorragende Voraussetzungen.

Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist neben der Gleichstellung auch der Klimaschutz.

Keller: Und auch hier wollen wir vorangehen. Ich weiß, dass der Fußball in manchen Bereichen Nachholbedarf hat. Das Sportliche ist unser Kerngeschäft, wir brauchen den sportlichen Erfolg, um in diesem Windschatten andere Projekte anzugehen. Aber wir gehen es an. Nicht nur bei unserem Neubau, der gerade in Frankfurt entsteht, setzen wir verstärkt auf Nachhaltigkeit. Es ist beispielsweise ein ehrgeiziges, aber begeisterndes Projekt, dass Deutschland sich für die Dauer der EURO 2024 klimaneutral präsentieren will.

Der DFB hat gerade wieder mit einem neuen TV-Spot für Vielfalt Haltung gezeigt. Warum ist das in diesen Tagen besonders wichtig?

Keller: Die Stimme des DFB ist eine, die für mehr als sieben Millionen Mitglieder spricht - und sich dafür einsetzt, dass Fußball in Deutschland und in der Welt Menschen zusammenbringt unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder Herkunft. Vielfalt ist eine Bereicherung für den Fußball wie für die gesamte Gesellschaft. Aktuelle Entwicklungen in unserem Land, machen deutlich, dass wir jeden Tag Flagge zeigen müssen. Der Fußball steht für Verständigung, für Integration, Akzeptanz und Toleranz. Der DFB steht an der Seite der überwältigenden, aber manchmal schweigenden Mehrheit in unserem Land, die sich den Spaltern, die für die nicht akzeptable Polarisierung der Gesellschaft sorgen, entgegenstellen.

Auf die nächste Gelegenheit für einen Titel müssen wir länger warten, als ursprünglich geplant. Die Europameisterschaft mit vier Spielen in München ist in das kommende Jahr verlegt worden. Die Nationalmannschaft ist durchwachsen in die Nations League gestartet. Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf das kommende Turnier?

Keller: Wir sind im Umbruch, haben eine sehr junge, talentierte Mannschaft mit herausragenden Spielern. Wenn sich noch stärker ein Team auf dem Platz zusammenfindet, bin ich sehr hoffnungsvoll für die nächsten Spiele in der Nations League genauso wie für die Europameisterschaft. Ich bin mir sicher, dass es Joachim Löw und Oliver Bierhoff ein weiteres Mal gelingen wird, eine starke Mannschaft zu formen. Und dann ist bei der EURO alles möglich. Dass wir zurück wollen nach Wembley, wo wir vor bald 25 Jahren zuletzt den EM-Titel gewinnen konnten, ist doch logisch. Unsere erste Chance, in London zu spielen, haben wir übrigens im Halbfinale …

Ob die EURO vor Publikum ausgetragen werden kann, steht noch nicht fest, denn die Krise ist noch längst nicht überstanden. Wie optimistisch sind Sie, dass der Fußball auch nach der Pandemie noch "das letzte Lagerfeuer" ist, das alle wärmt?

Keller: Fußball ist Teil unseres täglichen Lebens, wie andere Sportarten, wie die Kultur, Gastronomie – wie alles, was Deutschland lebenswert macht. Die Freude am Fußball vereint uns alle. Zum Fußball gehören Spiele der Nationalmannschaft – die gab es in Corona-Zeiten weniger als sonst. Zum Fußball gehören Turniere – die wurden verschoben. Und zum Fußball gehören Zuschauer*innen: Die dürfen nur zum Teil in die Stadien. Dass in einer solchen Situation das Lagerfeuer, das alle eint, ein wenig schwächer flackert, ist doch verständlich. Auf kleiner Flamme haben wir weitergemacht und pusten nun von allen Seiten, dass es bald wieder brennt. Genau darum muss es unser aller Interesse sein, die Freude am Fußball wieder zurück zu holen. Gemeinsam werden wir das schaffen.

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