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Asien-Reise |18.10.2019|09:20

Melbaum: Trainerin in Indien und Sri Lanka

Wiltrud Melbaum als Trainerin im Einsatz: unter anderem Koordinationsübungen standen auf dem Programm.[Foto: FVN]

Als großes Abenteuer wird Wiltrud Melbaum, Verbandssportlehrerin beim Fußballverband Niederrhein (FVN), ihren knapp zweiwöchigen Aufenthalt als "Fußball-Botschafterin" in Indien und Sri Lanka in Erinnerung behalten. An mehreren Stationen führte die 51-Jährige unter anderem Trainingseinheiten mit Kindern und Jugendlichen sowie Workshops mit Trainern durch. "Vor allem die Dankbarkeit der Kinder werde ich nie vergessen!", sagt Melbaum mit glänzenden Augen.

Anfang Juni war Melbaum in den Flieger Richtung Bangalore gestiegen, rund 7500 Kilometer von Duisburg entfernt. Der Kontakt nach Indien und Sri Lanka kam über den DFB und die jeweiligen Botschaften in Deutschland zustande. Ziel: Den deutschen Fußball in den beiden asiatischen Ländern zu präsentieren.

Mit knapp 1,35 Milliarden Einwohnern ist Indien hinter China (1,41) das bevölkerungsreichste Land der Erde. Es ist zehnmal größer als Deutschland mit seinen rund 82 Millionen Einwohnern. "Die Masse an Menschen ist schon bemerkenswert", sagt Melbaum. "Gerade in den großen Städten wundert man sich, wie der Verkehr funktioniert. Ganz ehrlich: Wenn wir auf der A40 von Stau reden, würde jeder Inder wohl nur müde lächeln."

Fußball als Nieschensport

"Solche Reisen sorgen für mehr Lebenserfahrung und größere Menschenkenntnis"

Selbst fahren musste Melbaum während ihres Aufenthalts glücklicherweise nicht. Die Kommunikation lief größtenteils auf Englisch. "In Indien sprechen die Menschen insgesamt 15 Sprachen, es gibt 800 Dialekte. Die Sprache, die alles vereint, ist Englisch", erklärt sie.

Die unumstrittene Nummer eins unter den Sportarten in Indien ist Cricket. Fußball besetzt aktuell eher eine Nische. Trotzdem wurde der Besuch von Melbaum groß angekündigt. Es gab Plakate in der ganzen Stadt, Medien berichteten auf vielen Kanälen über den Besuch der deutschen Fußball-Expertin. "Anders als in China ist der Fußball in Indien nicht primär leistungsorientiert", sagt Melbuam. "Vielmehr wird er genutzt, um soziale Probleme anzugehen. Häufig spielen Mädchen und Jungen gemeinsam Fußball. Beim Cricket wäre diese Art der Gleichberechtigung nahezu undenkbar."

Melbaums erste Station in Bangalore war eine private, aber für die Mittelschicht finanzierbare Schule. Auf dem Programm standen Trainingseinheiten und ein Turnier. Wegen der großen Hitze, teilweise kratzte das Thermometer an der 50 Grad-Marke, wurde meistens frühmorgens oder spätabends gespielt.

Müllkippe als Trainingsplatz

Ähnlich war es bei den weiteren Stationen Chennai, Colombo (Sri Lanka) und Neu Delhi, der Hauptstadt Indiens. Von dort ging es dann auch noch für einige Tage nach Rurka Kalan in die Nähe der pakistanischen Grenze.

Melbaum kam während ihrer Asien-Reise nicht nur mit fußballbegeisterten Kids zusammen. Kontakte knüpfte sie auch zu Ministerien, Botschaften und dem Goethe-Institut (Chennai). Den Beruf des Diplomaten lernte Melbaum erstmals aus unmittelbarer Nähe kennen. "Was diese Leute alles wissen und bewegen können. Das nötigt einem schon Respekt ab", so die Fußball-Lehrerin vom Niederrhein.

Eine Trainingseinheit unter ungewöhnlichen Bedingungen wird Wiltrud Melbaum ganz besonders in Erinnerung bleiben: "Einmal mussten wir improvisieren und eine Müllkippe zum Trainieren benutzen", erzählt sie. "Wir haben uns zunächst 20 mal 20 Meter Platz gemacht. Vier Hütchen und zwei Bälle standen uns zur Verfügung. Trotz der widrigen Bedingungen hatten alle ihren Spaß."

Mädchen machen heimlich Trainerausbildung

Stark beeindruckt war Melbaum von der Geschichte einer Gruppe von 15 Mädchen, die größtenteils hinter dem Rücken ihrer Familien eine Trainerausbildung absolviert hatten - vergleichbar in etwa mit dem  DFB-Junior Coach . Melbaum: "Die Mädchen sind am Ende mit dem Zertifikat in ihre Familien gegangen und waren dann auch akzeptiert - zumal sie im Anschluss an ihren Schulen AGs leiten durften und dafür auch Geld bekamen."

Melbaums Fazit fällt durchweg positiv aus. "Solche Reisen sorgen für mehr Lebenserfahrung und größere Menschenkenntnis. Das sorgt nicht zuletzt dafür, dass ich mich auch als Ausbilderin weiterentwickele und besser werde. Die Kontakte nach Indien werde ich in jedem Fall weiterpflegen. Es gab Signale, dass die angestoßenen Projekte fortgeführt werden sollen."

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