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Ex-Profi |15.01.2020|08:30

Pannewitz: Fair Play in der Kreisliga A

Kevin Pannewitz: "Ich habe in einer Shisha-Bar gearbeitet, war Hausmeister oder habe Waschmaschinen und Möbel hochgetragen".[Foto: imago images / Christoph Worsch]

Nur wenige Tage nach seinem 18. Geburtstag gab er 2009 sein Debüt für den FC Hansa Rostock in der 2. Bundesliga, galt als eines der hoffnungsvollsten Talente im deutschen Fußball. Mit der U 19 der Hanseaten gewann er 2010 die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft. Zwei Jahre später verpflichtete ihn Meistertrainer Felix Magath für den Bundesligisten VfL Wolfsburg. Die Rede ist von Kevin Pannewitz, inzwischen auch erst 28 Jahre und damit eigentlich noch im besten Fußballeralter.

In dieser Woche steigt "Panne" mit seinem neuen Verein wieder in das Training ein. Der vielseitige Defensivspieler, der einst vom DFB zu Lehrgängen der U 19-Nationalmannschaft eingeladen worden war, kickt seit Oktober für den Berliner A-Kreisliga-Tabellenführer FC Phönix Amed . 9. Liga statt Profifußball, kleine Kunstrasenplätze statt großer Stadien. "Ich spiele halt gerne Fußball, will einfach kicken", sagt Pannewitz im Gespräch mit FUSSBALL.DE .

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr endete für ihn das vielleicht letzte Kapitel im höherklassigen Fußball. Der Drittligist FC Carl Zeiss Jena sprach im Januar 2019 die außerordentliche Kündigung aus. Grund: Pannewitz, der während seiner gesamten Karriere immer wieder mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hatte und auch mit der einen oder anderen Undiszipliniertheit aufgefallen war, soll nach der kurzen Winterpause einige Pfunde zu viel auf die Waage gebracht haben.

"Es waren 1,6 oder 1,7 Kilogramm. Das ist doch kein Grund für eine Kündigung", formuliert Pannewitz, der zum Zeitpunkt der Trennung noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020 besaß und vor dem Arbeitsgericht Gera gegen seinen Ex-Verein klagte. Wenige Monate später endete das Verfahren mit einem Vergleich und der Vertragsauflösung.

"Als ich jetzt nach Berlin zurückgekehrt bin, hatte ich sofort wieder einige Anfragen aus der Oberliga"

Mit Übergangs-Jobs über Wasser gehalten

Für Pannewitz war der vorzeitige Abschied aus Jena vor allem deshalb so bitter, weil er sich für diese Chance wohl so sehr ins Zeug gelegt hatte, wie nie zuvor. Schließlich war der gebürtige Berliner nach dem missglückten Engagement in Wolfsburg, wo er über Einsätze für die zweite Mannschaft nicht hinausgekommen war, über die Stationen beim Goslarer SC und bei der VSG Altglienicke schließlich beim Oranienburger FC Eintracht in der 6. Liga von Brandenburg gelandet. Die Waage zeigte mehr als 120 Kilogramm.

Mit verschiedenen Übergangsjobs hielt sich Pannewitz finanziell über Wasser. "Ich habe in einer Shisha-Bar gearbeitet, war Hausmeister oder habe Waschmaschinen und Möbel hochgetragen", verriet er später in einem DFB.de -Interview. "Das war Knochenarbeit, teilweise zwölf Stunden am Tag."

Auf Vermittlung seines Schwagers und Kumpels Timmy Thiele (inzwischen 1. FC Kaiserslautern) durfte er in Jena vorspielen - und arbeitete parallel an seiner Figur. "Innerhalb eines Jahres hatte ich 36 Kilogramm abgenommen", sagt er. Der Lohn der Vertrag beim thüringischen Traditionsverein. Zwischen Januar und Dezember 2018 brachte es Pannewitz immerhin auf 23 Drittliga-Einsätze, ehe das jähe Ende kam.

Von Mitspieler Slim Abdallah zum FC Amed gelockt

Einige Monate hatte er daran zu "knacken". Das Körpergewicht näherte sich wieder dreistelligen Werten - trotz der Umstellung auf eine vegane Ernährung. Die Freude am Fußball aber blieb. Nachdem es im Spätsommer beim Berliner B-Kreisligisten SC Siemensstadt, dem er sich zunächst angeschlossen und auch schon ein Freundschaftsspiel bestritten hatte, "nicht so passte", wechselte Pannewitz zum FC Amed, der eine Liga höher die Tabelle anführt. Seitdem fährt er zwei- bis dreimal pro Woche die knapp zehn Kilometer zum Training, hat sich längst fest in das Team integriert.

Entscheidend am Engagement im Stadtteil Schöneberg beteiligt war Mittelfeldspieler Slim Abdallah (33), der zu seinen besten Fußballerzeiten immerhin auch in der A-Junioren-Bundesliga (für Tennis Borussia Berlin) sowie in der NOFV-Oberliga Nord (für den Berliner AK, den FSV Optik Rathenow und den CFC Hertha 06) am Ball war. Abdallah hilft Pannewitz jetzt auch dabei, wieder beruflich Fuß zu fassen.

Sportlich läuft es für den Familienvater, der mit Lebensgefährtin Jill den vier Jahre alten Sohn Milo hat, und seinem neuen Klub gut. "Wir wollen nicht nur, sondern wir werden in die Bezirksliga aufsteigen", sagt Pannewitz im Brustton der Überzeugung. Immerhin zwei Tore konnte der prominente Zugang mit der Rückennummer "99" bei seinen Einsätzen vor der Winterpause bereits zur Tabellenführung beisteuern.

Vorbildliche Aktion nach falschem Elfmeterpfiff 

Auf einen weiteren möglichen Treffer verzichtete der Ex-Profi durch vorbildliches Fairplay. Im Spitzenspiel gegen den Tabellendritten NSF Gropiusstadt (3:1) entschied Schiedsrichter Mehmet Akinci beim Stand von 1:1 auf Foulelfmeter für den FCA, nachdem Pannewitz im gegnerischen Strafraum bei einem Zweikampf zu Fall gekommen war. Der vermeintlich Gefoulte machte den Unparteiischen jedoch darauf aufmerksam, dass "mich mein Gegenspieler nicht getroffen hatte". Der Strafstoß wurde zurückgenommen, der FC Amed setzte sich am Ende dennoch durch und festigte Platz eins. "Das war keine große Sache, sondern ganz normal", sagt Pannewitz bescheiden: "Keinen Elfmeter zu geben, war die einzige richtige Entscheidung."

Auch wenn er inzwischen in den Niederungen des Berliner Amateurfußballs angekommen und dabei gar nicht mal unglücklich ist: So ganz hat Pannewitz den Traum von höheren Spielklassen doch noch nicht aufgegeben. "Als ich jetzt nach Berlin zurückgekehrt bin, hatte ich sofort wieder einige Anfragen aus der Oberliga", berichtet er: "Auch die Regionalliga traue ich mir definitiv noch zu."

Weil sein aktuelles Gewicht ("Es ist nur knapp dreistellig") jedoch nicht für Fußball in der 4. oder 5. Liga geeignet ist, hat Pannewitz erneut den Kilos den Kampf angesagt. "Ich bin gerade dabei, will abnehmen", sagt er. "Dabei denke ich aber nicht in erster Linie daran, vielleicht noch einmal höherklassig zu spielen. Vielmehr will ich mich einfach besser fühlen und achte deshalb darauf, was ich esse und trinke. Zugegeben: Leicht fällt mir das nicht."

Eine Schlagzeile, die einst die "Zeit" über Kevin Pannewitz verfasste, scheint damit nach wie vor aktuell zu sein: "Der Kühlschrank war sein größter Gegner."

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