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Frauenfußball |27.08.2020|11:00

Petzold und Wörrstadt 1974: "Gänsehautmoment"

Bärbel Petzold und TuS Wörrstadt 1974: "Wir hatten viele Fans aus der Heimat dabei".[Foto: imago]

Der 31. Oktober 1970 markiert einen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs - er wurde an diesem Tag vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) offiziell in seine Satzung aufgenommen. Seitdem sind bald 50 Jahre vergangen. Fünf Jahrzehnte, in denen viele Persönlichkeiten den Weg bereitet haben. Sie haben gestaltet, motiviert und inspiriert - damals wie heute 50 Jahre, 50 Gesichter: In der großen Serie zum Jubiläum rückt FUSSBALL.DE Persönlichkeiten aus dem Frauenfußball in den Fokus. Heute: Bärbel Petzold, unter ihrem Geburtsnamen Jung Mitglied der Mannschaft des TuS Wörrstadt, die 1974 die erste Deutsche Meisterschaft gewann und heute Vorsitzende des Frauen- und Mädchenausschusses des Südwestdeutschen Fußballverbands.

FUSSBALL.DE: Frau Petzold, als Sie anfingen, Fußball zu spielen, war dies Frauen von offizieller Seite verboten. Wie kam es dennoch dazu, hatten Sie gar rebellische Absichten?

Bärbel Petzold: Ich hatte schon eine kritische Haltung. Zum Glück hatte ich Eltern, die mich und meine Schwester einfach machen ließen. So habe ich früh angefangen, Handball zu spielen und gemerkt, dass ich generell ein "Ballkind" bin. Ich komme aus einer Bäckerei und Konditorei, das heißt wir hatten zuhause immer Lehrlinge, die unter der Woche auch bei uns übernachtet haben, was damals so üblich war. Wenn ich nachmittags aus der Schule kam und die Jungs Feierabend hatten, haben wir immer Sport gemacht. Hauptsächlich Hand- und Fußball, aber auch Tischtennis oder Radfahren. Im Sommer draußen im Hof, im Winter dort, wo das Mehl gelagert war, da war es immer schön warm. Dazu passt, dass meine Mutter selbst sehr sportbegeistert war und Handball gespielt hat, so fiel mir der Einstieg leicht. Der Schritt vom Hand- zum Fußball war relativ klein. 1969 spielte anlässlich des örtlichen Feuerwehrfests eine Frauenmannschaft gegen ein gemischtes Team. Zwei Freundinnen nahmen mich mit. So fing es an und dann bin ich dabei geblieben.

Das hört sich nach einer sehr aktiven Kindheit und Jugend an.

"Im ganzen Frauensport liegen noch gewisse Dinge im Argen. Die Wertschätzung der Medien ist ausbaufähig, es gibt zu wenige Trainerinnen und Funktionärinnen. Da muss noch einiges getan werden"

Petzold: Auf jeden Fall, ich konnte und kann mir ein Leben ohne Sport nicht vorstellen. Ich durfte mich im Laufe der Zeit ausprobieren, habe geturnt, Tennis gespielt, war im Schwimmklub aktiv und habe Ballett ausprobiert. Irgendwann kam die Zeit, ungefähr als ich aus der Grundschule kam, in der es bei mir wie schon angesprochen mehr Richtung Ballsportarten ging. Zudem hatte ich eine Sportlehrerin, die mich gefördert hat. In meinem Bereich war ich damals kaum zu schlagen. (lacht)

Kommen wir zu Ihrer Zeit beim TuS Wörrstadt. Schon ein Jahr vor der offiziell ersten Deutschen Meisterschaft gab es mit dem "Goldpokal" 1973 schon eine Art inoffizielle Meisterschaft. Welche Erinnerungen haben Sie an dieses Turnier, bei dem Sie im Finale Bayern München schlugen?

Petzold: Es gab im Vorfeld schon landesweite Verflechtungen. Unser größter Gegner in der Region war der SC Bad Neuenahr, über ihn wurde der Kontakt zu Bayern hergestellt. Die Manager, die damals großen Vereine geleitet haben, haben sich zusammengeschlossen, um beim DFB Druck zu machen, dass etwas passiert. Durch dieses gemeinsame Streben, hat sich der Kontakt untereinander intensiviert und so haben wir immer wieder Freundschaftsspiele gegeneinander ausgetragen. Man kannte sich, das hat uns aber nur umso mehr angespornt, gegen Bayern zu gewinnen, was ja letztlich ganz gut geklappt hat. (lacht)

Ein Jahr später wurde dann offiziell die erste Deutsche Meisterschaft im Frauenfußball ausgespielt. Sie schlugen mit dem TuS DJK Eintracht Erle im Finale mit 4:0.

Petzold: Natürlich war es ein Anreiz, wenn man inoffiziell Deutscher Meister war, das auch offiziell zu erreichen. Im Halbfinale gegen den Bonner SC hatten wir tatsächlich mehr Probleme als im Endspiel gegen Eintracht Erle, das war relativ locker.

Gespielt wurde in Mainz. Das muss sich für das nahegelegene Wörrstadt wie ein Heimspiel angefühlt haben oder?

Petzold: Die Nähe hat dafür gesorgt, dass wir viele Fans aus der Heimat dabei hatten, das war schon super und hat aus dem Finale ein tolles Ereignis gemacht.

Die Freude darüber, den Triumph nun auch offiziell wiederholt zu haben, war bestimmt sehr groß. Wie kann man sich die Feierlichkeiten im Anschluss vorstellen?

Petzold: Da ging es hoch her. Durch den offiziellen Status war alles noch feierlicher. Wir wurden vom DFB eingeladen, es gab zu essen und zu trinken. Bei dieser Gelegenheit wurden ein paar warme Worte gesprochen, wie das heute noch üblich ist. Die Männer haben sich dabei ein bisschen schwergetan, weil es das erste Mal war, dass es einen Deutschen Meister der Frauen gab. Da mussten sie sich eben etwas einfallen lassen.  (lacht)  Das Schöne war, dass wir im Anschluss daran mit einem Sonderzug nach Wörrstadt gefahren sind und am Bahnhof von der Wörrstadter Bevölkerung abgeholt wurden. Mit ein paar hundert Menschen und einem Fackelzug ging es durch den Ort, für einen jungen Menschen war das etwas ganz Besonderes und definitiv ein Gänsehautmoment.

Auf überregionaler Ebene sollte es der einzige Titel für den TuS Wörrstadt bleiben. Warum konnten Sie den Erfolg nie wiederholen?

Petzold: Ein Jahr später waren wir bei der Deutschen Meisterschaft unter den besten Vier. Allerdings hatte uns da schon die ein oder andere Spielerin verlassen. Auch damals war es so, dass die besseren Spielerinnen von anderen Vereinen abgeworben wurden. Anne Trabant-Haarbach etwa hatte gerade ihr Studium in Mainz beendet und bekam das Angebot, nach Bonn zu wechseln. Nach 1975 hatten wir einen noch größeren Aderlass und einige Stammspielerinnen haben den Verein verlassen. Danach hatten wir eine Durststrecke, bis wir 1981 bei der ersten Austragung des DFB-Pokals der Frauen das Finale erreicht haben. Das war das nächste Highlight, obwohl wir damit schon nicht mehr gerechnet hatten.

Bei diesem DFB-Pokalfinale waren mehr als 30.000 Zuschauer im Stadion. Wie hat sich das angefühlt?

Petzold: Das Spiel fand in Stuttgart statt, mit uns und den beiden Mannschaften aus dem Männerfinale Kaiserslautern und Frankfurt war praktisch alles in südwestdeutscher Hand, dadurch entstand eine ganz besondere Stimmung. Unser Gegner war die SSG Bergisch Gladbach, und wir wussten, dass wir keine Chance hatten. Aber einfach beim ersten Endspiel um den DFB-Pokal dabei zu sein, nachdem wir schon die erste Meisterschaft geholt hatten, war etwas ganz Tolles. Auf so einem Platz im Stuttgarter Neckarstadion zu spielen, mit so einem tollen Rasen, das kannten wir bis dahin nicht. Auch das Drumherum mit der Mannschaft im Hotel zu wohnen, zum Spiel abgeholt zu werden, mit einer Polizeieskorte ins Stadion zu fahren, alleine das war schon aufregend. Im Stadion lasen wir unsere Namen auf einer großen Leinwand, sowas gab es bei uns in Wörrstadt natürlich nicht. Auch wenn der Großteil der Zuschauer für das Männerfinale angereist war, war uns das im Prinzip egal. Heute denke ich darüber etwas anders, aber damals war es ein großes Ereignis, das überhaupt erleben zu dürfen.

In der Folgezeit konnte der TuS Wörrstadt nicht mehr um die ganz großen Titel mitspielen, behauptete sich in den 90er-Jahren aber eine Zeit lang in der Bundesliga. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Petzold: Der TuS Wörrstadt ist ein Dorfverein, das muss man beachten, da gab es nicht viele Geldgeber. Der Verein hat sich nicht besonders um den Frauenfußball gekümmert. Der Männerfußball in der C- oder B-Klasse hat mehr interessiert, obwohl wir zweimal in die Bundesliga aufgestiegen sind und ansonsten durchgängig in der Verbands- oder Regionalliga oben mitgespielt haben.

Wie nah sind Sie heute noch am Geschehen beim TuS?

Petzold: Ich bin Spielleiterin der Frauen-Regionalligamannschaft und gehe daher regelmäßig zu den Spielen, das ist doch ganz klar. In der näheren Umgebung gibt es neben Wörrstadt mit dem TSV Schott Mainz, der schon Bundesliga gespielt hat, dem 1. FFC Niederkichen, die wieder in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind, Vereine, deren Spiele ich regelmäßig besuche. Wenn ich weiß, dass bei einem Verein gut gearbeitet wird, schaue ich mir das gerne an. Gelegentlich fahre ich aus alter Verbundenheit nach Bad Neuenahr oder schaue mir die 2. Bundesliga in Saarbrücken oder Andernach an. Früher dachte ich, ich müsste mindestens zwei Spiele pro Wochenende schauen, das mache ich heute nicht mehr. (lacht)

Sie sind dem Fußball nach Ihrer Karriere als Spielerin weiter treu geblieben, engagieren sich vielfältig in Gremien. Beschreiben Sie Ihre Anfänge, bitte.

Petzold: Das lief einige Zeit sogar parallel. Seit 1980 habe ich die Position der Vorsitzenden des Verbandsfrauen- und Mädchenausschusses beim Südwestdeutschen Fußballverband inne, damals hieß das noch Frauenwartin. Bis 1987 habe ich selbst gespielt, solange bin ich zweigleisig gefahren. Ich konnte Themen wie die Weiterentwicklung von Spielklassen und Auswahlmannschaften, die Organisation des Pokalspielbetriebs auf Landesebene, Trainerausbildung und den Beginn des Mädchenfußballs mit auf den Weg bringen.

Sie haben den Frauen- und Mädchenfußball sehr lange verfolgt und aktiv mitgestaltet. Wie würden Sie die Entwicklung beschreiben?

Petzold: Mit einer ausführlichen Antwort darauf, ließe sich leicht ein Abend füllen.  (lacht)  Ein großer Schritt in der Entwicklung war, sich bewusst zu werden, wie viele Widerstände es in den Verbänden gibt. Das Frauen- und Mädchenfußball ganz selbstverständlich dazugehört, ist bis heute leider noch nicht überall durchgedrungen. Im ganzen Frauensport liegen noch gewisse Dinge im Argen. Die Wertschätzung der Medien ist ausbaufähig, es gibt zu wenige Trainerinnen und Funktionärinnen. Da muss noch einiges getan werden. Leistungsmäßig ist die Entwicklung definitiv sehr positiv. Hier haben sich die vielen Projekte zum Mädchenfußball und die Einführung verschiedener Leistungsklassen ausgezahlt. Allerdings ist es schwer, den Mädchenfußball am Laufen zu halten, obwohl wir in der Förderung, gerade für besonders talentierte Spielerinnen, eigentlich gut aufgestellt sind. Sorgen macht da eher der Breitensport. Wenn ich mir aber ab und zu das Training in den Mädchenstützpunkten anschaue, gibt es da schon einen riesigen Unterschied zu früher. Damals konnten von 20 Mädchen vielleicht zwei oder drei gut kicken, heute können sie das alle.

Sie haben einige Punkte angesprochen, bei denen es noch Verbesserungspotenzial gibt. Liegt genau hier Ihre Motivation, sich weiterhin für den Frauen- und Mädchenfußball zu engagieren?

Petzold: Es gibt auf allen Ebenen noch zu tun. Extremen Nachholbedarf sehe ich darin, dass es zu wenige Frauen gibt, die für ihren Sport etwas machen. Auf der einen Seite sind sie vielleicht zu bequem, es gibt mittlerweile so viele Frauen, die Fußball gespielt haben, die mehr für ihren Sport machen könnten, gerade als Trainerin im Nachwuchsbereich. Auf der anderen Seite gibt es in der Trainerausbildung selbst Lücken, man müsste zudem noch intensiver mit den Schulen zusammenarbeiten und etwas auf die Beine stellen. In den Grundschulen sind überwiegend Frauen tätig, deshalb kommen dort oft die Ballsportarten etwas zu kurz. Generell gibt es, was die Selbstverständlichkeit und Wertschätzung für den Frauen- und Mädchenfußball angeht, noch offene Punkte. Frauen müssen gehört werden und sich nicht immer erst Gehör verschaffen müssen.

Wenn Sie einen Wunsch für den Frauen- und Mädchenfußball hätten, was wäre das?

Petzold: Das geht genau in die eben angesprochene Richtung. Ich lese noch Zeitung und wenn ich die morgens aufschlage, lese ich im Sport kaum etwas über Frauensport. 90 Prozent der Berichterstattung sind Fußball, aber von den Frauen steht da fast nichts. Gerade auf lokaler Ebene spielen die Frauen oft in höheren Spielklassen, aber berichtet wird von den Männern. Frauen im Sport finden so gut wie nicht statt. Ich würde mir wünschen, dass da etwas passiert und nicht nur wenn eine EM oder WM ansteht. Die Lokalpresse vor Ort sollte da sensibler sein und den Frauensport insgesamt mehr in die Öffentlichkeit bringen. Das ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem. Solange der bezahlte Männerfußball so präsent ist, haben es viele andere Sportarten schwer, die Frauen erst Recht. Da müsste sich dringend etwas ändern. Mit mehr Wahrnehmung in der Öffentlichkeit bekäme allen voran der Mädchenfußball einen Aufwind.

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