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2 Leidenschaften|06.12.2018|11:00

Rheinlandligakicker ist Klick-Millionär

Trifft den Musikgeschmack im Internet: Jon Becker vom Rheinlandligisten SV Mehring.[Foto: Andreas Arens]

In der Rheinlandliga spielt er mit dem SV Mehring oft vor noch nicht einmal 100 Zuschauern, mit seiner zweiten großen Leidenschaft, der Musik, hat Jon Becker schon mehrere Millionen Clicks im Internet erzielt. Der 29-Jährige wandelt zwischen zwei Welten.

Mit Liedern wie „Daily“, „Melody“ und „Just Breathe“ hat sich der aus Trier stammende und hier auch lebende Becker einen Namen gemacht. Und das weltweit. Über Kanäle wie Youtube oder Spotify verbreitet der studierte Medienwissenschaftler und freiberufliche Journalist seine Werke, welche der gerade bei Jüngeren angesagten Electronic Dance Music (EDM) zuzurechnen sind. Schon als Kind sang er gut, nahm Unterricht, hatte später auch immer mal Live-Auftritte. Ernst wurde es dann im Frühjahr 2017: Über den ebenfalls aus Trier stammenden Valentin Rieff kam der Kontakt zum amerikanischen Produzenten Alex Clark zustande. In dessen Wohnung in der Vulkaneifel nahmen Becker und seine beiden Mitstreiter dann im Mai vergangenen Jahres mit „Daily“ den ersten Song auf.

Reich ist Becker trotz des großen Zuspruchs im Internet noch (lange) nicht: Er stellt seine Werke auf etlichen Kanälen lizenz- und damit kostenfrei zur Verfügung – in der Hoffnung, über diesen Umweg auf dem hart umkämpften Musikmarkt nachhaltig auf sich aufmerksam machen zu können.

Der Fußball ist ein guter Ausgleich für den Musiker Becker, der zu Aufnahmen meist sein 25-Quadratmeter-Zimmer in einer Wohngemeinschaft unweit des Moselufers mit heruntergelassenen Rollläden und Matratzen zur Schallabdichtung umfunktioniert. Ganz so leicht lassen sich das Kicken und das Singen aber nicht immer miteinander verbinden: „Tagsüber einen neuen Song zu kreieren und abends noch zu trainieren, ist fast nicht möglich. Wenn du mehrere Stunden lang singst, bist du einfach platt.“ Auswärtsfahrten in der Rheinlandliga von bis zu zwei Stunden nutzt er indes auch schon mal gerne, um an Songtexten zu schreiben.

Ausgebildet beim  SV Eintracht Trier , stieg er mit der zweiten Mannschaft des früheren DFB-Pokalschrecks einst bis in die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar , die seinerzeit noch Südwest hieß, auf. Gleiches gelang ihm auch noch mit dem SV Mehring, den er Anfang 2013 verließ, um dann Mitte vergangenen Jahres nach den Stationen VfL Trier , den Luxemburger Clubs FC Diekirch, FC Wormeldingen und US Wasserbillig/Mertert sowie den SV Konz wieder hierhin zurückzukehren.

Das Freigeistige aus der Musik kann Becker auf dem Platz nur bedingt einsetzen, da hier doch in erster Linie Disziplin gefragt ist. Seine Vielseitigkeit kommt aber zumindest in seiner Verwendbarkeit auf mehreren Positionen zum Ausdruck, obschon er eigentlich in der Verteidigung zuhause ist.

Beckers Songs, die meist von Freiheit, Sehnsucht und Liebe handeln, werden auch in der Kabine des SV Mehring gehört. „Das ist absolut professionell gemacht, und auch als Teil der Mannschaft hat Jon eine einwandfreie Einstellung“, sagt sein Trainer Frank Meeth. Im Kreise seiner Mitspieler hat er ebenfalls viele Fans. „Jon ist kommunikativ, verantwortungsbewusst und versteht den Fußball. Seine Musik finde ich gefühlvoll. Es ist ein guter Mix aus Gesang und Sound, von Herzen gesungen“, sagt Sebastian Schmitt. Teamkollege Moritz Jost betont: „Jons Musik hört sich einfach gut an.“ Und Philipp Basquit hat noch anderes Talent bei Becker, der in der Musik gerne noch weiterkommen würde, später am liebsten aber vor allem als Moderator sein Geld verdienen würde, ausgemacht: „Seine Imitationen ehemaliger Trainer sind immer für einen Lacher gut.“

Auch an einem Fußballsong probierte sich Becker bereits: Im Jahre 2012 stellte er bei den JE-MA-RO-Masters die Turnierhymne vor. Meist um die Jahreswende kommen frühere Nachwuchsspieler vom FC Carl-Zeiss Jena, des 1. FC Magdeburg und des FC Hansa Rostock, aber auch Gäste zusammen, um in der Halle den Sieger auszuspielen, aber auch, um alte Zeiten aufleben zu lassen.

Gerne würde der Mann mit der sanften, aber doch markanten Pop-Stimme auch mit seinen Mehringer Mannschaftskameraden mal gemeinsam vors Mikro treten, hat aber hier noch „eine gewisse Zurückhaltung“ ausgemacht. Wie lange er den zeit- und kraftraubenden Spagat zwischen Fußball und Musik noch schafft, weiß Becker nicht. Weder Trainer, Mitspieler und Zuschauer in Mehring, aber auch sein großes Publikum weltweit würden künftig gerne auf ihn verzichten.

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