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Schiedsrichterin|26.11.2018|13:00

Schiedsrichterin Günther: Sprüche und Respekt

Schiedsrichterin Cynthia Günther: "Man muss seine Linie durchziehen und sich den Respekt verschaffen".[Foto: Heiko Broska]

Cynthia Günther ist Schiedsrichterin. Seit der Saison 2014/2015 steht die angehende Industriekauffrau fast jede Woche auf den Amateurplätzen des Kreis Bochums, von Wattenscheid bis Werne. Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht die 21-Jährige über Herausforderungen auf dem Feld, dumme Sprüche im Kabinentrakt sowie ihre Position als Unparteiische im Männerfußball.

FUSSBALL.DE: Frau Günther, Sie sind Anhängerin des VfL Bochum, richtig?

Cynthia Günther: Ich komme aus dem Pott, bin in Bochum geboren. Da bin ich bin natürlich mit dem Fußball aufgewachsen. Mein Vater ist Bochum-Fan und der hat mich als kleines Kind immer ins Stadion mitgenommen, das war für mich dann auch immer DAS Highlight am Tag. Theofanis Gekas ist übrigens mein Lieblingsspieler. Wenn ich selbst spiele, trage ich die 22. Seine alte Bochumer Rückennummer.

Seit der Saison 2014/2015 spielen Sie nicht nur, sondern pfeifen auch. Wie kamen Sie zur Schiedsrichterei?

"Es macht mir schon Spaß, die Jungs ein wenig anzuzählen."

Günther: Vor ein paar Jahren habe ich mir ein Spiel des Bruders meines Ex-Freundes angeschaut. Das war ein Kreisligaspiel, bei dem der Schiedsrichter nur in der Mitte rumgekreist ist und, um es ganz ehrlich zu sagen, schlecht gepfiffen hat. Und dann habe ich mir vorgenommen, es einfach besser zu machen.

Apropos besser machen: Was empfinden Sie als die größten Herausforderungen auf dem Platz?

Günther: Am schwierigsten ist es, ein Spiel zu lesen. Man pfeift ja nicht nur, sondern muss auch herauszufinden, um welche Art Spiel es sich handelt. Auch den richtigen Einstieg der Gelben Karte zu finden, ist nicht immer einfach. Jeder Schiedsrichter hat seinen eigenen Charakter. Ich bin eher der Typ, der am Anfang mehr laufen lässt, mit den Spielern redet. Ich versuche, nicht gleich für das erste „typische Fußballfoul“ Gelb zu zeigen, sondern erst großzügiger zu sein. Wenn das nichts bringt, werde ich strenger. Aber die Linie muss weitgehend einheitlich bleiben.

Gibt es gewisse Spielsituationen auf dem Feld, die Ihnen vielleicht sogar Freude bereiten?

Günther: Klar. Es macht mir schon Spaß, die Jungs ein wenig anzuzählen (lacht) . Aber auch grundsätzlich mit ihnen zu sprechen, egal ob positiv oder negativ. Ich sage immer: wer austeilt, kann auch einstecken. Wenn mir jemand einen Spruch drückt, dann kommt von mir auch immer etwas zurück. Man muss sich das auch einfach mal bildlich vorstellen: Da laufen 22 Männer auf dem Feld herum, die zwei Köpfe größer sind als ich (Cynthia Günther ist 1,58m groß, Anm d. Red.) . Wenn die dann von mir für ein Vergehen die Leviten gelesen bekommen, lach' ich auch immer ein wenig in mich selbst hinein. Man muss seine Linie durchziehen und sich den Respekt verschaffen. Wenn man das nicht kann, wäre das schlecht für den Job.

In einem Beitrag für die ARD sagten Sie kürzlich, dass manche Spieler versuchen würden zu flirten. Was genau sagen die Spieler zu Ihnen?

Günther: Es ist jetzt nicht so, dass die Jungs direkt einen Spruch bringen. Aber es kommt schon vor, dass ich auf dem Feld bei einem Freistoß Sachen gefragt werde wie: „Welche Ecke willst‘ denn haben?“. Oder dass jemand, dessen Mannschaft ich schon einmal gepfiffen habe, beleidigt ist, wenn ich bei der Passkontrolle nicht mehr weiß, wie er heißt. Was mir aber besonders auffällt, ist was nach dem Spiel passiert. Da bekomme ich dann immer viele Nachrichten auf Facebook oder Instagram – die sind aber meistens positiv und lobend.

Bei den ganzen Sprüchen, die gemacht werden: war da schon einmal etwas dabei, wo Sie dachten: „Das geht gar nicht“?

Günther : Ja klar kam das schon vor. Es war ein sehr heikles Spiel, irgendwann im Frühling vergangenen Jahres. Der BV Hiltrop traf auf Schwarz-Weiß Wattenscheid 08 , da waren die Gemüter ohnehin ein wenig erhitzt. Kurz vor Schluss habe ich einen Spieler mit Gelb-Rot vom Platz geschmissen, der mich dann auch sexistisch beleidigt hat und meinte, Schiedsrichterinnen hätten auf dem Fußballfeld nichts verloren. Bei so etwas fühlt man sich dann auch direkt unwohl auf dem Platz. Den Vorfall habe ich im Spielberichtsbogen vermerkt.

Wurde der Spieler gesperrt?

Günther: Ja, das ging dann auch bis nach Kaiserau zur Verbandsspruchkammer. Dadurch, dass es eine sexistische Beleidigung war, wurde der Spieler dann auch recht drastisch bestraft. 16 Wochen hat er, glaube ich, bekommen.

Eine unschöne Geschichte…

Günther: Man versucht natürlich immer ohne Karten vom Platz zu gehen und den Spielern klarzumachen, wie bescheuert diese oder jene Aussage war. Aber wenn gar nichts mehr geht, dann gibt’s einfach auch mal einen Feldverweis – dessen Konsequenzen der Spieler tragen muss.

Glauben Sie, dass es Ihnen beim Pfeifen auch Vorteile bringt, dass Sie eine Frau sind?

Günther: Manchmal schon. Da laufen, wie gesagt, 22 Männer, von denen jeder der Beste sein will. Einer meiner großen Vorteile ist da die Kommunikation. Wenn ich mal eine Ansage mache, nehmen die Spieler es, glaube ich, schneller hin, als wenn ein Mann pfeifen würde. Ich würde es schon am Geschlecht festmachen. Bei bestimmten Spielsituationen habe ich auch das Gefühl, dass die Akteure versuchen, sich mir gegenüber zusammenzureißen. Der Respekt vor mir und meiner Entscheidung ist insgesamt größer.

Welche Unterschiede stellen Sie im Vergleich zu Frauenspielen, die Sie leiten, fest?

Günther: Da bin ich gefühlt eher auf derselben Ebene. Ich habe aber keine großen Vorteile, dass ich eine Frau bin. Frauen generell sind auf dem Feld meistens nicht so hart zugange wie die Männer. Ich habe immer ein wenig das Gefühl, dass die Frauen sich das alles nicht ganz so zu Herzen nehmen wie die Männer. Sowohl was die Härte, als auch die Emotionalität angeht.

Stört es Sie, wenn Sie auf ihr Geschlecht angesprochen werden?

Günther: Am Anfang war es immer ein komisches, auch unangenehmes Gefühl, weil man nie so wirklich als Schiedsrichterin wahrgenommen wurde. Als die Spieler meine Tasche gesehen haben, habe ich Sätze gehört wie: „Was sucht die hier?“. Oder als ich zwischendurch hörte „Oh, guck mal, heute pfeift ja eine Schiedsrichterin“, dann hatte ich schon immer das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Zu zeigen, dass eine Frau genauso gut pfeifen kann wie ein Mann. Das Schöne aber ist, dass ich in den vergangenen vier Jahren hauptsächlich positive Rückmeldungen bekommen habe. Klar habe ich mir anfangs vor den Spielen Gedanken gemacht, wie die Spieler reagieren. Aber mittlerweile hat sich das gelegt, weil die Spieler mich im Kreis Bochum eigentlich alle kennen.

Sie bekommen gerade einmal sechs Euro Fahrtgeld, 24 Euro für die Leitung der Partie. Denken Sie sich manchmal: den Stress muss ich mir eigentlich nicht geben?

Günther: Bei mir steht die Leidenschaft im Fokus, die Schiedsrichterei ist ein Hobby von mir. Und wenn ich dafür dann noch eine kleine Taschengeldaufbesserung bekomme, ist das umso schöner. Aber ich würde es auch für lau machen. Wie beim Fußballspielen selbst. Dafür bekomme ich ja auch kein Geld. Man macht es, weil man Spaß dran hat.

Da Sie es ansprechen: Sie sind selbst aktiv als Spielerin. Wenn sie sich entscheiden müssten zwischen spielen und pfeifen. Was würden Sie wählen?

Günther: Tatsächlich glaube ich, dass ich eher pfeifen würde. Wir sind im Verein beim TuS Harpen 32 Mädels. Da hätte ich glaube ich kein allzu schlechtes Gewissen, wenn ich die alleine lassen würde (lacht) . Aber das Pfeifen macht mir auch einfach mehr Spaß, da blühe ich auf. Es spiegelt ein wenig auch meinen Charakter wieder, man kann auch mal ein wenig lauter und der Chef sein. Außerdem haben wir im Verein ein sehr gutes Torverhältnis. Ich glaube, ich werde als Schiedsrichterin mehr gebraucht als als Stürmerin.

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