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Ex-Profi |07.11.2018|16:00

Steinhöfer: „Genieße zum ersten Mal Freiheit“

Markus Steinhöfer ist glücklich in Eichstätt und hat endlich wieder Spaß am Fußball spielen.[Foto: imago/Lackovic]

Mit dem ehemaligen Bundesligaprofi Markus Steinhöfer hat der kleine oberbayerische Klub VfB Eichstätt aus der Regionalliga Bayern seit September einen prominenten Spieler im Kader. Der 32 Jahre alte Rechtsverteidiger kickte während seiner Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, Betis Sevilla aus Spanien, den tschechischen Rekordmeister Sparta Prag und den Schweizer Rekordmeister FC Basel, mit dem er auch in der Champions League und in der Europa League am Ball war. Jetzt spielt der ehemalige deutsche U 21-Nationalspieler, der beim FC Bayern München ausgebildet wurde, in der 14.000-Einwohner-Stadt Eichstätt und mischt mit dem VfB die Bayern-Staffel auf. Nach 18 Spieltagen rangiert Eichstätt sensationell auf Platz zwei. Zuletzt gab es sogar einen 3:0-Auswärtserfolg im Topspiel bei Spitzenreiter Bayern München II. 

Im FUSSBALL.DE -Interview mit Christian Knoth spricht Markus Steinhöfer über die Gründe für seinen Wechsel zum VfB Eichstätt, den überraschend deutlichen Sieg beim Meisterschaftsfavoriten, mögliche Titelambitionen und die Tatsache, dass er ohne Vertrag für den Viertligisten spielt.

FUSSBALL.DE: Sie sind ehemaliger Bundesligaprofi, spielten mit dem FC Basel in der Champions League und in der Europa League. Jetzt kicken Sie für den „kleinen“ VfB Eichstätt in der 4. Liga. Warum haben Sie sich für diesen Schritt entschieden, Herr Steinhöfer?

Markus Steinhöfer: Erst einmal war es so, dass ich mich bei meinem letzten Verein SV Darmstadt 98 nicht mehr wohlgefühlt habe. Ich kam in der 2. Bundesliga kaum noch zum Einsatz und verlor allmählich den Spaß am Fußball. So konnte es nicht weitergehen und ich wollte unbedingt wechseln. Da ich mittlerweile nicht mehr der Jüngste bin, war es dann kein Wunder, dass die Vereine nicht gerade Schlange standen, um mich zu verpflichten. Aber das war auch gar nicht schlimm. Nachdem meine Frau Alice und ich im Juli Eltern unserer Tochter Giada Anna geworden sind, hatten wir ohnehin nicht vor, noch einmal weit weg von zu Hause zu ziehen. Eichstätt ist nur rund 20 Autominuten von meinem Heimatort Weißenburg entfernt. Deshalb bot sich ein Wechsel zum VfB Eichstätt geradezu an.

"Wir haben das Zeug dazu, gegen jeden Gegner in dieser Liga das Spiel zu kontrollieren"

Das heißt, Sie leben nun wieder in Ihrem Heimatort, in dem Sie Ihre Kindheit verbracht haben?

Steinhöfer: Korrekt. In Weißenburg wohnen auch weiterhin unsere Familie und Freunde. Es fühlt sich schön an, wieder hier zu sein und es war definitiv die richtige Entscheidung, es nicht noch einmal bei einem anderen Profiverein zu versuchen. Wir haben unsere Ruhe und können die Zeit zu dritt genießen.

Mit dem Außenseiter VfB Eichstätt mischen Sie die Liga auf. Von den zurückliegenden zehn Partien gewann der VfB sieben. Zuletzt gab es einen beeindruckenden 3:0-Auswärtserfolg bei Spitzenreiter FC Bayern München U 23. Wie ist dieser Erfolg zu erklären?

Steinhöfer: Der Verein hat sich punktuell verstärkt und wir sind schnell zu einer intakten Mannschaft geworden. Außerdem leistet unser Trainer Markus Mattes, der uns immer wieder optimal auf den Gegner einstellt, hervorragende Arbeit. Nach den zahlreichen Siegen in den zurückliegenden Wochen ist auch das Selbstvertrauen riesig. Es passt derzeit einfach alles. Anfangs waren wir vielleicht noch in fast jedem Spiel der Underdog. Jetzt ist das aber nicht mehr so. Wir haben uns den Erfolg verdient und stehen zu Recht da oben.

Das Gastspiel in München war für Sie als langjähriger Nachwuchsspieler des FC Bayern sicher eine besondere Partie, oder?

Steinhöfer: Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, ins Grünwalder Stadion zurückzukehren. Etwas schade fand ich aber, dass ich kaum noch bekannte Gesichter von früher gesehen habe. Das zeigt einmal mehr, wie schnelllebig das Fußballgeschäft heutzutage ist.

Das Hinspiel gegen den FC Bayern II ging zum Saisonauftakt noch 1:5 verloren. Waren Sie nicht selbst ein wenig überrascht, als es schon nach 26 Minuten 2:0 für den VfB Eichstätt stand?

Steinhöfer: Nein, überhaupt nicht. Wir hätten zu dem Zeitpunkt sogar schon 3:0 führen müssen. (lacht) Vor unseren beiden ersten Toren hatten wir bereits den Pfosten getroffen. Wir haben insgesamt eine sehr starke Leistung gezeigt und zu keinem Zeitpunkt etwas anbrennen lassen. Auch nach der Führung haben wir dem FC Bayern nicht das Spielfeld überlassen, sondern weiter offensive Akzente gesetzt. Unter anderem das war der Schlüssel zum Erfolg.

Durch den Sieg rückte Eichstätt bis auf einen Zähler an den FC Bayern heran, der allerdings zwei Begegnungen weniger absolviert hat. Glauben Sie, dass der VfB Eichstätt dem Favoriten aus München im Titelrennen dauerhaft Paroli bieten kann?

Steinhöfer: Ich wusste, dass diese Frage kommt. (lacht) Der Verein ist nicht so verrückt, um jetzt an den Titel oder einen möglichen Aufstieg in die 3. Liga zu denken. Wir genießen den Moment und sind stolz, dass wir in der Spitzengruppe mitmischen. Wenn wir kurz vor dem Saisonende immer noch Zweiter sein sollten und es weiterhin oben so eng zugeht, kann man über eine mögliche Meisterschaft reden.

Am Samstag empfängt der VfB die U 23-Mannschaft des FC Ingolstadt 04, die zuletzt den viertplatzierten SV Wacker Burghausen 1:0 besiegt hat. Worauf wird es ankommen, um auch gegen Ingolstadt als Sieger vom Platz zu gehen?

Steinhöfer: Wir wollen genauso mutig und selbstbewusst auftreten wie zuletzt beim FC Bayern, aber dem Gegner dennoch mit dem nötigen Respekt begegnen. Wir haben das Zeug dazu, gegen jeden Gegner in dieser Liga das Spiel zu kontrollieren. Das ist uns in München gelungen und das möchten wir auch am Samstag wieder schaffen.

Ungewöhnlich ist, dass Sie ohne festen Vertrag für den VfB Eichstätt spielen. Wieso machen Sie das?

Steinhöfer: Während meiner gesamten Profikarriere musste ich immer alles vertraglich festhalten und mich oft langfristig an Vereine binden. Jetzt genieße ich zum ersten Mal eine gewisse Freiheit. Es kann sein, dass ich zwei, drei oder mehr Jahre für Eichstätt spiele. Eine Option ist aber auch, dass ich nach der laufenden Saison etwas ganz anderes mache. Ich möchte mir das einfach offenhalten und bin froh, dass mir der Verein das ermöglicht.

Haben Sie bereits Pläne für die Zeit nach Ihrer aktiven Karriere?

Steinhöfer: Man macht sich darüber selbstverständlich viele Gedanken. Konkrete Pläne habe ich aber noch nicht. Vielleicht intensiviere ich die Arbeit in der Gastronomie meiner Frau, in der ich am Wochenende bereits jetzt schon aushelfe, wenn es die Zeit zulässt. Möglicherweise bleibe ich dem Fußball aber auch in einer anderen Funktion erhalten. Am wichtigsten ist mir aktuell aber nicht die Zukunft in ein paar Jahren, sondern die Gegenwart. Ich bin stolzer Papa und habe endlich wieder Spaß am Fußballspielen. Schöner könnte es gerade nicht sein.

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