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Sportfreunde Düren |02.03.2016|07:30

Terzic: Familiendrama zerstörte Profitraum

Vor drei Jahren noch bei Jürgen Klopp und Borussia Dortmund, heute bei den Sportfreunden Düren in der Landesliga: Admir Terzic. [Foto: Imago, privat / Collage: FUSSBALL.DE]

Als Mario Götze am 13. Juli 2014 mit seinem unvergesslichen Tor im WM-Finale gegen Argentinien Fußball-Deutschland in einen kollektiven Glücksrausch versetzt, springt Admir Terzic daheim vor dem Bildschirm vor Freude fast durch die Decke. Er ist mit ein paar Kumpels extra zum Public Viewing in den "Cinetower Kinopark Alsdorf" gegangen, um beim Match gegen Argentinien mit Jogis Jungs und dem goldenen Torschützen Götze zu fiebern - wie Millionen anderer Fußballfans auch. Der Unterschied zwischen ihm und all den anderen ist: Er hat mal mit Götze in einer Mannschaft gespielt. Später erlebte Terzic dunkle Tage. Heute ist der frühere deutsche U 17-Nationalspieler 23 Jahre alt, macht eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann und kickt beim Landesliga-Schlusslicht Sportfreunden Düren.

In der A-Jugend von Borussia Dortmund gilt Götze als kommender Star und ist auf halbem Weg in die Bundesliga, als Terzic im schwarz-gelben Trikot ebenfalls von einer großen Fußballerkarriere träumt. Im zweiten Jahr in der U 19 des BVB spielt er in der Dortmunder Innenverteidigung als Kapitän an der Seite von Antonio Rüdiger . Bei einem Freundschaftsspiel der Profis steht er sogar an der Seite von Klub-Ikone Leonardo Dede auf dem Platz. Es fehlt nicht viel, um Götze in die Bundesliga zu folgen. Der ist heute Weltmeister und Multimillionär in Diensten des FC Bayern München . Terzic hingegen kickt inzwischen in der Landesliga und absolviert gerade eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann.

"Ich weiß, wie nah ich selbst dran war, und ich bin stolz sagen zu können, dass ich mit Weltmeistern zusammengespielt habe"

Oft sind es nur kleine Zufälle oder schlichtweg etwas Glück, die dem einen Fußballer den Durchbruch ermöglichen und den anderen, vielleicht ähnlich begabten, auf der Strecke bleiben lassen. In Terzics Fall ist es ein dramatischer Schicksalsschlag. Sein Vater nimmt sich im März 2011 das Leben, er zündet das Haus an, in dem die Familie lebt. Admir, Suads jüngster Sohn ist gerade volljährig, sein Bruder Adnan (heute 35) sowie die Schwestern Adelina (36) und Azemina (26) sind alle älter. „Das war die schlimmste Zeit meines Lebens“, bemerkt Terzic leise. „Zum Glück war sonst niemand im Haus, sodass nicht noch mehr Familienmitglieder umgekommen sind. Das war natürlich ein unheimlicher Verlust für mich, wenn in so jungen Jahren plötzlich der Vater nicht mehr da ist.“

Admir Terzic nimmt professionelle Hilfe an, geht für vier Monate zur psychiatrischen Behandlung in eine Klinik. Der Fußball ist auf einen Schlag unwichtig geworden. „Ein halbes Jahr habe ich überhaupt nicht gespielt“, berichtet das vorher so hoffnungsvolle Abwehrtalent. Sein Verein Borussia Dortmund unterstützt ihn, so gut es geht. BVB-Sporttherapeut Martin Kemper wird in dieser Zeit sein wichtigster Ansprechpartner. „Das hat mir geholfen, aber sportlich habe ich in der wichtigen Phase beim Übergang vom Jugend- in den Seniorenfußball sehr viel verpasst“, weiß Admir Terzic.

Neuanfang nach Zeit der Trauer und Selbstfindung

Zwei Jahre vorher kann er sich die Vereine noch aussuchen. Von seinem Dorfverein SC Kellersberg , wo er noch als Stürmer aufläuft, wechselt er in der C-Jugend zu Alemannia Aachen und wird mit 16 Jahren Junioren-Nationalspieler. Unter DFB-Nachwuchstrainer Marco Pezzaiuoli kommt er immerhin auf zwei Einsätze für die deutsche U 17, seine Teamkollegen sind unter anderem Marc-André Ter Stegen , Bernd Leno und Yunus Malli .

Der VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim interessieren sich für Admir Terzic, doch der entscheidet sich für Borussia Dortmund. In der Westfalenmetropole wohnt er im Jugendhaus des Vereins. In der schicken Stadtvilla im angesagten Kreuzviertel kümmern sich Ex-BVB-Keeper Matthias Kleinsteiber und seine Frau Cornelia, eine ausgebildete Pädagogin, um bis zu zehn Nachwuchsspieler von außerhalb.

Terzic wähnt sich so nahe an der Erfüllung seines großen Traums - bis sein Vater nicht nur sein eigenes Leben zerstört, sondern auch indirekt das seiner Kinder. Nach der Zeit des Trauerns und des sich Selbstfindens versucht Admir Terzic bei den BVB-Amateuren einen Neuanfang. Der Weg nach oben ist für auch für ihn immer noch möglich, viele seiner damaligen Teamkollegen schaffen über den schwarz-gelben Unterbau den Sprung. Erik Durm wird sogar Nationalspieler und Weltmeister, viele andere kommen später wenigstens in der 2. Bundesliga oder 3. Liga unter. Terzic nicht.

Nachdem er in Dortmund nicht mehr vorwärts kommt, geht er zurück in seine Heimat und landet im Sommer 2013 um ein Haar wieder bei der Aachener Alemannia. Terzic trainiert am Tivoli mit, unterschreibt aber zunächst keinen Vertrag. Dann verletzt er sich und steht plötzlich ohne Verein da. „Das war im Nachhinein sicher ein großer Fehler“, weiß er.

Kapitän in Düren

Für Admir Terzic beginnt nun die Zeit der Wanderschaft, er wird zu einem der vielen, vielen begabten Fußballer, die sich mal hier und dann wieder dort vorstellen, um bloß eine neue Anstellung zu kriegen. „Ich war zum Probetraining beim 1. FSV Mainz 05 II , Fortuna Düsseldorf II und AO Kavala in der zweiten Liga Griechenlands. Leider hat sich das alles zerschlagen“, erinnert sich der technisch versierte Verteidiger.

Admir Terzic muss geduldig warten, bis sich auch für ihn wieder eine Tür öffnet. Im Januar 2014 führt ihn die Reise zum Regionalliga-Aufsteiger SV Lippstadt 08 , doch dort kommt er irgendwie nicht richtig an. Ein kümmerlicher Einsatz mit 58 Minuten Spielzeit steht nach einer halben Saison in Südwestfalen zu Buche – und ein erneuter Tapetenwechsel auf dem Plan.

Nach erneut erfolglosen Probetrainings, unter anderem bei Eintracht Trier und Hansa Rostock , macht Admir Terzic schließlich ein ganzes Jahr Pause vom Fußball und trifft eine Grundsatzentscheidung: Wird es noch etwas mit dem bezahlten Fußball oder muss jetzt etwas anderes passieren? „Da kam mir die Anfrage von den Sportfreunden Düren gerade recht. Der Verein hat mir eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann angeboten und ich spiele jetzt in der Landesliga. So kann es gehen“, sagt Admir Terzic, ohne zu lamentieren.

Bei den Sportfreunden Düren ist er Kapitän. Nicht schlecht für einen 23-Jährigen, aber sicher nicht das, was der frühere Juniorennationalspieler von sich im Fußball erwartet hat. „Im Moment zählt für mich nur die Ausbildung und dass wir mit Düren den Klassenerhalt schaffen. Ob ich danach noch einmal den Lebensunterhalt mit Fußball bestreiten kann, wird man sehen“, sagt Terzic und verrät: „Meinen früheren Mitspielern schaue ich jedenfalls immer noch ganz genau zu. Ich weiß, wie nah ich selbst dran war und bin stolz sagen zu können, dass ich mit Weltmeistern zusammengespielt habe.“

Am vergangenen Sonntag, beim 4:4 seiner Sportfreunde gegen den FC Niederau , wurde Terzic in der 83. Minute eingewechselt.

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