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Amateurstatistiken

Weltrekord |17.10.2018|16:45

Weltrekord? 2815 Zuschauer in der Kreisliga C

Jubel über den Sieg und eine wahnsinnige Kulisse: die dritte Mannschaft des TuS Harpen.[Foto: Heiko Buschmann]

Kevin Steinhaus kann sein Glück nicht fassen: Gerade ist der Stürmer unter dem frenetischen Applaus ausgewechselt worden und genießt das Bad in der Menge. Zwei Tore hat er selbst geschossen und zwei weitere vorbereitet, was für jeden Kicker wohl schon genug zur Freude wäre. Aber am Sonntag, 14. Oktober, kommt einfach alles zusammen. 2815 Zuschauer (!) sind dabei, als der TuS Harpen III gegen den SV Teutonia Riemke mit 5:0 gewinnt. Der Verein spricht von einem "neuen Weltrekord für die Kreisliga C", doch dieser sonnige Herbsttag im Bochumer Nordosten schreibt noch eine weitere, fast schon kitschige, Story.

Als Kevin Steinhaus vor einem Jahr zum Arzt geht, bricht für den Kapitän des TuS Harpen III eine Welt zusammen. Seine Lymphdrüsen sind geschwollen, der Grund dafür ist: Krebs. „Das war natürlich ein Riesenschock für mich“, erklärt er nun zwölf Monate später gegenüber FUSSBALL.DE . Seine Augen strahlen, denn seine Diagnose ist positiv, die heimtückische Krankheit nach Chemotherapie, Bestrahlungen und einer langen Reha zum Erliegen gekommen. „Der ganze Verein stand in dieser schweren Zeit hinter mir, das hat mir immer wieder sehr viel Kraft gegeben“, gibt Kevin Steinhaus gerne zu und fügt an: „Natürlich war es hart für einen Vollblut-Amateurkicker wie mich, meinen Teamkollegen beim Spiel nur zusehen zu können, aber jetzt bin ich wieder dabei und es ist einfach nur phänomenal!“

Am Sonntag zuvor ist Kevin Steinhaus zum ersten Mal wieder für seinen Klub am Ball, allerdings „nur“ in einem Testspiel gegen Weitmar 09 III. Da schon trifft Kevin Steinhaus beim 6:3 für die Blau-Weißen dreimal, doch gegen Riemke feiert er nun sein Startelf-Comeback – und dann in diesem Rahmen.

Der Mann, der für diesen Wahnsinn in der Kreisliga verantwortlich ist, heißt Oliver Drohn. Der 46-jährige Harpener spielt in der Altherren-Truppe des TuS und ist ein kreativer Kopf. Irgendwann hat er seinen langweiligen Job bei der Bank geschmissen und mit Gleichgesinnten in Essen ein Startup gegründet: „Ich freue mich unglaublich, dass unsere Idee so durchgestartet ist“, sagt Oliver Drohn. Er meint damit gerade nicht seinen beruflichen Neuanfang, sondern das Match in Harpen.

„Ich war die ganze Woche mega nervös und konnte in den letzten drei Tagen kaum schlafen.“

Werbung im Radio

Vier Wochen ist es her, als Oliver Drohn einfällt, den TuS Harpen groß heraus zu bringen. Jedes Spiel hat seine Besonderheit und Kuriositäten, doch in Bochum greift man nun nach den Sternen: nichts weniger als der Weltrekord soll her, und zwar für Zuschauer bei einem Kreisliga-C-Kick. Bisher soll die Bestmarke in der untersten Klasse bei 500 Besuchern stehen, bei einem Spiel in der Oberpfalz, doch verbrieft beziehungsweise statistisch erfasst ist das nicht. In Harpen streben sie selbstbewusst die Schallmauer von 1000 Zuschauern an, dafür muss der Verein aber im Vorfeld richtig trommeln. Oliver Drohn hat ein paar Beziehungen und ruft bei  1Live an. Mit Erfolg, der Radiosender hat Interesse an der Nummer – und jetzt kommt Daniel Danger ins Spiel.

Der Gefahrenreporter des jungen WDR-Hörfunks hat schon so manchen Quatsch mitgemacht, vor der WM bringt er sich sogar bei Bundestrainer Joachim Löw als dritter Torhüter für die WM in Russland ins Gespräch. Der Plan geht nicht ganz auf, doch als schöner Trost darf Daniel Schlipf, so heißt Danger mit bürgerlichem Namen, Manager beim TuS Harpen III werden. Am vorigen Montag taucht er zum ersten Mal mit seinem Mikro am Steffenhorst auf, interviewt Trainer, Spieler und Vorstandsleute. Seitdem wirbt das reichweiten-starke 1Live jeden Tag für das Spiel in der Kreisliga C, viele Leute im Ruhrpott reden nun über Harpen gegen Riemke.

1000 verkaufte Bratwürste

„Ich war die ganze Woche mega nervös und konnte in den letzten drei Tagen kaum schlafen“, gibt Initiator Oliver Drohne zu. „Ich dachte, lass das bloß kein Rohrkrepierer werden.“ Seine Ängste sind unbegründet. Als Schiedsrichter Jörg Brelinger die Partie um 17 Uhr anpfeifen will, werden nicht nur er und Drohne von den Ereignissen überrollt. Von allen Seiten pilgern die Menschen über die Maischützstraße in Richtung Steffenhorst zur Sportanlage im Bockholt. Vor der Kasse – Harpen nimmt einen symbolischen Euro Eintritt, um die Zuschauer besser erfassen zu können – bilden sich lange Schlangen. Der Anstoß muss um 20 Minuten nach hinten verschoben werden, so viele Menschen sind gekommen. „Wir haben 1000 verkaufte Bratwürste, 180 Koteletts und 1000 Liter Bier gezählt – und 2815 Zuschauer, Weltrekord!“, verkündet Daniel Danger schließlich unter dem Jubel der Menge.

Da steht es nach Kevin Steinhaus' Doppelpack und weiteren Toren von Christopher Steinhaus, Andreas Obacz und Falk Klüppel schon 5:0 für Harpen. Die Mannschaft von Matthias Huber, der an diesem Tag Guido Brüggemann als Trainer vertritt, lässt sich von der Euphorie anstecken und überrollt den bisherigen Tabellendritten Teutonia Riemke am Ende. „Natürlich war es auch für uns ein Riesenereignis, vor so vielen Zuschauern zu spielen, aber letztlich willst du auch in der Kreisliga C gewinnen. Von daher nehmen wir gemischte Gefühlen mit nach Hause“, nickt Teutonia Riemkes Trainer Peter Schwalm nachher. Sein Gegenüber Matthias Huber hingegen will von diesem Erlebnis noch lange zehren. „So ein Tag wie dieser zeigt, dass der Kreisligafußball lebt und geliebt wird“, sagt Harpens Coach.

Und Daniel Danger? Der beliebte Radio-Reporter hat schon neue Pläne. Falls ihn Jogi Löw nicht kurzfristig für den Nations-League-Hit gegen Weltmeister Frankreich am Dienstag in Paris nachnominieren sollte, will er dem Amateurfußball verbunden bleiben: „Mein nächstes Ziel ist es, eine siebte Mannschaft zu managen.“

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