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Malerei |25.09.2016|14:30

Wüstenberg: Der kickende "Kleckser"

Ein Mann und sein Atelier: Tom Wüstenberg hat inzwischen mehr als 35 Bilder gemalt. [Foto: Kühlborn]

Einst bekam Tom Wüstenberg, der in der Jugend für Bayer 04 Leverkusen und den 1. FC Köln kickte, in der Schule einen Blauen Brief in Kunst - heute malt er in seinem eigenen Atelier Bilder, verkauft diese bis nach Singapur und plant seine erste Vernissage. Und am Fußballspielen hat er auch wieder Spaß gefunden: Der 20-Jährige spielt aktuell für die zweite Mannschaft von Fortuna Köln in der Landesliga.

Der Schauplatz, ein Hinterhof im Herzen von Erftstadt-Lechenich, scheint auf den ersten Blick nicht recht zum Protagonisten zu passen. Dieser heißt Tom Wüstenberg, ist 20 Jahre alt und ein begnadeter Fußballer. Das würde er selbst so nie sagen, aber seine Vita verrät es. Statt auf dem Rasen zeigt der Erftstädter sein Können mittlerweile aber lieber hier, in einer alten Scheune, die einem Modegeschäft als Lager dient. Wüstenberg ist jetzt Künstler, er malt Bilder und die Scheune ist sein Atelier.

"Wir haben zu dritt einfach Farbe drauf geklatscht und es sah geil aus"

Dabei schien der Weg zum Fußballprofi früh vorgezeichnet für den kleinen Tom, der im zarten Alter von zwei Jahren beim VfL Erp erstmals gegen den Ball trat. Die Entwicklung schritt voran und der Erfolg schien dem Knirps einfach so zuzufliegen: Weil die Mannschaft seines zwei Jahre älteren Bruders bei einem Turnier keinen Torwart dabei hatte, sprang der damals fünfjährige Tom ein und wurde prompt von Scouts des Bundesligisten Bayer Leverkusen entdeckt. Obwohl eigentlich Stürmer und zwei Jahre zu jung, durfte er regelmäßig bei den jüngsten Kickern der Werkself mittrainieren. Bis er sich in der F-Jugend dem 1. FC Köln anschloss.

Bei den Geißböcken zählte der Rechtsfuß zu den Leistungsträgern und gehörte in allen Jugendmannschaften zum Stammpersonal. Wüstenberg standen alle Türen offen, bis er sie in der U15 selbst schloss. „Ich bin ein Mensch, dem es schwer fällt Verpflichtungen einzugehen. Wenn ich etwas machen muss, dann macht es mir keinen Spaß mehr“, sagt Wüstenberg, der irgendwann einfach keine Lust mehr hatte, viermal in der Woche zum Training ans Geißbockheim zu fahren. Er wollte lieber Zeit mit seinen Freunden verbringen und tun, „was man in dem Alter halt so macht.“ Aus diesem Grund verabschiedete er sich auch von seiner zweiten sportlichen Leidenschaft, dem Golfsport. Auch am Schläger mit viel Ballgefühl ausgestattet, hätte er es vom Heimatklub in Erftstadt-Konradsheim aus, vermutlich weit bringen können. Hätte er denn gewollt.

Dem Fußball gänzlich entsagen konnte der Teenager dann aber doch nicht. Nach kreativer Schaffenspause begann er zunächst wieder auf Kreisebene mit Kumpels zu kicken, ehe er in der B-Jugend zum Mittelrheinligisten Euskirchener TSC wechselte. Mit den Kreisstädtern gelang sensationell der Bundesliga-Aufstieg. Weil er als älterer Jahrgang aber in die A-Jugend hoch rückte, blieb ihm die Junioren-Bundesliga zunächst verwehrt. Ein Wechsel zum Bonner SC bescherte Wüstenberg, mittlerweile Innenverteidiger, dann aber doch regelmäßige Einsätze in der höchsten Spielklasse. Den Fokus richtete der Abiturient zu diesem Zeitpunkt allerdings längst nicht mehr auf Fußball.

Der Anpfiff zur Kunstkarriere hatte, zumindest indirekt, dann aber doch wieder mit Fußball zu tun. Jannik, Toms bester Kumpel und Mitspieler in Euskirchen, hatte sich beim Fußball das Kreuzband gerissen und lag flach. „Ich habe ihn praktisch jeden Tag besucht. Irgendwann wollten wir uns dann sinnvoll beschäftigen“, erzählt Wüstenberg. Der erste Plan: ein Buch schreiben. „Eine Schnapsidee, worüber soll man mit knapp 20 schon schreiben“, fragt Wüstenberg. Erinnerungen an die Schulzeit kamen hoch, wo Kunst zu den Lieblingsfächern des Gymnasiasten zählte. Obwohl er, wegen einer versäumten Facharbeit, sogar mal einen Blauen Brief in Kunst bekommen hatte, war das Interesse doch immer geblieben.

Mit einer kleinen Leinwand und etwas Acrylfarbe aus dem Repertoire der kleinen Schwester ging es los: „Wir haben zu dritt einfach Farbe drauf geklatscht und es sah geil aus.“ Das fertige Werk schenkte Wüstenberg seiner Mutter zum Geburtstag. Während Tom und Jannik beim Malen blieben, konzentrierte sich Lukas Klünter, der Dritte im Bunde, lieber auf andere Talente. Wohl die richtige Entscheidung, denn mittlerweile steht der Erftstädter im Profikader des 1. FC Köln.

Eine ähnlich steile Karriere hat auch Tom Wüstenberg mittlerweile eingeschlagen. Denn aus dem vermeintlich einmaligen Experiment ist eine Leidenschaft geworden, die sogar berufliche Perspektiven aufzeigt. Mehr als 35 Bilder hat er bislang gemalt. Wüstenberg nutzt, je nach Lust und Laune, Pinsel oder Spachtel und ähnelt in seinem Stil dem berühmten US-Maler Jackson Pollock. Der Begründer des Action Painting erhielt aufgrund seines Stils den Spitznamen „der Kleckser“. „Ich mache alles nach Gefühl, ich nehme die Farben, von denen ich denke, sie harmonieren und am Ende entsteht ein Gesamtkunstwerk, das meist auch mich beeindruckt“, sagt Wüstenberg.

Spitzenpreise wie Pollock, für dessen Werke bis zu 140 Millionen Euro fällig werden, erzielt der junge Künstler natürlich nicht, verkauft hat er aber schon ein paar Exemplare. Eines sogar nach Singapur, wo ein dort lebender Deutscher via Instagram auf das Werk von Wüstenberg aufmerksam geworden ist.

Das Geld steht allerdings nicht im Vordergrund. „Ich male die Bilder nicht, damit sie jemand anderem gefallen, sondern mache das alles, weil ich Spaß daran habe.“ Was dabei herauskommt, wenn Tom Wüstenberg mit Spaß bei der Sache ist, davon kann man sich in seinem weitläufigen Atelier überzeugen. „Welcher 20-jährige Künstler kann schon von sich behaupten, so ein Atelier zu haben“, ist der Autodidakt begeistert.

Mit viel Engagement plant Wüstenberg gerade seine erste Vernissage und entdeckt dabei ganz neue Seiten an sich. „Eigentlich ist mir das Planen immer besonders schwer gefallen. Jetzt habe ich aber einfach Bock drauf und hänge mich voll rein. Ich freue mich riesig auf meine erste Vernissage und einen richtig geilen Abend mit meinen Gästen.“

Und auch am Kicken hat der zukünftige Sportstudent wieder Spaß gefunden, spielt mittlerweile in der Landesliga für die zweite Mannschaft von Fortuna Köln. Ob der Weg in den Profifußball über Umwege vielleicht doch noch klappt: „Das liegt einzig an mir und meiner Leistung“, sagt Wüstenberg. Ob dafür aber überhaupt Zeit bleibt, scheint fraglich. Eine Galeristin aus New York, die es durch Zufall nach Lechenich verschlug, attestierte dem jungen Künstler jedenfalls, ein gutes Händchen für Farben zu haben und hinterließ ihre Visitenkarte.

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