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Nils Pichinot: Jenas "Widerstandskämpfer" beißt sich durch

13.01.2012, 12:36 Uhr | dfb.de

Nils Pichinot arbeitet an sich und schiebt jeden Tag Extra-Schichten. (Quelle: imago)

Nils Pichinot arbeitet an sich und schiebt jeden Tag Extra-Schichten. (Quelle: imago)

Thomas Müller und Holger Badstuber haben es vorgemacht, zuletzt Alexander Esswein oder Bernd Leno: Die 3. Liga ist ein gutes Sprungbrett für Talente, die sich eines Tages einen Namen machen und anbieten wollen für noch höhere Aufgaben. Nils Pichinot vom FC Carl Zeiss Jena ist ein weiteres hoffnungsvolles Talent.

Jenas Torjäger ist aktuell zum Zuschauen verdammt. Während sich seine Mitspieler auf dem Trainingsplatz auf die Restrunde in der 3. Liga vorbereiten, arbeitet der 22-Jährige intensiv in der Reha an seinem Comeback. "Ich hatte mich mit Leisten-Problemen bis zur Winterpause durchgebissen", erklärte er im Gespräch mit DFB.de. "Die Pause habe ich dann genutzt, um mich operieren zu lassen. Ein paar Tage wird es noch dauern, bis ich wieder voll einsteigen kann."

Sander setzt auf Pichinot

Das erste Punktspiel der abstiegsbedrohten Thüringer in diesem Jahr am 21. Januar gegen den 1. FC Saarbrücken kommt für "Pichi" deshalb wohl auch noch zu früh. "Dann will ich aber schon wieder im Mannschaftstraining sein", kann er es kaum erwarten, wieder mit dem Ball zu arbeiten. Vor der Winterpause lief es gut für Pichinot. Der neue Trainer Petrik Sander setzte den jungen Angreifer, der bei insgesamt 14 Einsätzen zwei Treffer erzielen konnte, regelmäßig in der Startelf ein. "Ich hoffe, dass ich schnell wieder den Anschluss finde", sagte der gebürtige Hamburger und will wieder an die Hinrunde anknüpfen. 

Karriere stand im Sommer am Scheideweg 

Dass ihn die Verletzung dabei ein Stück zurückwirft, bringt Pichinot nicht aus der Bahn. Schon häufig hatte er mit Widerständen zu kämpfen - und ging aus diesen Situationen gestärkt hervor. In der Sommer-Vorbereitung auf die aktuelle Runde hatte der damalige FCC-Trainer Heiko Weber Angreifer Pichinot sogar mitgeteilt, dass er nicht mehr mit ihm plane. "Ich habe ihm aber gesagt, dass ich nicht aufgeben möchte und versuchen werde, mich durchzubeißen. Damals stand meine Karriere am Scheideweg", erinnerte sich Pichinot, der zu Beginn des Jahres 2011 vom FC St. Pauli II nach Jena gewechselt war.

Nach dem Gespräch mit Weber spielte und trainierte Pichinot zunächst fast ausschließlich bei der Oberliga-Reserve von Carl Zeiss. Während andere Spieler vielleicht resigniert hätten, zeigte Pichinot eine Trotz-Reaktion. "Ich habe alles gegeben, um wieder nach oben zu kommen. Das ist mir gegen Ende der Amtszeit von Heiko Weber dann auch gelungen", sagte der Offensiv-Spezialist. 

Kampf um den Klassenverbleib steht im Vordergrund

Aktuell heißt der "Widerstand" für Pichinot sowie die gesamte Jenaer Mannschaft "Kampf um den Klassenverbleib". Als Vorletzter weisen die Thüringer sieben Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz auf. Immerhin konnte der FC Carl Zeiss das letzte Spiel vor der Winterpause gegen den Nachbarn und Erzrivalen Rot-Weiß Erfurt 1:0 für sich entscheiden und damit neue Hoffnung schöpfen. "Das war ganz wichtig. Wir sind mit einem guten Gefühl in die Pause gegangen und das macht sich jetzt in jedem Training bemerkbar", so Pichinot, der auch im Derby gegen die Erfurter über 90 Minuten dabei war.

Der Optimismus beim Nachwuchs-Stürmer ist groß, dass es in der Rückserie ähnlich weitergehen wird. "Wir wissen, worauf es ankommt. Im Abstiegskampf geht es in allen Partien erst einmal darum, den Kampf anzunehmen. Spielerisch müssen wir uns vor keiner Mannschaft verstecken. Wir dürfen nur nicht mehr so viele individuelle Fehler machen. Dann ist der Verbleib in der 3. Liga machbar“, ist Pichinot fest überzeugt. 

Regelmäßige Sonderschichten nach dem Training

Persönlich kommt es für Pichinot unter anderem darauf an, seine fußballerischen Fähigkeiten weiter zu verbessern. "Ich bin ein Spieler, der eher über den Kampf und den Einsatz kommt. Außerdem lege ich regelmäßig vor und nach dem Training Sonderschichten ein, um an meinen Schwächen zu arbeiten", sagte der schnelle Angreifer, der sich auf der Mittelstürmerposition am wohlsten fühlt. 

Anschauungsunterricht in Sachen Technik gibt es im Training manchmal vom bundesliga-erfahrenen Offensivspieler Jan Simak: "Manchmal staune ich schon, was der mit dem Ball so alles anstellen kann" 

Wechsel nach Jena war ein großer Schritt

Der Wechsel nach Jena im Januar 2011 war für Pichinot, der zuvor nur im Hamburger Raum gespielt hatte, ein großer Schritt. Zum ersten Mal war er auf sich gestellt. "Das hat mich in meiner persönlichen Entwicklung weit voran gebracht", sagte er rückblickend. Gemeinsam mit dem 22-jährigen Abwehrspieler Philip Röppnack aus der zweiten Mannschaft wohnt Pichinot in einer 60 Quadratmeter-Wohnung in Jena. Probleme kennt die "Männerwirtschaft" nicht. "Wir ergänzen uns da sehr gut", so Pichinot. 

Begonnen hatte die Laufbahn Pichinots einst bei der TSG Bergedorf. Über die Stationen SC Vier- und Marschlande, SV Eichede und SV Curslack-Neuengamme wechselte der Landes-Auswahlspieler 2009 zum FC St. Pauli, wo er zunächst in der zweiten Mannschaft eingesetzt wurde. Zu seinem ersten Profi-Vertrag kam Pichinot, der zuvor sein Abitur gemeistert hatte, durch gute Trainings-Leistungen, aber auch durch das Verletzungspech bei den Profis: "Oben hatten sich einige Stürmer verletzt und plötzlich hielt ich meinen ersten Vertrag als Lizenzspieler in den Händen. Den Plan, eine Lehre als Bankkaufmann zu machen, habe ich dann erst einmal zu den Akten gelegt." 

Im ersten Zweitliga-Spiel direkt erfolgreich

Seinen ersten Einsatz für den FC St. Pauli in der 2. Liga wird Pichinot wohl nie vergessen. Es war die 77. Minute im Heimspiel gegen Rot Weiss Ahlen am 7. August 2009, in der Pichinot beim Stand von 1:1 für Florian Bruns eingewechselt wurde. Eine Viertelstunde später war er der gefeierte Spieler.

Was war passiert? "Nach einer Flanke von Matthias Lehmann wurde der Ball an die Latte gelenkt und landete direkt vor meinen Füßen. Ich musste nur noch einschieben", sicherte Pichinot den Hamburgern einen späten 2:1-Heimsieg. Dass es nicht zu einem weiteren Einsatz in Liga zwei reichte, lag unter anderem an einem Faserriss, den sich Pichinot kurz danach zugezogen hatte. 

Danach ging es beim FC St. Pauli nicht mehr so recht weiter und so entschied sich Pichinot für den Wechsel nach Jena. "Die 3. Liga ist für Nachwuchsspieler eine Top-Adresse", schwärmte der Angreifer von den Möglichkeiten.

Rückkehr in die 2. Liga ist das Ziel

Mittelfristig möchte Pichinot zumindest in die 2. Liga zurück. "Mein Ziel ist es ganz klar, mit dem Fußball weiter mein Geld zu verdienen. Ich bin realistisch, aber die 2. Liga traue ich mir zu", sagte der Stürmer, für den aktuell aber nur die Restrunde zählt: "Ich möchte unbedingt meinen Teil dazu beitragen, damit Jena in der Liga bleibt."

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