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"Wichtig ist doch nur, was noch vor uns liegt"

10.04.2013, 17:22 Uhr | dfb.de

Rathenows Langzeittrainer Ingo Kahlisch (Quelle: imago\Picture Point)

Rathenows Langzeittrainer Ingo Kahlisch (Quelle: Picture Point/imago)

Otto Rehhagel und Thomas Schaaf: Der langjährige und der aktuelle Trainer des Bundesligisten SV Werder Bremen gelten im deutschen Fußball als Inbegriff für Konstanz an der Seitenlinie. Über deren Amtszeiten von jeweils rund 14 Jahren kann Ingo Kahlisch nur lächeln. Der 56-Jährige ist seit fast einem Vierteljahrhundert Trainer des aktuellen Nordost-Regionalligisten FSV Optik Rathenow, ging mit dem Verein seit 1989 durch alle Höhen und Tiefen.

Als Kahlisch sein Amt antrat, stand die Berliner Mauer noch, arbeitete die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel als Physikerin an der Akademie der Wissenschaften in Berlin, hatte der FC Bayern München gerade den elften von inzwischen 23 Meistertiteln geholt. Und Nationalspieler Thomas Müller war noch gar nicht geboren.

Nebenbei sorgt Ingo Kahlisch ebenfalls seit über 20 Jahren auch für einen Teil der finanziellen Mittel des Klubs, die Ausbildung und die Jobs seiner Spieler und gilt auch deshalb als "Mister Optik Rathenow". Nun ist sogar der Klassenverbleib in "unserer persönlichen Champions League", wie Kahlisch die Regionalliga Nordost nennt, in greifbarer Nähe.

Debüt in der DDR-Bezirksliga Potsdam

Es war ein normaler Spieltag in der DDR-Bezirksliga Potsdam 1989 zwischen Motor Babelsberg und Motor Rathenow (0:0), als bei den Gästen erstmals ein neuer Trainer auf der Bank saß. Damals ahnte noch niemand, dass sich die Trainerfrage im rund 50 Kilometer westlich von Berlin gelegenen brandenburgischen Rathenow bis heute erledigt haben sollte.

Aus Motor Rathenow wurde der FSV Optik Rathenow, aus Motor Babelsberg der heutige Drittligist SV Babelsberg 03. Der damals erst 28-jährige Kahlisch, der seine aktive Karriere gerade wegen einer Meniskusverletzung beendet hatte, blieb. Und er blieb lange.

Der Blick geht immer nach vorne

Aufstiege, Abstiege, Freuden- und Trauertränen: Es gibt nichts, was Kahlisch mit Optik Rathenow nicht erlebt hat. Große Rückblicke sind aber nichts für den gebürtigen Babelsberger. "Wichtig ist doch nur, was im Moment passiert und was noch vor uns liegt", sagt er. Im Moment bastelt Kahlisch aus seiner Sicht am "zweiten Wunder in Folge".

"Schon der Aufstieg in die Regionalliga war eigentlich undenkbar, wenn man sich zum Beispiel die Möglichkeiten eines BFC Dynamo anschaut, der in der vergangenen Saison zu unseren Konkurrenten gehörte. Dass wir jetzt nicht in jedem Spiel untergehen, grenzt bei unserer unbekannten Amateurtruppe erneut an ein Wunder", so Kahlisch.

Aktuell sieht es sogar eher danach aus, als würde der FSV den Klassenverbleib frühzeitig perfekt machen. Sieben Punkte Vorsprung gegen den Tabellenzweiten und Mitaufsteiger FSV Zwickau und noch dazu gegenüber der Konkurrenz auf dem ersten Abstiegsplatz (1. FC Union Berlin II) mit einer Partie im Rückstand. Die Ausgangslage für die Brandenburger ist gut.

"Der Kahlisch mauert nur"

Gelingt der Klassenverbleib, dann wäre das zu einem großen Teil auch der Verdienst von Ingo Kahlisch. "Der Nicht-Abstieg wäre der absolute Hammer. Wir haben eine geile Regionalligamannschaft, die richtig gut kicken kann. Früher hieß es immer: 'Der Kahlisch mauert nur'. Heute können wir auch spielerisch mithalten", schwärmt der Langzeittrainer.

Das sah nach seiner Amtsübernahme vor rund 24 Jahren noch anders aus. Die großen Optischen Werke, die Kahlisch für den Job als Optik-Trainer "das Blaue vom Himmel versprochen hatten", verschwanden nach der Wende. "Ich stand plötzlich alleine mit nicht einmal elf Spielern da. Trotzdem haben wir in fünf Jahren drei Aufstiege geschafft", erinnert sich Ingo Kahlisch. Bis auf zwei Jahre in der Verbandsliga ("Der damalige Abstieg war der schlimmste Moment für mich bei Optik") war Rathenow von da an bis vergangenen Sommer Dauergast in der Oberliga Nordost.

"Modernes Fußballtraining" von 1984 als Vorlage

In Kahlischs Augen hat sich im Fußball in den vergangenen Jahrzehnten gar nicht einmal so viel verändert. "Ich baue noch immer auf das Buch 'Modernes Fußballtraining', das die damaligen Tschechoslowaken Ladislav Kacani und Ladislav Horsky 1984 verfasst hatten. Da stehen schon alle späteren Klinsmann-Übungen drin. Sie hießen nur anders.

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Für dieses Konzept ist Kahlisch, der seit 1996 die Fußballlehrer-Lizenz besitzt, nicht nur Trainer, sondern auch Ausbilder, Chef und Vaterfigur. In der Sportmarketing-Firma mit Sportgeschäft und Kaffeebar, die er seit 1991 betreibt und mit der er den Verein auch finanziell unterstützt, bildet er regelmäßig mehrere seiner Spieler zu Sport- und Fitnesskaufleuten aus. Wer dort nicht unterkommt, wird über Kontakte in anderen Unternehmen untergebracht.

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Die Fürsorge von Kahlisch, der mit seiner Frau Andrea und den Töchtern Karoline (21/bis zum Abitur in der Jugend von Turbine Potsdam am Ball) und Anna (16) eine Autostunde von Rathenow entfernt in Potsdam lebt, hat sich in der Umgebung bereits herumgesprochen. Der Verein ist eine beliebte Anlaufstelle für junge Fußballer aus dem Berliner Raum, die den Sprung aus dem Jugend- in den Seniorenfußball bei den großen Klubs wie Hertha BSC oder 1. FC Union Berlin nicht geschafft haben.

"Ich hatte jetzt wieder fünf Bewerbungen auf dem Tisch liegen", so der Ex-Profi, der einst unter anderem für Empor Potsdam, Motor Babelsberg und Kabelwerke Oberspree am Ball war und zeitweise in der 2. Liga der DDR spielte.

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Kein Ende in Sicht - Noch gibt es genügend Ziele

Ein Ende seiner Trainertätigkeit ist für Ingo Kahlisch noch nicht in Sicht. "Solange ich noch Spaß daran habe und gesund bin, sehe ich keinen Grund zum Aufhören. Meine Jungs halten mich fit." An Zielen mangelt es trotz 24 Jahren in ein und demselben Verein ebenfalls nicht. "Ich will einmal den Verbandspokal gewinnen und in den DFB-Pokal einziehen. Da war uns bisher aber immer der SV Babelsberg 03 im Weg. Noch wichtiger ist freilich der Verbleib in der Regionalliga Nordost, in der wir uns etablieren wollen."

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Quelle: dfb.de

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