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Wunderlich und Co. blüht in der Regionalliga auf

24.10.2012, 14:26 Uhr | DFB.de

Mike Wunderlich peilt mit Viktoria Köln die 3. Liga an.  (Quelle: imago)

Mike Wunderlich peilt mit Viktoria Köln die 3. Liga an. (Quelle: imago)

Mike Wunderlich ist einer der überragenden Spieler der Regionalliga West. Mit acht Treffern liegt der Mittelfeldspieler des FC Viktoria Köln auf dem zweiten Platz der Torjägerliste, mit seinem Verein ist der 26-Jährige souveräner Tabellenführer.

Für Schlagzeilen sorgt Wunderlich auch abseits des Rasens. In Berlin ist er vergangene Woche vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Rahmen der Aktion "Fair ist mehr" mit der Fairplay-Medaille ausgezeichnet worden. Warum? Das erzählt er im Interview. Dort erklärt Wunderlich auch, warum er nach seiner Burn-out-Erkrankung Köln nicht mehr verlassen will und dass es sein Traum ist, irgendwann noch einmal das Trikot des 1. FC Köln zu tragen.

Herr Wunderlich, was bedeutet Ihnen der gerade verliehene Fairplay-Preis des DFB?
Mike Wunderlich: Das ist natürlich großartig. Aber ich habe die Auszeichnung für die gesamte Mannschaft angenommen. Das ist nicht meine private Angelegenheit. Deshalb habe ich die Medaille direkt in die Kabine gehängt, da gehört sie hin. Auf jeden Fall waren es ein paar tolle Tage in Berlin, die ich sehr genossen habe.

Beschreiben Sie bitte noch mal die Szene, für die Sie ausgezeichnet worden sind.
Wir hatten ein Heimspiel gegen den KFC Uerdingen, das war im Frühjahr. Da haben wir noch in der NRW-Liga gespielt, es stand 2:3. Plötzlich läuft ein gegnerischer Spieler alleine auf unser Tor zu und schiebt den Ball aufs verlassene Tor. Genau da macht sich unser Spieler Andreas Moog warm. Plötzlich läuft er auf den Platz und schießt den Ball kurz vorm Überqueren der Linie weg. Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht.

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Und dann?
Der Schiedsrichter zeigt Andreas Moog die Rote Karte und gibt indirekten Freistoß für Uerdingen an unserem Fünf-Meter-Raum. Wir haben uns als Mannschaft kurz beraten. Aber es stand praktisch direkt fest, dass wir den Gegner das Tor schießen lassen werden. Wir sind alle weggegangen. Uerdingen hat das 4:2 erzielt und am Ende gewonnen. Zum Glück sind wir wenig später trotzdem aufgestiegen.

Was war nach dem Spiel los?
Wir waren alle fassungslos. So etwas hatte noch keiner von uns erlebt. Vor allem konnten wir nicht glauben, dass ausgerechnet Andreas Moog so eine Aktion gemacht hat. Er ist eigentlich ein extrem fairer Sportler. Hinterher hat er sich direkt entschuldigt. Auch für ihn war das alles völlig unerklärlich.

Was macht Andreas Moog heute?
Er ist bei uns im Trainerstab. Andreas ist neben Markus Kurth Assistent von Chefcoach Heiko Scholz und vor allem für den Konditionsbereich verantwortlich.

Sie waren damals in der NRW-Liga Spitzenreiter. In der Regionalliga sind Sie als Aufsteiger schon wieder ganz vorne. War das abzusehen?
Dass wir eine gute Mannschaft haben, wussten wir. Deshalb haben wir auch vorher sehr offensiv formuliert, dass wir unter die ersten Fünf wollen. Dass wir jetzt ganz oben stehen, ist umso schöner. Diese Liga macht mit den vielen Traditionsvereinen auf jeden Fall richtig Spaß.

Was entgegnen Sie den Kritikern, die behaupten, dass der Erfolg der Viktoria nur dank eines großen Geldgebers möglich ist?
Darüber kann ich nur lachen. Das können lediglich Leute sagen, die noch nie bei uns waren. Wir arbeiten sehr hart für den Erfolg. Und ich bin davon überzeugt, dass der eine oder andere Verein in der Regionalliga einen höheren Etat hat. Aber für mich spielt es keine Rolle, was andere sagen. Genauso muss ich immer laut lachen, wenn wir mit Klubs wie RB Leipzig und der TSG Hoffenheim verglichen werden. Dazwischen liegen Welten. Wir haben noch nicht einmal ein Trainingszentrum, das Regionalliga-tauglich ist. Sportlich läuft es gut, aber infrastrukturell hinken wir noch ordentlich hinterher.

Werden Sie mit der Viktoria in dieser Saison in die 3. Liga aufsteigen?
Wir geben alles dafür, aber das ist noch ein weiter Weg. Selbst wenn wir Erster werden, kommen ja noch die Aufstiegsspiele. Sicher ist es mein Ziel, in dieser oder der nächsten Saison den Sprung zu schaffen.

Wie sieht Ihre persönliche Lebensplanung aus? Es ist bekannt, dass Sie seit Ihrer Burn-out-Erkrankung und Ihrem daraus resultierenden Abschied vom FSV Frankfurt sehr auf Köln fixiert sind.
Ich hatte eine schwere Zeit, jetzt bin ich glücklich bei der Viktoria. Wir haben hier noch viele Möglichkeiten. Ich kann mir vorstellen, noch lange dem Verein die Treue zu halten. Aber ich will auch nicht ausschließen, vielleicht noch einmal woanders mein Glück zu suchen, vielleicht in der 2. Liga. Allerdings muss es ein Verein in der Nähe sein. Denn eines steht für mich fest: Köln verlasse ich nie mehr.

Träumen Sie also davon, noch einmal das Trikot des 1. FC Köln zu tragen?
Ach wissen Sie, im Fußball kann so viel passieren. Ich habe schon so viel erlebt, ich würde nichts mehr ausschließen. Aber ich bin kein Träumer, ich bin keine 18 oder 19 Jahre mehr. Trotzdem sage ich hier gerne die Wahrheit: Ja, ich bin ein kölscher Junge. Ja, ich würde mir wünschen, irgendwann noch mal das FC-Trikot zu tragen. Das liegt jedoch nicht nur in meiner Hand.

Quelle: DFB.de

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 (Quelle: abc)