16.07.2012, 15:31 Uhr | sid
Gähnende Langeweile bei Stuttgart-Coach Labbadia (li.) und den Nürnberger Profis. (Quelle: imago)
Die einen fahren mit dem Tretboot über den Maschsee, die anderen besuchen ein Konzert von Silbermond und wiederum andere genießen noch einmal Urlaub - und das mitten in den Vorbereitung auf die neue Saison. 109 Tage müssen die 18 Vereine der Bundesliga überbrücken, und greifen in der längsten Sommerpause der 49-jährigen Geschichte zum Teil zu außergewöhnlichen Maßnahmen. So machen die Profis des VfB Stuttgart, des 1. FC Nürnberg, der SpVgg Greuther Fürth und von Mainz 05 in dieser Woche Ferien von der Vorbereitung, die Hoffenheimer Spieler haben ihren Kurzurlaub schon wieder hinter sich.
"Wir glauben, dass man nicht immer nur etwas reinstecken kann, die Spieler nicht immer nur fordern kann. Wir könnten auf hohem Niveau durchtrainieren. Aber wir denken, dass wir nach einer kurzen Pause sogar auf ein noch höheres Niveau kommen können", begründete VfB-Trainer Bruno Labbadia in der "Bild"-Zeitung die Trainingspause beim VfB von fünf Tagen.
In Mainz und Fürth sind es sogar sieben Tage. "Wenn man so früh startet, muss man aufpassen, dass man das Momentum nicht verliert. Man kann den Spannungsbogen nicht über einen so lange Phase aufrechterhalten", erklärte 05-Coach Thomas Tuchel in der "Süddeutschen Zeitung". "Mit der Pause bringen wir Abwechslung rein und die Spieler sehen mal was anderes", sagte Fürths Mike Büskens. Sein Nürnberger Kollege Dieter Hecking, der seinen Spieler viereinhalb Tage frei gibt, hofft so, "dass wir einen Spannungsbogen hinbekommen".
Es ist in der Tat schwierig, die Spieler über so einen langen Zeitraum bei Laune zu halten. Dass es beim Hamburger SV im Training zuletzt sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen war, mag mit einem gewissen Lagerkoller zusammenzuhängen. Kritik kommt deshalb auch von Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. "Eigentlich ist ein Sommerloch von drei Monaten unverantwortlich". Es gehe "vor allem auch um die Beschäftigung der gesamten Funktionsteams, die dank der formidablen Terminplanung der allherrlichen Verbände länger Urlaub machen können oder müssen als alle anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagte er dem "Kölner Stadtanzeiger".
Vor allem hätten die Trainer ein Problem, führte Holzhäuser weiter aus, "denn sie müssen die Spannung hochhalten, obwohl nichts Spannendes passiert. Es ist sicher an der Zeit, dass über diese Art der Terminplanung nachgedacht und mehr Rücksicht auf die Profivereine genommen wird." Erstaunlich ist dieser Einwand des Bayer-Funktionärs allemal, denn der Rahmenterminkalender ist auch von den Klubs abgesegnet. In den vergangenen Jahren hatten die Verantwortlichen immer über eine zu kurze Sommerpause gejammert.
Es gibt aber auch Vereine, die der langen Auszeit positive Seiten abgewinnen. Dazu gehört vor allem Bayern München. Dessen acht deutsche Nationalspieler haben nach den vielen Enttäuschungen der vergangenen Saison und dem EM-Frust drei Wochen Urlaub (noch bis zum 22. Juli) und anschließend immer noch vier Wochen Zeit, um sich auf den Bundesliga-Start vorzubereiten. "Das ist ausreichend", befindet Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, nachdem der Rekordmeister in der Vergangenheit gerade nach Turnieren immer sehr schwer in die Gänge gekommen war.
Quelle: sid
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