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Ausmaße des Manipulationsskandals werden schlimmer

22.07.2011, 13:07 Uhr

Fenerbahce-Anhänger machen ihrem Unmut Luft. (Foto: imago)

Fenerbahce-Anhänger machen ihrem Unmut Luft. (Foto: imago)

Chaos im türkischen Fußball: Aus Wut gegen den eigenen Verein, der im Zentrum des aktuellen Bestechungsskandals steht, haben Fans des Spitzenklubs Fenerbahce Istanbul für einen Spielabbruch gesorgt. Während des Vorbereitungsspiels gegen den ukrainischen Meister Schachtjor Donezk stürmten hunderte Anhänger in der 67. Minute das Spielfeld des Sükrü-Saracoglu-Stadions und sorgten dafür, dass die Partie nicht fortgesetzt werden konnte.

Die Fans waren zum Teil maskiert und trugen T-Shirts mit einem Bild des verhafteten Vereinspräsidenten Aziz Yildirim, der einige Stunden vor dem Anpfiff in einem Brief seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte. Medienvertreter wurden von Ordnern in Sicherheit gebracht, da sich die Wut auch gegen sie richtet.

Fenerbahce, Besiktas und Trabzonspor im Fokus

Der türkische Fußball versinkt derzeit immer tiefer im Manipulationsskandal. Neben dem türkischen Meister Fenerbahce stehen auch Pokalsieger Besiktas, der die Trophäe vorige Woche vorerst wieder abgegeben hat, und Vizemeister Trabzonspor im Fokus der Ermittler. Gegnerische Spieler sollen bestochen worden sein, schlecht zu spielen oder gar nicht erst aufzulaufen.

Dutzende Offizielle und Profis wurden in den vergangenen Wochen verhört oder verhaftet, darunter Yildirim und Besiktas-Trainer Tayfur Havutcu. Die Supercup-Partie zwischen Pokalsieger und Meister wurde bis auf Weiteres verschoben worden, der für den 5. August geplante Ligastart ist ebenfalls noch nicht sicher. Der Verband hatte allerdings beschlossen, dass die drei Klubs in den Europapokal-Wettbewerben starten dürfen.

20 Partien sollen verwickelt sein

"Der Schock ist allgegenwärtig spürbar", sagte Markus Merk, der frühere Bundesliga-Schiedsrichter und jetzige Fußballexperte im türkischen Fernsehen. "Es ist, als würde Uli Hoeneß in Untersuchungshaft gesteckt und Jürgen Klopp von der Polizei verhört", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Mindestens 20 Partien aus der vergangenen Spielzeit stehen unter Manipulationsverdacht. Mehreren Erstligaklubs droht gar der Zwangsabstieg. Spieler und Funktionäre sollen mit hohen Summen dazu verleitet worden sein, den Ausgang der Spiele in eine bestimmte Richtung zu drehen.

Teilweise hätten sich verschiedene Geldgeber sogar gegenseitig überboten. Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft unter dem Titel "Saubere Stollen" - bis zum 1. August will sie Ergebnisse vorlegen.

Europacup-Teilnahme muss erst von UEFA entschieden werden

Nach einem Treffen mit Vertretern des Türkischen Fußballverbandes (TFF) in der vergangenen Woche teilte die UEFA derweil mit, sie habe vollstes Vertrauen, dass der TFF "so schnell wie möglich die notwendigen Schritte unternehmen" werde. Für den Europacup würden demnach nur Vereine nominiert, "die es sich sportlich verdient haben."

Quelle: FUSSBALL.DE , dpa , dapd

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