30.12.2011, 17:27 Uhr
Christian Streich steht als Cheftrainer des SC Freiburg vor einer schweren Aufgabe. (Quelle: imago)
Christian Streich muss als neuer Cheftrainer des SC Freiburg nicht nur den Klassenerhalt schaffen. Der 46-jährige Ex-Profi der Breisgauer sieht sich vor allem der Herausforderung gegenüber, den Ruf des Tabellenletzten der Bundesliga wiederherzustellen. Denn dieser Ruf, anders und vor allem aufgeräumt zu sein, hat im Zuge der Trennung von Streichs Ex-Chef Marcus Sorg arg gelitten.
"Wir müssen jetzt arbeiten, arbeiten und alles dafür tun, dass wir die Klasse halten", sagte Streich, lange Jahre bereits Jugend- und Assistenzcoach des SC. Anders als Vorgänger Sorg hat Streich ein eher temperamentvolles Gemüt und die Rückendeckung aller im Umfeld des Vereins.
Streich genoss schon beim verstorbenen Ex-Präsidenten Achim Stocker höchste Wertschätzung. Von ihm ausgebildete Spieler wie Ömer Toprak (Bayer Leverkusen) oder Sascha Riether (1. FC Köln) sprechen in höchsten Tönen von Streich. Intern wurden schon in den vergangenen Wochen Stimmen auch von Spielern laut, nach denen der Ex-Profi "mehr machen und Einfluss nehmen" solle.
Einerseits war Streich an vielen Entwicklungen der erfolglosen Hinrunde als Co-Trainer beteiligt. Andererseits versprechen sich die Verantwortlichen von ihm nun eine neue Dynamik im Verein. In jedem Fall haben Präsident Fritz Keller und Sportdirektor Dirk Dufner mit seiner Installierung erst einmal die aufgekommene Kritik an ihnen selbst abgefedert.
Denn die einst so selten auffälligen Freiburger sind zuletzt immer häufiger in die Schlagzeilen geraten und haben dabei meist keine souveräne Figur gemacht. "Es herrscht Aktionismus an der Dreisam", urteilte die "FAZ", die Zeitung nannte die Trainerentlassung einen "Stilbruch". Noch bis vor wenigen Tagen hatten die Verantwortlichen eine Nibelungentreue zu Sorg suggeriert. Keller bezeichnete Fragen nach dem Trainer als "zu einfach" oder sogar "lächerlich".
Für Aufsehen hatte kurz vor der Freistellung Sorgs die Entscheidung gesorgt, sich gleich von sechs Spielern mit gültigen Verträgen trennen zu wollen. Yacine Abdessadki wurde sogar wegen der Entwendung zweier Shampoo-Flaschen fristlos gekündigt. Die Entscheidungen gelten als Alleingänge von Dufner und werden vor allem von vielen Fans als zu rabiat empfunden. Besonders die Ausbootung des beliebten Kapitäns Heiko Butscher schlug in Freiburg hohe Wellen.
Von den aussortierten Profis hat bislang noch keiner einen neuen Verein gefunden, auch wenn Hertha BSC offenbar Interesse an Butscher und auch Felix Bastians zeigt. "Ich werde am Montag auf jeden Fall zum Trainingsauftakt erscheinen. Und ich arbeite auch meinen Trainingsplan ab, den ich vom Verein bekommen habe", sagte Butscher.
Dufners Vorgehen bei der Ausbootung der Spieler hat zu ersten Verstimmungen zwischen ihm und Keller geführt. In jedem Fall stecken die Breisgauer in der ersten ernsthaften sportlichen Krise, seitdem dieses Führungsduo beim Sport-Club das Sagen hat. Das Auftreten der beiden Macher stößt mittlerweile vielen im Umfeld sauer auf. Erst im November zeigte Keller Verantwortlichen von Hertha BSC während des Spiels gegen die Berliner den Mittelfinger. Von Blättern aus der Hauptstadt bekam er dafür den Titel "Pöbel-Präsident" verliehen.
Dufner steht auch wegen seiner Personalpolitik im Sommer in der Kritik. Da versäumte es der Verein, Verstärkungen für seine wackelige Abwehr zu holen. "Wenn man Tabellen-18. ist, hat man auch als Sportdirektor Fehler gemacht", räumte er ein. "Wir haben vier Jahre vieles richtig gemacht, aber Fehler gehören eben auch dazu."
Quelle: dpa
Fans sollen über weiteres Vorgehen entscheiden.
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