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WM 2010

Die himmelblauen Kampfsportler

03.12.2009, 17:11 Uhr

Treffsicherer Torschütze in der spanischen Liga: Diego Forlan. (Foto: imago) Treffsicherer Torschütze in der spanischen Liga: Diego Forlan. (Foto: imago)Die Urus können auf eine große Vergangenheit verweisen, aber leben in einer fußballerisch tristen Gegenwart. Sechzig Jahre ist ihr letzter Weltmeistertitel her, der erste sogar achtzig. Im Hier und Jetzt kämpft das Team seit Jahren um den Anschluss zu den großen Rivalen Brasilien und Argentinien und muss sich dabei sogar regelmäßig von anderen Nationen Südamerikas überholen lassen.

Folglich sind die Ansprüche der einstigen Fußball-Großmacht geschrumpft. In Südafrika gilt es, erstmals seit Italien 1990 wieder die Vorrunde zu überstehen und zurück in den Kreis der Topteams zu gelangen. Schließlich will Uruguay nicht bis 2030 warten, wenn sich die erste WM und der erste WM-Titel zum hundertsten Male jähren und womöglich wieder ein Turnier in dem kleinen Land stattfindet. Dann - so der Plan - Huckepack mit Argentinien.

 

Die Qualifikation 

Als allerletztes Team hat sich Uruguay für den Titelkampf in Südafrika qualifiziert. In der Relegation setzte sich der Weltmeister von 1930 und 1950 gegen Herausforderer Costa Rica durch. Schon im Hinspiel in San José verschaffte sich Uruguay durch ein 1:0 ein kleines Polster. Im Rückspiel in Montevideo reichte den Urus dann ein Remis zur glanzlosen Qualifikation. Das direkte Ticket für die WM hatte das Team einen Monat zuvor verschenkt, durch eine 0:1-Heimniederlage gegen den großen Rivalen Argentinien. Damit blieb Uruguay mit jeweils sechs Siegen, Remis und Niederlagen und einer wenig erbaulichen Tordifferenz von 28:20 in der Südamerika-Gruppe nur der undankbare fünfte Rang und der Gang in die Relegation.

Der Trainer 

"El Maestro": Uruguays Trainer Tabarez. (Foto: imago) "El Maestro": Uruguays Trainer Tabarez. (Foto: imago)Für Oscar Tabarez ist es das zweite Engagement als Nationaltrainer seines Landes. 1988 übernahm er die Himmelblauen zum ersten Mal und führte sie zur WM in Italien, wo das Team im Achtelfinale am Gastgeber scheiterte. Der 62-Jährige kann mittlerweile auf etliche, teils größere Karrierestationen zurückblicken. Nach einigen Teams in Uruguay und Kolumbien trainierte er den Maradona-Klub Boca Juniors sowie Vélez Sársfield in Argentinien, Real Oviedo in der spanischen Primera Division sowie Cagliari und Italiens Topklub AC Mailand in der Serie A. Das Engagement bei Milan war allerdings ein Desaster und endete schon nach 22 Spielen. Tabarez wird El Maestro, der Lehrer, genannt, weil er tatsächlich eine Zeit lang als Pädagoge gearbeitet hat. Er gilt als großer Anhänger von Che Guevara und lebt nach dessen Motto: "Wir müssen stark werden, ohne je unsere Zärtlichkeit zu verlieren." In den Neunzigern war er bekannt dafür, seine Spieler mit den politischen Schriften des Uruguayers Eduardo Galeano zu konfrontieren.

Der Star 

Auf der britischen Insel wird Diego Forlan wohl als der Mann in Erinnerung bleiben, der nicht in die Fußstapfen von Andy Cole treten konnte und bei Manchester United scheiterte. Auf der spanischen Halbinsel dagegen haben die Menschen eine ganz andere Meinung von dem Stürmer aus Montevideo. Bei Villarreal verzauberte er die Fans mit Toren am Fließband, bei Atletico Madrid sieht das zurzeit nicht anders aus. Bei beiden Klubs sicherte sich der kräftige Angreifer die "Pichichi", die Trophäe als bester Torjäger der Primera Division. In beiden Fällen, 2005 und 2009, war er gleichzeitig Europas treffsicherster Schütze und bekam dafür zudem den Goldenen Schuh von der UEFA. In seiner Spielanlage erinnert der nur 1,79 Meter große, laufstarke Stürmer an Jürgen Klinsmann. Forlan kommt aus einer Fußballerfamilie, schon seit Vater war Nationalspieler und sein Urgroßvater bei Independiente in Argentinien aktiv. In jungen Jahren wollte der kleine Diego allerdings Tennisspieler werden, er war ein vielversprechendes Talent. Der Fußball darf sich freuen, dass Forlan sich anders entschieden hat. Heute wird der 30-Jährige mit einem Marktwert um 30 Millionen Euro taxiert.

Die Aussichten

Die Himmelblauen stehen in der Tradition einer kämpfenden Truppe, die oft hart an der Grenze des Erlaubten agiert. Daran hat sich über all die Jahre nichts geändert. Auch das aktuelle Team kommt aufgrund fehlender Künstler eher über den Einsatz ins Spiel. Das inzwischen gesprengte Schalker Trio Gustavo Varela, Carlos Großmüller und Vicente Sanchez dient als Beispiel. Trainer Tabarez kämpft angeblich noch um ein Comeback von Alvaro Recoba. Der frühere Star von Inter Mailand würde der Mannschaft trotz seiner 33 Jahre fußballerisch sicher gut tun und eine Ergänzung zu Diego Forlan darstellen. Nur mit etwas Losglück ist das Achtelfinale drin.

Uruguay im Überblick:

Spitzname

Charruas (Die Himmelblauen)

Trainer

Oscar Tabarez

Kapitän

Größter Erfolg

Weltmeister 1930, 1950

FIFA-Weltranglistenplatz

19

Bisherige WM-Teilnahmen

10

WM-Bilanz

So lief die Qualifikation

Bilanz gegen Deutschland

Quelle: t-online.de

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