
06.02.2012, 15:10 Uhr
Interessante Vereinsnamen: FC Fackel Karlsruhe (Montage: t-online; Foto: imago; Verein)
Von Michael Glang
Es gibt sie quer durch Deutschland, in zahllosen Ligen – Vereine, bei denen man sich sofort fragt: Wieso heißen die so? Woher kommt der Name? FUSSBALL.DE stellt jetzt Klubs mit interessanten, kuriosen, ausgefallenen Namen vor. Heute, Teil 17: FC Fackel Karlsruhe, erste Mannschaft: Kreisklasse Karlsruhe C, Staffel 1.
Neun Monate – gerade so alt ist der Verein aus dem Badischen. Am 30. Mai 2011 wurde der FC Fackel gegründet. Ein ganz zartes Pflänzchen also – oder doch nicht? Denn die Wurzeln des Klubs liegen bereits über 35 Jahre zurück. "Wir sind 1976 rübergekommen und haben dann im Übergangslager gewohnt. Schon damals haben wir regelmäßig gekickt", sagt Josef Kraft, der heute Erster Vorsitzender ist.
Wenn er "rübergekommen" sagt, meint er aus den ehemaligen Sowjetstaaten. Der FC Fackel ist ein Verein, gegründet von Spätaussiedlern. Frisch in Deutschland angekommen, trafen sich die Jugendlichen regelmäßig zum Kicken.
Als sich daraus eine Mannschaft entwickelte, musste ein Name her. Und der sollte natürlich einen Bezug zur Heimat haben. "Damals hießen viele Vereine in Osteuropa Dynamo oder Spartak. Wir sind dann aber auf den Namen "Fackel" gestoßen, weil der Begriff für eine aufgehende Flamme steht. Das hat uns damals einfach gefallen", so Kraft. "In den Ostblockstaaten ist eine Fackel etwas Besonderes. Der Begriff steht etwas Aufstrebendes, den Beginn einer neuen Sache.“ Passenderweise standen schon damals gemeinsame Grillabende regelmäßig auf dem Programm.
In der Sowjetunion habe es damals auch viele Klubs mit dem Namen gegeben. Und Fackel hat einen weiteren Vorteil. "Das ist ein internationales Wort. In Russland hat es dieselbe Bedeutung und wird genauso ausgesprochen. Einziger Unterschied: die kyrillische Schreibweise", so Kraft. Somit haben die Mitglieder auch immer ein Stückchen der russischen Heimat im Badischen.
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Der Fußball war ein Zeitvertreib, der mit den Jahren aber immer organisierter betrieben wurde. Zunächst spielte der FC Fackel nur unter sich, später dann bei Freizeitturnieren und in der Hobbyliga. Als die Ambitionen und der Ehrgeiz größer wurden, meldete Fackel für die Punktrunde – allerdings ohne einen Verein zu gründen. "Wir sind dann als zweite oder dritte Mannschaft eines schon bestehenden Klubs aufgelaufen", sagt Kraft. Den Namen FC Fackel habe man aber als Beinamen behalten. Darauf legt Kraft großen Wert.
Vor knapp einem Jahr entschlossen sich die Kicker des FC Fackel dann zur Gründung eines eigetragenen Vereins. "Irgendwann haben wir aber immer mehr Spieler dazubekommen, dazu kamen Differenzen mit dem letzten Verein, in dem wir als zweites Team gemeldet waren. Und dann kam die Idee auf, einen eigenen Verein zu gründen. Die Spieler haben auch direkt alle mitgezogen. Also haben wir die Sache dann durchgezogen", so Kraft.
Am Anfang musste der FC Fackel, zwischenzeitlich in die B-Klasse aufgestiegen, in der untersten Klasse wieder von vorne anfangen. Entsprechend ehrgeizig waren die sportlichen Ziele. "Eigentlich war der Plan, direkt wieder aufzusteigen. Aber so einfach ist die Geschichte nicht", sagt Kraft. Aktuell steht das Team auf Rang vier. Für Kraft ist in der Rückrunde trotzdem noch "alles drin".
Und warum hat es bis zur Gründung des eingetragenen Vereins so lange gedauert? "Es hatte sich vorher einfach nie ergeben. Außerdem hat es uns vielleicht ein bisschen der Mut gefehlt. Aber im letzten Jahr haben wir gesagt: 'Ach komm, wir sind doch stark genug. Jetzt gründen wir unseren eigenen Verein'. Bis jetzt passt das auch alles: Wir sind auf einem guten Weg“, ist Kraft mit dem ersten halben Jahr hochzufrieden.
Verständnisprobleme bei der Konkurrenz gibt es übrigens nicht. Früher hätten die Gegner zwar häufiger gefragt, was es mit der Fackel auf sich hat, so Kraft. Doch mittlerweile wisse man "in Karlsruhe und Umgebung", dass sie aus den ehemaligen Sowjetstaaten stammen und hier ihren eigenen Klub gegründet haben.
Auf eine Sache weist Kraft noch mit Nachdruck hin. "Amtssprache ist deutsch. Auf dem Platz wird kein Russisch gesprochen", sagt der Erster Vorsitzende. Das sei selbstverständlich, auch wenn die meisten Akteure ihre Heimatsprache noch beherrschen.
Im Jahr 2012 spielen beim FC Fackel schon die Jungs aus der zweiten Generation. "Viele sind zwischen 20 und 24 Jahren alt und hier geboren". Ihre Eltern gehörten damals zu den Aussiedlern aus den ehemaligen Sowjetstaaten. Heute stehen sie gemeinsam mit zwei Türken und gebürtigen Karlsruhern auf dem Platz. Der Verein, der einst von Spätaussiedlern gegründet wurde, sei inzwischen "richtig mulit-kulti", sagt Kraft zufrieden. Hauptsache, die Fackel brennt.
Ihr spielt in einem Verein mit einem ausgefallenen Namen? Oder ihr fragt euch schon lange, warum der Klub im Nachbarort so heißt, wie er heißt? Dann schreibt uns eine Mail mit dem betreffenden Verein an team@FUSSBALL.DE.
Quelle: FUSSBALL.DE
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