
17.02.2012, 17:10 Uhr
Interessante Vereinsnamen: NoKi in Action (Montage: t-online; Foto: imago; Verein)
Von Sebastian Schlichting
Es gibt sie quer durch Deutschland, in zahllosen Ligen – Vereine, bei denen man sich sofort fragt: Wieso heißen die so? Woher kommt der Name? FUSSBALL.DE stellt jetzt Klubs mit interessanten, kuriosen, ausgefallenen Namen vor. Heute, Teil 20: NoKi in Action, Liga: 2. Kreisklasse, Kreis Stade.
Nottensdorf ist klein. Etwas mehr als 1000 Einwohner, an der Bundesstraße 73 gelegen, die Stade und Buxtehude verbindet. Wer auf der Webseite nach Veranstaltungen sucht, wird erst im fünf Kilometer entfernten Horneburg fündig. In Nottensdorf, das zur Samtgemeinde Horneburg gehört, gibt es keinen Fußballplatz. Aber einen Verein – NoKi in Action.
Klingt für Uneingeweihte zunächst wie der leicht entfremdete Name eines Mobiltelefon-Herstellers. Hat damit aber genauso wenig zu tun wie die Lotsenbrüderschaft Nord-Ostsee-Kanal I (NOKI) oder Hau-Drauf-Schauspieler Chuck Norris ("Missing in Action"). Die Lösung: No wie Nottensdorf, Ki wie Kinder und in Action wie, ja wie eben in Action. Frei übersetzbar auch mit "Wir machen was, wir bewegen was."
2001 gründete sich eine Bürger-Initiative unter diesem Namen, um für die Kinder im Ort etwas zu bewegen. Es ging um die Errichtung einer Skater-Anlage. Zwei Jahre später entstand aus der Initiative ein eingetragener Sportverein mit mehreren Abteilungen von Badminton bis Walken. Bekannt in der Region ist inzwischen vor allem die Tanzabteilung, die ein eigenes Hip-Hop-Musical auf die Beine gestellt hat. Der Verein hat rund 200 Mitglieder, eine stattliche Zahl gemessen an der Gesamtgröße von Nottensdorf.
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Es dauerte seinerzeit nicht lange, bis ein paar Jugendliche im Dorf auf die Idee kamen, einen Fußballverein zu gründen. Da so etwas nicht mal eben in ein paar Tagen geht, passte es gut, dass es NoKi in Action schon gab. Dort nahmen sie die Fußballer ohne Verein gern auf. "Wir konnten dadurch schon 2004 antreten, sonst hätte das alles viel länger gedauert", sagt Luca Körner. Er absolvierte zu dieser Zeit eine Ausbildung zum Zimmermann in Nottensdorf und war einer der Gründer der Fußball-Abteilung. Heute ist er 28 Jahre alt, spielt immer noch für den Klub und ist Obmann.
In Nottensdorf einen Platz zu errichten, liegt außerhalb jeglicher finanzieller Vorstellungskraft. Da Horneburg neben einer Bücherei und einem Mehrgenerationenhaus auch einen Sportplatz besitzt, finden dort seit jeher die Heimspiele statt. Das läuft recht unproblematisch, nur die Trainingsmöglichkeiten bereiten Körner Sorgen. Ohne Flutlicht geht im Winter nicht viel, und die angebotenen Zeiten, etwa Montag um 16 Uhr, helfen nicht wirklich weiter. Die Spieler zwischen 20 und 30 heißen zwar „Kinder“, arbeiten oder studieren aber wie Erwachsene.
Früher gab es sogar eine Ü40-Mannschaft, die per Vereinsname ein paar Jahrzehnte jünger wurde. „Der Name war für die Fußballer zunächst ein gewisses Problem“, sagt Frank Menzel, der 1. Vorsitzende des Gesamt-Vereins. Aber er konnte sie beruhigen: Das Ki wird zwar mit Kinder übersetzt, steht jedoch so gar nicht in der Satzung. Wer will, kann also auch Kicker sagen. Die kickenden "Kinder" aus Nottensdorf gingen aber zunächst eigene Wege und schrieben sich einfach FC Nottensdorf 03 auf die Trikots. Eine Aktion, die im Verband nicht unbedingt für Begeisterungsstürme sorgte. Ordnung muss sein, auch in der 4. Kreisklasse.
Dort begann NoKi mit der Action. Das Ziel hieß reichlich unbescheiden Meisterschaft. Dass sie es ernst meinten, glaubte zu Anfang nicht jeder im Verein. "Manche dachten, wir suchen nur einen Vorwand, um uns gemeinsam einen hinter die Binde zu kippen", sagt Körner. Ein Mitglied versprach als Motivationshilfe ein Zehn-Liter-Fass für den Fall des Titelgewinns. Andere schlossen sich an.
Am Ende der Saison stand zur Überraschung vieler tatsächlich die Meisterschaft und die Getränke für die Feier waren reichlich vorhanden. Später gelang noch ein Aufstieg in die heutige Spielklasse, in der es aber in der Hinrunde mit nur sieben Punkten aus 14 Spielen bescheiden lief. NoKi in Action ist Vorletzter. "Wir glauben an den Klassenerhalt, sonst bräuchten wir nicht weiterspielen", sagt Körner.
Im kommenden Jahr wird wieder gefeiert, unabhängig von sportlichen Belangen: Da werden die Nottensdorfer Fußball-Kinder zehn Jahre alt.
Ihr spielt in einem Verein mit einem ausgefallenen Namen? Oder ihr fragt euch schon lange, warum der Klub im Nachbarort so heißt, wie er heißt? Dann schreibt uns eine Mail mit dem betreffenden Verein an team@FUSSBALL.DE.
Quelle: FUSSBALL.DE
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