fussball.de
powered by
Bundesliga bei t-online.deDFBnet

...

Viel mehr als ein Spiel: Das neue Leben des Mamoudou Buck

11.12.2012, 16:11 Uhr | DFB.de

Mamoudou Buck (Quelle: Michael Schwarz)

Der Hamburger SV ist für Mamoudou Buck zur sportlichen Heimat geworden. (Quelle: Michael Schwarz)

Von Jochen Breideband
In der vergangenen Saison hat Mamoudou Buck beim Hamburger SV mit dem Enkel von Uwe Seeler zusammengespielt. Irgendwann lud ihn sein Mitspieler nach Hause zum Kaffeetrinken ein – mit dem berühmten Opa. Viele 17-Jährige wären aufgeregt gewesen, viele hätten gleich nach einem Autogramm gefragt. Mamoudou fragte stattdessen: "Wer ist Uwe Seeler?"

Ernest Buck ist Mamoudous Adoptivvater. Er erzählt die Anekdote gerne. Weil sie andeutet, dass Mamoudou ein außergewöhnlicher Junge ist. Ein Junge mit einer besonderen Geschichte und einer besonderen Vergangenheit. Ein Junge, der aus einer anderen Welt stammt und in Deutschland ein zweites Leben gefunden hat.

Foto-Show im Überblick
Ex-Bundesligastars im Amateurfußball
4 von 19 Bildern

Ankunft 2010: Vollwaise in einem fremden Land

Über sein erstes Leben redet Mamoudou Buck so gut wie nie. Der Teenager möchte die Vergangenheit hinter sich lassen. Zu traurig, zu grausam sind die Erinnerungen. Das Massaker im Stadion von Conakry, bei dem Soldaten im September 2009 seine Mutter und 155 weitere Menschen töteten, die friedlich gegen die Militärdiktatur demonstriert hatten. Der Schmerz, als er seinen großen Zeh durch die Machete eines Soldaten verlor. Die Flucht aus der Heimat Guinea. Die Ankunft am Hamburger Hauptbahnhof im Juni 2010, traumatisiert, an Tuberkulose erkrankt, Vollwaise, in einem fremden Land.

Damals ist er 15 und heißt Mamoudou Diallo. Sein zweites Leben beginnt, als er das Ehepaar Buck kennen lernt. Die Diakonie stellt den Kontakt her. Ernest und Petra Buck sind über 50, das Thema Kinder ist eigentlich abgeschlossen. Doch Mamoudou erobert das Herz der beiden, sie entschließen sich zur Adoption. "Wenn er die Treppe runterkommt und man sieht ihn lachen, weiß man warum", sagt Ernest Buck.

"Durch den Fußball hat er seine ersten Freunde gefunden"

Mittlerweile trägt Mamoudou den Nachnamen seiner Adoptiveltern und hat einen deutschen Pass. Und er spielt voller Leidenschaft Fußball. Anfangs hatte ihn Ernest Buck am Stadtrand von Hamburg in der B-Jugend des Duvenstedter SV angemeldet. Nach 19 Toren in acht Spielen wechselte er in die Amateurabteilung des Hamburger SV, seitdem trägt Mamoudou die Raute, aktuell bei den A2-Junioren in der Landesliga.

"Der Fußball hat ihm sehr geholfen, durch ihn hat er hier seine ersten Freunde gefunden", sagt der deutsche Vater und zeigt sich erstaunt: "Unglaublich, wie dieser Sport verbindet und welche Kraft er hat." Auch der HSV habe zur Integration viel beigetragen. "Gerade die Trainer Paul Meier und Torsten Haase haben hier tolle Arbeit geleistet."

Leidenschaft für den Sport – Konzentration auf die Schule

Mit 1,74 Metern und 60 Kilo ist Mamoudou Buck ein schmächtiger Bursche. Das taktische Verständnis ist gering, weil ihm die fußballerische Grundausbildung fehlt. Doch Mamoudou ist verflixt schnell und er hat einen ausgeprägten Torriecher. In der laufenden Saison hat er in zehn Spielen schon wieder zwölfmal getroffen. "Er wird irgendwann ein guter Oberligaspieler, mit Glück vielleicht Regionalligaspieler", glaubt Ernest Buck.

Den Traum vom Fußballprofi träumen fast alle Jugendlichen beim HSV. Mamoudou nicht. "Nein, ich glaube nicht, dass ich Profi werde", sagt der 17-Jährige. Seine Konzentration liegt auf der Familie und der Schule. Zwei Jahre, nachdem er ohne jegliche Deutschkenntnisse ankam, hat Mamoudou seinen Hauptschulabschluss geschafft. Nächsten Sommer soll die Mittlere Reife folgen, danach möchte er aufs Gymnasium.

Längst sagt Mamoudou Papa und Mama

Gleichwohl ist der Fußball eine wichtige Säule in Mamoudous Leben. Die Begeisterung, das Mannschaftserlebnis, die Spielfreude, die Anerkennung haben ihm geholfen, manch dunkle Stunde zu überstehen. Besonders schlimm war es vergangenes Jahr im März. Einen Monat nachdem die Bucks den Adoptionsantrag eingereicht hatten, wurde Mamoudou ein Abschiebebescheid zugestellt, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er Deutschland innerhalb einer Woche verlassen müsse. "Damals hatte ich Angst, dass er sich umbringt", sagt Ernest Buck: "Die Behörde hat ihm seine Geschichte nicht geglaubt. In solchen Situationen hat der Fußball Mamoudou immer wieder aufgefangen."

Die Bucks klagten gegen die Abschiebung und bekamen Recht. Im September nun haben der monatelange Papierkrieg und der private finanzielle Aufwand, der sich nach Angaben von Buck inklusive Arzt- und Anwaltskosten auf fast 100.000 Euro summierte, endgültig zum Ziel geführt. Die Adoption ist vollzogen, Mamoudou ist Deutscher. Zu Ernest und Petra sagt er längst Papa und Mama.

Auch der Adoptivvater hat Erfahrung mit harten Schicksalsschlägen

Doch auf die Familie wartet schon die nächste schwere Herausforderung. Ernest Buck leidet an Knochenkrebs, er muss sich im Februar einer Risiko-Operation unterziehen. Was für ein Kämpfer der 56-Jährige ist, zeigt seine Vergangenheit. Buck war Eishockeyprofi, als ihm 1984 ein Gegenspieler von hinten mit den Schlittschuhen in den Körper krachte. Das Bein war zertrümmert, die Operation lief nicht plangemäß, das Bein musste abgenommen werden. Kurz darauf bildete sich der Knochenkrebs. Buck sitzt seitdem im Rollstuhl. Er arbeitete als Journalist, baute später eine Unternehmensgruppe auf, die er gemeinsam mit seiner Frau leitet. Jetzt ist der Krebs zurück.

Über Weihnachten geht die Familie auf Kreuzfahrt. Es ist Mamoudous erster großer Urlaub. Auf eines freuen sich die Eltern besonders: Auf das strahlende Lachen ihres Sohnes.

Quelle: DFB.de

Leserbrief An die Redaktion
Inhalt versenden Versenden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Viel mehr als ein Spiel: Das neue Leben des Mamoudou Buck" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Viel mehr als ein Spiel: Das neue Leben des Mamoudou Buck" gefallen hat.

 

Aktuelle Videos

Wahnsinn!
Götze schießt DFB-Team zum Weltmeistertitel

Deutsche Fans feiern den vierten Stern.

mehr

Mobil

Fußball Liveticker App Herzrasen

Herzrasen: Deutschlands schnellste Liveticker App

mehr

Mobil

Jetzt die Android App für die neue Saison 13/14 updaten

Zum Saisonstart 13/14 wurde die App auf zahlreichen Positionen verbessert!

mehr
 (Quelle: abc)