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Warum die Premier League das größte Fußball-Spektakel der Welt bleibt

31.12.2012, 15:18 Uhr | FUSSBALL.DE

Manchester City (Quelle: imago\sportimage)

Manchester City sicherte sich in der letzten Saison den Meistertitel. (Quelle: sportimage/imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Es war ein turbulentes Jahr für Englands Fußball. In der Nationalelf ging es drunter und drüber, sie verlor nicht nur mal wieder ein Elfmeterschießen (im EM-Viertelfinale gegen Italien), sondern zuvor schon viel Kredit: als Trainer Fabio Capello zurücktrat, weil er nicht damit einverstanden war, dass dem unter Rassismus-Verdacht stehenden John Terry die Kapitänsbinde abgenommen wurde. Der Fall des Chelsea-Kapitäns war nicht der einzige.

Darüber hinaus war es vor allem ein widersprüchliches Jahr: Da gewann Chelsea zum ersten Mal in seiner Geschichte und erst als zweiter englischer Verein der Champions-League-Ära überhaupt den großen Europapokal, aber es tat es mit einem steinzeitlichen Mauerfußball und all dem Glück, dass ihm zuvor so oft versagt geblieben war. Ausgerechnet das schwächste Chelsea der vergangenen zehn Jahre schaffte die Erlösung - die deshalb nicht kaschieren kann, dass der englische Klubfußball schon mal besser da stand. Wie schon vorige Saison qualifizierten sich Ende 2012 nur zwei der vier englischen Starter für das Achtelfinale. Chelsea? Als erster Titelverteidiger schon vor der K.o.-Runde ausgeschieden.

Premier League ist attraktiv wie eh und je

Vor diesem Hintergrund wurde schon festgestellt, auch in dieser Kolumne, dass die Premier League dabei sei, ihren Status als stärkste Liga der Welt zu verlieren. Auf der anderen Seite ist sportliche Stärke nicht unbedingt gleichbedeutend mit Attraktivität. Und davon hat Englands Eliteliga immer noch am meisten zu bieten.

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Auf der Insel wurde der Fußball erfunden, dort bleibt sein Zuhause. Das kann man momentan besonders eindringlich verfolgen. Während auf dem Kontinent der Ball ruht, absolviert die Premier League vier Spieltage von letztem Advent bis dem Tag nach Neujahr. Und führt dabei alle Gründe vor Augen, warum rund um den Globus hunderte Millionen Menschen die Fernseher einschalten, wenn Manchester United, Arsenal, Chelsea spielen. Oder auch Newcastle, Tottenham und Everton.

Englands Fußball: ein Spiel, ein Kampf - Fußball

Auf matschigen Spielfeldern - Fußball ist in England historisch ein Wintersport - geht es 90 Minuten lang auf und ab, quasi ohne Unterbrechung, auch beim vierten Spiel in zehn Tagen. Das Tempo ist aberwitzig, die Qualität nicht immer, aber wenn es nur danach ginge, dürfte ja niemand je zu einem Zweitligaspiel gehen. Unbenommen davon ist das Erstaunlichste, wie englisch der Fußball immer noch daherkommt, trotz rund 50 Prozent ausländischer Profis und auch ohne das Kick-and-Rush der Vergangenheit: Die Intensität, die aufopferungsvolle, manchmal geradezu naive Begeisterung, das vergleichsweise verbreitete Einhalten der Fairplay-Regeln: Egal wo einer herkommt, er kann sich den ungeschrieben Gesetzen des Inselspiels nicht entziehen. 

Wie gut sie integriert, zeigt wie attraktiv eine Kultur ist, das ist im Amerika der Einwanderungsepoche nicht anders als im englischen Fußball. Natürlich hat dieser auch seine Probleme, die teilweise dubiosen Klubbesitzer, die hohen Eintrittspreise, die Affären um die Nationalelf. Aber das betrifft eher die Rahmenbedingungen. Der Kern des Produkts hat sich von so manchem Zynismus drumherum erfreulich wenig anstecken lassen. Was auf dem Platz passiert, wirkt immer noch authentisch: ein Spiel, ein Kampf - Fußball.

Publikum gehört untrennbar zum Spiel

Das hat auch viel mit den Zuschauern zu tun. Das Publikum ist fachkundig und wohlwollend, es beklatscht Aktionen, nicht nur Tore, es belohnt das Bemühen, es stimuliert zum Einsatz. In dieser Atmosphäre der permanenten Wechselwirkung zwischen seinem eigenen Beitrag und der Reaktion auf den Tribünen kann ein Spieler fast nicht anders, als das letzte aus sich heraus holen. Alles, was die Fans machen, bezieht sich auf das Spiel. Damit beeinflussen sie das Spiel. Es ist das Gegenteil der auf dem Kontinent verbreiteten Ultra-Kultur, wo sich die Performance auf den Rängen vom Geschehen auf dem Rasen entkoppelt hat. Nicht umsonst hat die Ultra-Bewegung auf der Insel nie ansatzweise Fuß gefasst.

Anderswo mag bisweilen besser gespielt werden, aber nirgends wird der Fußball echter gelebt - und nirgends sieht er besser aus. Auch die Ästhetik der Inszenierung trägt zum globalen Erfolg der Premier League bei. Die engen Stadien mit den flachen Werbebanden und ohne Sicherheitsabgrenzungen produzieren ikonische Bilder und verstärken den Eindruck, dass das Publikum untrennbar zum Spiel gehört.

Premier League bietet Torspektakel

Nimmt man dazu noch den Vorteil, mit der Weltsprache Englisch leichter internationale Fans generieren zu können, ist es vielleicht nicht mehr ganz so verwunderlich, dass die Premier League künftig bis zu zwei Milliarden Euro pro Saison aus ihren TV-Rechten für In- und Ausland erlöst. Bei so einem steten Geldquell lassen sich auch schlechtere Konjunkturen im Europacup ganz gut überstehen. Zumal es da bald wieder besser ausschauen dürfte, etwa wenn zur nächsten Saison die Spitzentrainer Guardiola und Mourinho auf die Insel kommen; wofür sich die Anzeichen in den letzten Wochen verdichtet haben.

Viele Fans könnte darauf aber auch gut verzichten. Sie erfreuen sich vielmehr an der relativen Schwäche der Spitzenteams momentan. Die Spiele sind dadurch offener, umkämpfter, auch ein Aufsteiger kann den Tabellenführer schlagen, jede Mannschaft glaubt an ihre Chance. Der letzte, spektakulär torreiche Spieltag des Jahres 2012 war da ein ganz gutes Beispiel. Norwich City suchte gegen Meister Manchster City die offene Feldschlacht, am Ende hieß es 3:4. Das vermeintliche demütigend klare 7:3-Endergebnis von Arsenal gegen Newcastle verbirgt, dass es zwanzig Minuten vor Schluss noch 3:3 stand.

Keine Verschnaufpause im neuen Jahr

Am Neujahrstag geht es gleich weiter, bevor sogar die Premier League mal kurz Pause macht. Am ersten Januarwochenende steht die erste Hauptrunde im FA Cup, der in England aus Respekt vor der Tradition noch samstags und sonntags gespielt werden darf: Auch das ein Indiz dafür, dass im Inselfußball noch eine ganze Menge in Ordnung ist.

Quelle: FUSSBALL.DE

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