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Warum heißen die so? Heute: 1. FC Trafowerk Nürnberg

07.02.2012, 14:23 Uhr

Der 1. FC Trafowerk Nürnberg ist nach einer Gaststätte benannt. (Quelle:  1. FC Trafowerk)

Der 1. FC Trafowerk Nürnberg ist nach einer Gaststätte benannt. (Quelle: 1. FC Trafowerk)

Von Marc L. Merten

Es gibt sie quer durch Deutschland, in zahllosen Ligen – Vereine, bei denen man sich sofort fragt: Wieso heißen die so? Woher kommt der Name? FUSSBALL.DE stellt jetzt Klubs mit interessanten, kuriosen, ausgefallenen Namen vor. Heute, Teil 19: 1. FC Trafowerk Nürnberg, erste Mannschaft, A-Klasse Mittelfranken, Nürnberg/Frankenhöhe.

Wenn zwei Unternehmen fusionieren, stößt dies selten bei allen Beteiligten auf Begeisterung. Oft rotten sich die Enttäuschten dann zusammen, diskutieren, was wohl auf sie zukommt und suchen nach Auswegen. Das tun sie meist in geselliger Atmosphäre, gerne auch in der Stammkneipe einer der fusionierenden Firmen. Dort lassen sich bei Bier und herzhafter Verpflegung trefflich Pläne schmieden.

Fusion zweier Fußballklubs: Nicht mit uns!

So wie in der Gastwirtschaft "Zum Trafowerk" im Süden Nürnbergs. Seit den 1960er Jahren war die Kneipe der Treffpunkt der Mitarbeiter von MAN und Trafowerk (heute Siemens), deren Werke direkt auf der anderen Straßenseite lagen. Dort trafen sie sich nach getaner Arbeit, oft mehrfach in der Woche. Auch diejenigen, die in ihrer Freizeit Fußball spielten – mehrheitlich für die Fußballvereine aus der Umgebung, DJK Adler und Nürnberg Süd. Und weil nicht MAN und Trafowerk eine Fusion anstrebten, sondern die beiden Fußballklubs, war das Gesprächsthema klar: Was machen, wenn wir auf einen großen, gemeinsamen Klub keine Lust haben?

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"Da wollten mein Vater und seine Freunde nicht mitmachen", erzählt der heutige Vorstand Peter Tränkl. "Die waren ein eingeschworener Haufen aus dem damaligen Arbeiterviertel." 25 Abtrünnige waren es, die am 1. März 1968 in der Kneipe "Zum Trafowerk" beschlossen, dass es Zeit für einen neuen Fußballklub sei. Heraus kam der 1. FC Trafowerk Nürnberg, benannt nach der Kneipe, die auch direkt zum Vereinsheim ernannt wurde, und nach dem, was der Kneipe ihren Namen gegeben hatte und bei dem die Gründer ihr Brot verdienten, der Firma Trafowerk.

Eigener Sportplatz soll 70.000 Mark kosten

Heute erinnert allerdings nicht mehr viel an die Gründerzeit. Die Firma ist längst von Siemens übernommen worden. "Auch die Leuchtreklamen haben sie alle entfernt", erzählt Peter Tränkl etwas wehmütig. In der Kneipe ist der 1. FCT, der heute rund 160 Mitglieder zählt, ebenfalls nicht mehr. Schon 1971 suchten sich die Trafowerker eine neue Heimat und zogen ein paar Häuser weiter in die Eckkneipe "Zur Einkehr". "Dort konnten wir in einem Nebenzimmer eine Geschäftsstelle aufmachen", so Tränkl. 22 Jahre lang sollte das Lokal den Klub beherbergen.

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Einzig einen eigenen Sportplatz konnte sich der Klub nicht leisten. Mitbegründer Karl-Heinz Tränkl, Vater des heutigen Vorsitzenden und eine Legende im Verein, bekam einmal das Angebot, einen eigenen Platz für 70.000 Mark zu kaufen. Viel Geld, zu viel. Selbst die Kosten für die Trikots mussten sich die Kicker damals mit Sammelaktionen zusammensparen. An einen eigenen Sportplatz war da nicht zu denken. Das erste Spiel bestritt Trafowerk auf dem Schulsportplatz des Stadtteils Zerzabelshof, kurz Zabo, gegen die Betriebsmannschaft der MAN und gewann 2:0.

Gegner weigern sich beim 1. FCT anzutreten

In den nächsten Jahren wuchs der Klub stetig. Der Verein war Anlaufstelle für viele fußballbegeisterte Arbeiter, aber auch für deren Familien. Bald konnten auch Jugendmannschaften gemeldet werden. "Wir hatten unendlich viel Zulauf, viele Jungs kamen aus den sozialen Brennpunkten in unmittelbarer Umgebung", sagt Peter Tränkl. Bis in die 90er Jahre hinein hielt dieser Trend. Doch dann musste der Klub erneut umziehen.

"Der Platz, auf dem wir damals trainiert und gespielt haben, war irgendwann so schlecht, dass sich Gegner sogar geweigert haben, dort gegen uns zu spielen", berichtet Tränkl. Und so zog der Klub um. Erst mit dem Vereinsheim – der 1. FCT mietete ein Gebäude auf dem ehemaligen Trafowerk-Gelände an, das einst als Wohnheim für Pendler unter der Woche diente und später vom Arbeiter-Samariter-Bund genutzt worden war. Die sportliche Heimat fand der Verein 1999 auf dem geschichtsträchtigen Zeppelinfeld.

Von Albert Speer über Bob Dylan zur DTM

Hier spielte Bob Dylan 1978 vor 80.000 Zuschauern. Nebenan trägt der 1. FC Nürnberg seine Bundesliga-Spiele aus. Und rund um eine sagenumwobene Steintribüne findet noch heute jedes Jahr das "Rennen am Norisring" der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaften (DTM) statt. Jene Steintribüne ist das monumentale Zeugnis aus einer Zeit, in der die Nationalsozialisten in Deutschland ihre Nürnberger Reichsparteitage auf dem Zeppelinfeld abhielten.

Nazi-Architekt Albert Speer hatte diesen Ort einst auserkoren, um auf ihm ein Aufmarschgelände mit Tribünenanlagen zu bauen, mit der Zeppelin-Haupttribüne als dominierende Kulisse. Insgesamt bot das Areal Platz für bis zu 320.000 Menschen, davon 70.000 als Zuschauer auf den Tribünenanlagen. Die Tribünen wurden durch 34 Türme umrandet, von denen heute noch die Fundamente zu sehen sind. Und nebenan sollte das größte Stadion der Welt entstehen, ein Kolosseum für unglaubliche 405.000 Zuschauer.

Nazi-Tribüne "kannst du für Konditionseinheiten nutzen"

Wenn Trafowerk heute seine Heimspiele in der A-Klasse auf dem Sportplatz austrägt, den nach dem Krieg die US-Armee angelegt hatte, dann meist im kleinen Kreis. Das mag auch daran liegen, dass der Verein aktuell nur im Mittelfeld der Liga spielt. "Obwohl wir auch Spieler haben, die bereits in der Bezirksliga gespielt haben", ist Tränkl etwas enttäuscht. "Aber es hat auch Gründe, warum sie bei uns spielen wollen. Sie haben zwar einen guten Namen und können wirklich gut kicken, aber sie wollen sich eben nicht mehr so quälen."

Trotzdem: So ganz ohne Ehrgeiz geht es nicht. Mittelfristig will der 1. FCT wieder in der Kreisklasse ran. "Die Steintribüne kannst du gut für Konditionseinheiten nutzen", flachst Tränkl. Er will seinen Klub nicht einfach nur am Leben halten, sondern voran bringen. Das sei er seinem 1992 verstorbenen Vater schuldig. Auch deswegen, und als Erinnerung an die Gründung in der Kneipe "Zum Trafowerk" wird jährlich das "Karl-Heinz Tränkl Gedächtnisturnier" ausgespielt.

Ihr spielt in einem Verein mit einem ausgefallenen Namen? Oder ihr fragt euch schon lange, warum der Klub im Nachbarort so heißt, wie er heißt? Dann schreibt uns eine Mail mit dem betreffenden Verein an team@FUSSBALL.DE.

Quelle: FUSSBALL.DE

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