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Jürgen Milski: "Ein Kind muss in einen Verein, da lernt man so viel."[Foto: Martin Schwartz]
Jürgen Milski ist vielen besser bekannt als "Big Brother Jürgen". In der ersten Staffel der Reality Show sorgte der Kölner für Schlagzeilen und erreichte Platz zwei. Heute ist er als Entertainer und Sänger unterwegs. Was viele aber nicht wissen: Milski ist in dem Kölner Stadtteil Chorweiler in einem der Hochhäuser groß geworden, die heute ein sozialer Brennpunkt sind. Vor allem der Amateurfußball war für ihn damals wichtig zur Sozialisierung. Milski hat beim SC Weiler-Volkhoven mit dem Fußball begonnen.
Genau dort hat sich FUSSBALL.DE mit dem 62-Jährigen verabredet. Und plötzlich erscheinen am Platz auch Jürgen Milskis ehemaliger Mitspieler Thomas Eberhard und sein erster Trainer Peter Eberhard. Ein Gespräch über Gegenwart, Vergangenheit, Amateurfußball und Big Brother.
FUSSBALL.DE: Jürgen Milski, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um…
Jürgen Milski: … meine Güte, hier kommen ja direkt Erinnerungen hoch. Dort hinten in der Ecke habe ich mir das Bein gebrochen. Damals war das noch ein Aschenplatz. Heute sind das ja großartige Bedingungen hier. Ich war wirklich lange nicht mehr hier. Toll, was die Verantwortlichen geschafft haben.
Und das vermutlich alles dank ehrenamtlichen Einsatzes.
Milski: Das ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Der Amateurfußball lebt vom Ehrenamt. Das war schon zu meiner Zeit so. Und das ist auch heute noch so.
Sie haben hier mit dem Fußball angefangen.
Milski: Ich bin da drüber in den Hochhäusern groß geworden. Heute ist das eine ziemlich problematische Gegend mit viel Kriminalität. Damals war das noch nicht so schlimm. Wir waren die erste Familie, die dort eine Wohnung bezogen hat. Ich weiß noch ganz genau, dass es der zehnte Stock war. Ich bin sozusagen auf einer Baustelle aufgewachsen. Mein erstes Taschengeld habe ich damit verdient, dass ich die Pfandflaschen der Bauarbeiter gesammelt und eingelöst habe.
Und wie sind Sie zum Fußball gekommen?
Milski: Ich war schon immer fußballverrückt. Ich liebe diesen Sport, bis heute. Der Amateurfußball ist die Basis von allem. Ich weiß noch, dass ein guter Freund gesagt hat, dass er jetzt im Verein spielt und ich doch einfach mal mitkommen soll.
"0:12 im ersten Spiel, das war schrecklich - ich bin danach heulend nach Hause gefahren"
Und das sind Sie dann?
Milski: Klar, die Chance habe ich mir nicht entgehen lassen. Wir haben uns auf das Fahrrad geschwungen und sind hier rübergefahren. Der ursprüngliche Plan war, dass ich einfach mal zuschauen sollte. Aber dann hat der Trainer gesagt, dass ich gerne mittrainieren kann. Er hieß Peter Eberhard. Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen. Wissen Sie, was das Problem war?
Dass Sie nicht darauf vorbereitet waren…
Milski: Ich hatte bis dahin immer nur mit meinen Kumpels auf der Straße gekickt. Manchmal auch auf der Baustelle, auf der wir damals lebten. Und plötzlich kam ich hier zum Training. Ich wusste gar nicht, was abgeht. Zu allem Überfluss hat es an dem Tag auch noch geregnet, und es war ziemlich kalt.
Damit haben hunderttausende Amateurfußballerinnen und Amateurfußballer in dieser Jahreszeit ständig zu kämpfen.
Milski: Das ist auch gar nicht das Problem. Aber ich hatte weiße Gummistiefel an. Meine Sportschuhe hatte ich wegen des Wetters zuhause gelassen.
Und dann?
Milski: Habe ich eben mit den weißen Gummistiefeln mittrainiert. Ich wollte einfach Fußball spielen. Die Schuhe haben in diesem Moment keine Rolle für mich gespielt. Für mich gab es in diesem Alter immer nur Fußball. Alles andere war egal.
Wie war das erste Training?
Milski: Puh, das weiß ich nicht mehr. Aber ich bin sicher aufgefallen wegen meiner weißen Gummistiefel.
Auf einmal geht die Tür des Vereinsheims auf. Thomas Eberhard und Peter Eberhard kommen herein. Milskis ehemaliger Mitspieler und sein erster Trainer.
Milski: Das gibt es doch nicht. Was macht ihr denn hier?
Thomas Eberhard: Wir haben erfahren, dass du hier bist. Da ist es doch klar, dass wir vorbeikommen.
Milski: Wie schön, euch zu sehen. Peter, ich habe gerade die Geschichte erzählt, dass ich mein erstes Training bei dir in weißen Gummistiefeln absolviert habe. Weißt du das noch?
Peter Eberhard: Nein, das ist lange her. Aber ein verrückter Typ warst du schon immer. Es wundert mich daher nicht. Das hat sich ja bis heute nicht geändert.
Milski: Das erste Spiel, das ich im Trikot dieses Vereins absolviert habe, haben wir 0:12 verloren.
Peter Eberhard: Kann nicht sein.
Milski: Doch, vielleicht warst du nicht dabei. Ich weiß es noch ganz genau. Es war schrecklich. Ich bin danach heulend nach Hause gefahren. Aber meinen Eltern habe ich ganz stolz das Trikot von Weiler-Volkhoven gezeigt. Mein Vater ist dann später unser Betreuer geworden und hat sich um die Mannschaft gekümmert.
Thomas Eberhard: Dort drüben steht übrigens noch die Torjägerkanone, die dein Vater dem Verein zur Verfügung gestellt hat. Wir halten sie in Gedenken an ihn in Ehren.
Milski: In diesem Vereinsheim hat sich wirklich nicht viel verändert. Wir haben hier schon verdammt coole Zeiten erlebt. In diesen Räumlichkeiten haben wir einige ausschweifende Partys gefeiert. Zum Glück gab es damals noch kein Social Media. Das hätte für den einen oder anderen am nächsten Morgen ganz schön unangenehm werden können.
Lassen Sie uns von den Partys wieder zum Fußball kommen. Was waren Sie für ein Fußballer?
Milski: Ich konnte laufen ohne Ende. Mit der Kondition hatte ich nie ein Problem. Aber ich habe zu wenige Tore geschossen.
Peter Eberhard: Wir haben ihn deshalb dann in die Innenverteidigung gestellt. Da war er unglaublich stark. An Jürgen ist niemand vorbeigekommen.
Milski: Damals hieß die Position noch Vorstopper.
"Rückblickend war es wahrscheinlich so, dass mich die beiden Beinbrüche meine Profikarriere gekostet haben"
Sie wären fast sogar Profi geworden.
Milski: Das war mein Traum. Hat aber nicht funktioniert. Immerhin hatte ich es von Weiler-Volkhoven zum 1. FC Köln in die Nachwuchsabteilung geschafft. Aber beim FC habe ich mir leider zum zweiten Mal das Bein gebrochen, weil ich übermotiviert war und zu früh wieder angefangen habe. Später war ich dann bei Borussia Mönchengladbach im Probetraining. Ich kann mich noch gut an eine Szene mit Uli Borowka erinnern, dem ich mit einer Grätsche den Ball auf faire Art und Weise abgenommen habe. Er fand das gar nicht so witzig und hat dann zu mir gesagt: "Wenn du das noch mal machst, kannst du dir deine Schienbeinschoner auf den Rücken schnallen." Man darf nicht vergessen, dass ich ein junger Typ war, der von irgendeinem Vorstadtverein aus der Kreisliga in Köln kam. Ich glaube schon, dass ich talentiert war und hätte es schaffen können. Ich war auch bei Darmstadt 98 und beim 1. FC Kaiserslautern zum Probetraining. Alle wollten mich gerne verpflichten - aber immer nur für die zweite Mannschaft. Das habe ich abgelehnt. Rückblickend war es wahrscheinlich so, dass mich die beiden Beinbrüche meine Profikarriere gekostet haben. Ich bin danach leider nicht mehr richtig fit geworden.
Und was haben Sie dann gemacht?
Milski: Bin ich zurück zum SC Weiler-Volkhoven gegangen. Wir waren eine große Familie. Peter Eberhard war wie ein zweiter Vater für mich. Ich war dann später noch bei ein paar anderen Vereinen. Aber nirgendwo war es so schön wie hier.
Kann man sagen, dass Sie über den Amateurfußball sozialisiert worden sind? Oder ist das zu hoch gegriffen?
Milski: Überhaupt nicht. Genauso war es. Meiner Meinung nach gibt es für ein Kind oder einen Jugendlichen nichts Besseres als Mannschaftssport. Das kann natürlich gerne Fußball sein, oder Handball, Basketball oder was auch immer. Ein Kind muss in einen Verein. Da lernt man so viel: sich einzuordnen, sich durchzusetzen, man findet Freunde. Das war damals ganz wichtig für mich und meine Entwicklung. Die Zeit war prägend für mein ganzes Leben, bis heute. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre…
"Ein Kind muss in einen Verein"
Sie sind bekannt geworden durch Ihre Teilnahme an der ersten Staffel von Big Brother im Jahr 2000. Wie kam es dazu?
Milski: Lange Geschichte, wie viel Zeit haben wir?
Erzählen Sie mal.
Milski: Ich fasse mich kurz: Ich habe damals bei Ford gearbeitet. Und als ich eines Tages dort auf der Toilette saß, las ich in der BILD-Zeitung, dass demnächst Big Brother in Deutschland starten würde und ab sofort zehn Kandidatinnen und Kandidaten dafür gesucht würden. Ich habe mir nur gedacht: Wer ist so bekloppt und lässt sich dort drei Monate einsperren und dabei auch noch von unzähligen Kameras beobachten? Was war das denn für eine irre Geschichte? Und vor allem: Wen interessiert das? Wer schaut da zu?
Genau das Richtige für Sie?
Milski: Mich hat nur das Casting interessiert. Ich wollte erleben, wer da wirklich einziehen will. Also bin ich hingegangen und habe mir das angeschaut.
Am Ende waren Sie einer der zehn Kandidaten.
Milski: Ich habe mich mit genau einem Satz beworben, weil ich keine Ambitionen hatte. Ich habe einfach nur geschrieben: "Hiermit bewerbe ich mich für die erste Staffel von Big Brother." Dann habe ich noch ein Foto von mir dazu gelegt und das weggeschickt.
Und dann?
Milski: Kam ein Fragebogen, den ich ausfüllen sollte. Ich habe da nur Quatsch reingeschrieben. Eine Frage war, ob ich ein Instrument spiele? Ich habe geschrieben: "Ja, einen Kassettenrekorder." Eine andere war, was mein größtes Talent sei? Ich habe geantwortet: "Mein größtes Talent ist, dass ich kein Talent habe." Nur so einen Unfug habe ich da reingeschrieben.
Vielleicht war das am Ende ausschlaggebend für Sie.
Milski: Ja, wahrscheinlich sogar. Die haben gedacht: Der ist verrückt, den brauchen wir. Dann ging auf jeden Fall alles erst richtig los. Ich habe sieben Bewerbungsrunden durchlaufen. Und dann kam irgendwann der Anruf von der Produktionsfirma Endemol, dass ich dabei sei. Ich habe dann gesagt: "Vielen Dank, kein Interesse. Sucht euch einen anderen." Danach war Stille in der Leitung. Wahrscheinlich haben die gedacht, dass sie sich verhört hatten. Aber ich habe es wiederholt und aufgelegt. Endemol hat jedoch einfach keine Ruhe gegeben und immer wieder angerufen. Irgendwann habe ich dann zugesagt. Ich habe jedoch die Bedingung ausgehandelt, dass ich jederzeit aussteigen und wieder zu Ford gehen kann. Ich habe meinen Beruf geliebt und wollte den für Big Brother auf keinen Fall aufgeben.
Am Ende haben Sie Platz zwei belegt - und plötzlich kannte Sie ganz Deutschland.
Milski: Ich habe dann nach drei Monaten das Haus verlassen und wusste gar nicht, was abgeht. Menschen haben vor meinem Haus gezeltet. Ich bin am Tag nach meinem Auszug, nichts Schlimmes denkend, zum Bäcker gegangen. Es war schrecklich. Ich war plötzlich von Menschen umzingelt. Ich habe die Flucht ergriffen und bin nach Hause. Ein paar Tage später wollte ich mit meiner Tochter, die damals neun Jahre war, ins Freibad nach Frechen. Ich habe mir die Kappe tief ins Gesicht gezogen und eine Sonnenbrille aufgesetzt. Ich hatte erwartet, dass mich so niemand erkennt. Falsch gedacht. Wir hatten noch nicht unsere Decke auf der Wiese ausgelegt, da kamen die Menschen schon von allen Seiten angelaufen. Um die Situation zu beruhigen, hat der Bademeister unseren Bereich mit Flatterband abgesperrt.
Sehr unangenehm…
Milski: Es war schrecklich. Fehlte nur noch das Schild: "Bitte nicht füttern". Wir haben die Flucht ergriffen.
Mussten Sie sich also erst an das neue Leben als Berühmtheit gewöhnen?
Milski: Ja, aber das wollte ich gar nicht. Alle haben im Zusammenhang mit Big Brother immer vom TV-Knast berichtet. Ich habe das nicht so empfunden. Ich habe damals in einer Hochhaussiedlung gewohnt, im Container hatte ich auf einmal Platz und sogar einen Garten. Das war wie im Paradies für mich. Im Big-Brother-Haus habe ich mich deshalb überhaupt nicht eingesperrt gefühlt. Aber als ich wieder rauskam, da schon. Dieses neue Leben war krass. Ich konnte keinen Schritt mehr vor die Tür machen. Das war schrecklich. Meine Vorstellungskraft hat nicht dafür ausgereicht, um zu erfassen, was da wirklich passierte. Ich war plötzlich einer der bekanntesten Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ich hatte auf einmal einen persönlichen Sicherheitsmann, der Tag und Nacht an meiner Seite war. Die Hysterie war unglaublich.
"Ich bin kein Star, ich hasse diesen Ausdruck"
Und dann?
Milski: Hat mich RTL in deren Hauptquartiert zitiert und mir Werbeverträge mit adidas, Kinderschokolade und weiteren großen Firmen unter die Nase gehalten. Ich musste nur noch unterschreiben. Diese Unterschriften wären eine Million Mark wert gewesen. Ich war kein reicher Mann damals. Trotzdem habe ich alles abgelehnt und gesagt, dass sie die Verträge in den Müll schmeißen können. Ich wollte das Geld nicht. Ich wollte nur mein altes Leben wieder haben, meine Ruhe. Die Menschen sollten mich so schnell wie möglich wieder vergessen. Also bin ich am nächsten Tag wieder zu Ford arbeiten gegangen. Finanziell war es der größte Fehler meines Lebens, aber für mein Seelenleben war es das Beste, was ich machen konnte. Bei Ford war ich wieder einfach nur der Jürgen, der ich auch vorher gewesen war.
Viele andere sind wieder abgetaucht. Für Sie war es letztlich Ihr Sprungbrett zum Entertainer.
Milski: Eines vorweg: Ich bin kein Star, ich hasse diesen Ausdruck. Stars sind die Menschen, die zum Beispiel Medikamente gegen Krebs erfinden. Oder - um wieder zum Amateurfußball zu kommen - die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, um es den Kindern zu ermöglichen, hier groß zu werden.
Kann man rückblickend also sagen: Ende gut, alles gut?
Milski: Ja, das ist ein gutes Fazit. Ich bin glücklich, wie es gekommen ist. Ich liebe mein Leben, wie ich es heute leben kann. Ich bin dankbar dafür, wie alles gelaufen. Ich lebe heute zurückgezogen in Österreich und mache meine Jobs. Im Moment bin ich für den RTL-Spendenmarathon in Köln. Wie cool, dass wir uns hier auf der Anlage des SV Weiler-Volkhoven getroffen haben. Hier hat alles angefangen. Ich verfolge aus der Ferne, was mein Verein macht.
Peter Eberhard: Im Moment ist die erste Mannschaft oben dabei.
Thomas Eberhard: Vielleicht können wir in die Bezirksliga aufsteigen.
Peter Eberhard: Leider fallen unsere beiden besten Stürmer lange verletzt aus.
Milski: Kein Problem. Ich bin fit und kann spielen. Notfalls auch in weißen Gummistiefeln.
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