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Hamit D.: "Da habe ich die hohen Mauern und den Stacheldraht darauf nicht wahrgenommen."[Foto: privat]
Hamit D. hat wegen mehrerer Straftaten zweieinhalb Jahre seines Lebens in einer JVA verbracht. Seit zwei Monaten ist der 19-Jährige wieder in der Freiheit und lebt bei seiner Familie. Derzeit leidet Hamit noch an den Folgen eines gebrochenen Beins. Wenn er wieder fit ist, wird es eine seiner ersten Maßnahmen sein, sich einem Amateurfußballverein anzuschließen. Im anonymisierten FUSSBALL.DE-Interview erzählt Hamit, was in seinem Leben falsch gelaufen ist, wie die Zeit in Haft war und warum der Amateurfußball ihn jetzt dabei unterstützt, zurück ins Leben zu finden.
In Wirklichkeit heißt du nicht Hamit. Warum ist es dir wichtig, dass wir hier nicht deinen echten Namen verwenden?
Hamit D.: Ich habe in meinem Leben Fehler gemacht, auf die ich nicht stolz bin. Ich habe unschuldigen Menschen Schaden zugefügt und dafür im Gefängnis gesessen. Jetzt möchte ich nach vorne blicken und ein neues Leben beginnen.
Wie kann dir der Amateurfußball dabei helfen?
Hamit D.: Der Fußball oder auch andere Mannschaftssportarten sind super Möglichkeiten, um wieder in der Gesellschaft aufgenommen zu werden. Teamsport ist da einfach total wichtig. Diese Chance möchte ich unbedingt nutzen.
"Fußball ist eine super Möglichkeit, um wieder in der Gesellschaft aufgenommen zu werden"
Hast du vor deiner Inhaftierung auch schon Fußball gespielt?
Hamit D.: Ja, bei zwei unterschiedlichen Vereinen bis zur A-Jugend. Welche Spielklasse da war, weiß ich leider nicht mehr so genau. Aber es hat mir sehr geholfen, und die Gemeinschaft im Verein hat mir Halt in einer schweren Zeit gegeben. Viele von den Jungs, mit denen ich damals zusammengespielt habe, sind auch heute noch meine Freunde. Sie haben auch in den schweren Zeiten zu mir gehalten. Von denen ist niemand straftätig oder kriminell. Ich hoffe, dass ich mit einigen von denen bald wieder auf dem Platz stehen kann.
Wann willst du starten?
Hamit D.: Am liebsten so bald wie möglich. Aber im Moment leide ich noch unter Folgen eines Beinbruchs, den ich mir beim Sport in der JVA zugezogen habe. Wenn ich wieder richtig fit bin, will ich wieder einsteigen. Aber ich muss schauen, wie ich das alles zeitlich organisiert bekomme. Ich möchte auch meinen Schulabschluss nachholen und dann eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker beginnen.
Du hast zweieinhalb Jahre deines Lebens in einer JVA gebracht. Wie ist es dazu gekommen?
Hamit D.: Ich habe einige falsche Entscheidungen in meinem Leben getroffen und bin in einen Freundeskreis gerutscht, der für mich rückblickend nicht gut war. Ich habe viel Mist gebaut. Ich habe zum Beispiel Raubüberfälle begangen und auch Drogenhandel betrieben. Irgendwann bin ich erwischt worden. Weil ich bereits Bewährung hatte, musste ich ins Gefängnis.
Wie alt warst du da?
Hamit D.: Das war kurz vor meinem 17. Geburtstag. Heute bereue ich, was ich damals getan habe. Ich habe mich bei allen persönlich entschuldigt, denen ich geschadet habe. Die meisten haben meine Entschuldigung zum Glück angenommen.
"Ich habe die hohen Mauern und den Stacheldraht darauf nicht wahrgenommen, weil es einfach nur um Fußball ging"
Wie waren die zweieinhalb Jahre im Gefängnis?
Hamit D.: Am Anfang war es sehr hart. 23 Stunden des Tages habe ich ausschließlich in meiner Zelle verbracht. Ich habe alles dafür getan, um meinen Haftalltag zu verbessern. Später wurde es dann tatsächlich besser. Ich durfte dann auch häufiger meine Zelle verlassen. Vor allem die Sporteinheiten und speziell der Fußball haben mir sehr geholfen. Die Fußballzeit war für mich immer die beste Zeit der Woche. Da habe ich mich frei gefühlt. Da habe ich die hohen Mauern und den Stacheldraht darauf nicht wahrgenommen, weil es einfach nur um Fußball ging. Am Ende durfte ich dann auch in Begleitung einer Sozialarbeiterin zeitweise die Einrichtung verlassen, um während dieser Freigänge zum Beispiel zur Berufsberatung oder zu meiner Bewährungshelferin zu gehen. Ich hatte auch die Möglichkeit, meine Eltern draußen zu treffen und mit ihnen einen Kaffee trinken zu gehen. Einmal waren wir auch einkaufen. Wir haben im Gefängnis gemeinsam gekocht, und ich habe die Lebensmittel dafür besorgt. Wegen guter Führung wurde ich dann drei Monate vor meinem regulären Haftende entlassen.
In der JVA, in der du warst, gibt es dank der DFB-Stiftung Sepp Herberger auch eine sogenannte Sepp-Herberger-Wohngruppe, in der die Resozialisierung über den Fußball ermöglicht wird. Warst du da auch?
Hamit D.: Ja, da habe ich die letzten Monate meiner Haft verbracht. Das war sehr hilfreich und wichtig für mich, weil wir da auf die Rückkehr in den Alltag und unser Leben in der Freiheit vorbereitet wurden.
Wie war das Gefühl, als du nach zweieinhalb Jahren dann den ersten Schritt in die Freiheit gemacht hast?
Hamit D.: Unbeschreiblich. Da ist mir noch mal bewusst geworden, wie wichtig Freiheit ist und dass ich nie mehr Dinge machen werde, die ich getan habe. Ich will nie wieder ins Gefängnis. Als ich dann tatsächlich draußen war, habe ich das erst gar nicht realisieren können. Das hat ein paar Tage gedauert. Es sind Kleinigkeiten, die man dann erst mal wirklich zu schätzen weiß - zum Beispiel zu Hause im eigenen Bett zu schlafen. Ein unbeschreibliches Gefühl.
Was hast du mitgenommen aus der Zeit im Gefängnis?
Hamit D.: Unglaublich viel. Ich habe gelernt, dass ich nicht mehr so leichtgläubig anderen Menschen vertrauen darf. Im Gefängnis habe ich gemerkt, dass alles falsch war, was ich gemacht habe. Ich war jung und naiv. Das wurde ausgenutzt, und ich habe es mit mir machen lassen. Ich habe Fehler gemacht, die ich nie mehr machen möchte. Ich bin einmal in der Woche bei meiner Bewährungshelferin. Da reden wir über alles Mögliche. Das fühlt sich gut an. Außerdem habe ich noch Kontakt zum Sportkoordinator der JVA, dem ich viel zu verdanken habe. Er erkundigt sich immer wieder, wie es mir geht und was ich mache. Alle unterstützen mich super. Für mich ist ganz klar: Ich habe jetzt eine zweite Chance bekommen, die ich nutzen werde.
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