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"Aller guten Dinge sind drei": Westfalen-Oberligist 1. FC Gievenbeck.[Foto: 1. FC Gievenbeck]
Der 1. FC Gievenbeck hat den Drittligisten und Titelverteidiger SC Verl sensationell aus dem Westfalenpokal geworfen - mit 11:10 nach Elfmeterschießen. Auch in der Oberliga Westfalen mischen die Münsteraner ganz oben mit. Sportlicher Leiter in Gievenbeck ist der frühere Drittliga-Rekordspieler Jens Truckenbrod. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 46 Jahre alte Ex-Profi über den guten Saisonverlauf und seinen Sohn Damian.
FUSSBALL.DE: Im Westfalenpokal warf der 1. FC Gievenbeck den Drittligisten und Titelverteidiger SC Verl im Elfmeterschießen des Achtelfinales aus dem Wettbewerb. Wie sehr hat Sie diese Leistung überrascht, Herr Truckenbrod?
Jens Truckenbrod: Aller guten Dinge sind drei. (lacht) Nach zuvor zwei vergeblichen Versuchen haben wir uns diesmal gegen den Favoriten aus Verl durchgesetzt. Wir wussten, dass wir gute Chancen haben, weil der Gegner in der 3. Liga nicht optimal in die Saison gestartet war. Wir hatten einen Sahnetag und dazu auch das nötige Matchglück. Was unsere Jungs in dieser Spielzeit bislang abgezogen haben, ist überragend. Daran ändert auch die deutliche Niederlage im Punktspiel beim SC Verl II nichts.
Zuvor hatte Ihre Mannschaft auch schon den Regionalligisten Sportfreunde Lotte ausgeschaltet. Außerdem mischt das Team in der Oberliga Westfalen vorne mit. Warum läuft es in dieser Spielzeit sportlich so gut?
Truckenbrod: Wir haben den Kader zusammengehalten und in der Breite verstärkt, konnten die Spieler von unserem Weg überzeugen. Die Automatismen greifen. Wir haben ein junges, hungriges Team, das sich weiterentwickeln möchte. Unser Trainerteam arbeitet jeden Tag 24 Stunden für den Erfolg. Wir spielen erwachsener, ziehen in den richtigen Momenten auch mal ein taktisches Foul und ergeben uns nicht mehr so leicht bei Rückschlägen.
"DFB-Pokal? Wir träumen nicht, sondern bleiben realistisch"
Der Verein steht zum insgesamt vierten Mal im Viertelfinale. Der nächste Gegner ist der FC Gütersloh aus der Regionalliga West. Lebt der Traum von der erstmaligen Qualifikation für den DFB-Pokal in Gievenbeck?
Truckenbrod: Im Umfeld vielleicht. Aber wir träumen nicht, sondern bleiben realistisch. Wir werden aber wieder bis ans Limit gehen müssen, um im Wettbewerb zu bleiben. Aber klar, im Viertelfinale ist der Weg nicht mehr ganz so weit.
Wenige Tage nach der Pokalsensation ging es in der Meisterschaft gegen die zweite Mannschaft des SC Verl weiter. Wie schwierig war die Herangehensweise besonders im mentalen Bereich?
Truckenbrod: Die Partie beim SC Verl II war für uns das schwierigste Spiel. Das hat man dann auch auf dem Platz gesehen. Leider konnten wir gegen einen guten Gegner unser intensives Spiel nicht durchbringen. Über die letzten 20 Minuten müssen wir aber noch einmal sprechen, denn hier stelle ich mir schon etwas anderes vor.
Was kann man vom 1. FC Gievenbeck in dieser Spielzeit noch erwarten?
Truckenbrod: In der abgelaufenen Saison sind wir auf dem sechsten Rang gelandet, hatten aber 18 Punkte Rückstand auf Platz fünf. Wir wollen in dieser Spielzeit unter die besten fünf Mannschaften kommen. Dafür benötigen wir Konstanz und hohe Intensität. Wir müssen immer das Maximum abrufen. Sonst wird es schwierig, die Ziele zu erreichen.
Wäre der Verein für einen möglichen Aufstieg in die Regionalliga West gerüstet?
Truckenbrod: Wir müssten die Stadt mit ins Boot bekommen und einige Dinge erledigen, um den nächsten Schritt zu gehen. Wir haben kein regionalliga-taugliches Stadion. Ein Umzug ins große Preußenstadion ist aus finanzieller Sicht nicht umsetzbar. Der Verein ist sehr ehrgeizig, wird auf gar keinen Fall ins finanzielle Risiko gehen und Harakiri betreiben. Wenn wir nach der Winterpause noch oben dabei sind, werden wir alles dafür tun, damit die Spieler die Möglichkeit bekommen, sich eine Etage höher zu zeigen.
In der Oberliga Westfalen sind alleine vier Teams aus Münster am Start. Inwiefern erhöht das auch für den 1. FC Gievenbeck noch den Reiz?
Truckenbrod: Wir haben den Anspruch, als bestes Münsteraner Team ins Ziel zu kommen und wollen am Saisonende zumindest die inoffizielle Stadtmeisterschaft feiern.
Sie sind seit der zurückliegenden Saison Nachfolger von Carsten Becker, der beim FCG sechs Jahre Sportlicher Leiter war. Wie kam es zu diesem Engagement?
Truckenbrod: Carsten und ich kicken in der Traditionsmannschaft des SC Preußen Münster. Er hatte mich angesprochen und wollte, dass ich seinen Job genauso weiterführe. Mich hat die Aufgabe gereizt, weil ich ohnehin dem Fußball nach meiner aktiven Karriere treu bleiben wollte. Fußball ist meine Identität und Leidenschaft. In meiner neuen Funktion habe ich die Möglichkeit, etwas Nachhaltiges aufzubauen.
"Authentizität ist ein Wert, den ich lebe - nur so kann man erfolgreich sein"
Sie waren Rekordspieler in der 3. Liga, haben im Profifußball viele Höhen und Tiefen miterlebt. Wie wichtig ist diese Authentizität, um bei den Spielern anzukommen?
Truckenbrod: Authentizität ist ein Wert, den ich lebe - nur so kann man erfolgreich sein. Die Spieler würden es sofort merken, wenn ich ihnen etwas vorgaukeln würde. Die Spieler finden bei mir immer ein offenes Ohr, können jederzeit zu mir kommen.
Was waren Ihrer ersten Maßnahmen und worauf haben Sie in erster Linie Ihr Augenmerk gelegt?
Truckenbrod: Das Trainerduo und ich mussten einen fast komplett neuen Kader zusammenstellen. Es war ein Gemeinschaftsprojekt. Wir haben talentierte und hungrige Spieler gesucht, die das Bild der nächsten Jahre beim FCG gestalten sollen. Im zweiten Jahr wurde der Kader in der Breite verstärkt, einige etwas erfahrenere Spieler geholt, die in der Kabine und auf dem Platz die Hierarchie ausmachen.
Nach dem Abschied von Stefan Grädler sind Sie nun auch noch für die Bereiche Marketing und Sport verantwortlich. Wie ist die Aufgabenverteilung nun geregelt?
Truckenbrod: Ich bin im sportlichen Bereich für die erste und die zweite Mannschaft sowie für die U 19 verantwortlich. Dazu kommen die Bereiche Marketing und Sponsoring. Ich kümmere mich beispielsweise um die Organisation der Stadtmeisterschaft, bin im ständigen Austausch mit der Stadt. Der langjährige Fußball-Abteilungsleiter Christian Wielers ist die gute Seele im Verein. Roland Böckmann ist für die Bereiche Finanzen und Controlling zuständig. Carsten Becker ist Präsident des Gesamtvereins.
Stefan Grädler war beim Nachbarn SC Preußen Münster Trainer, Sie haben 157 Spiele für die Adlerträger absolviert. Welche Spuren hat Grädler beim 1. FC Gievenbeck hinterlassen?
Truckenbrod: Gerade im Bereich Sponsoring hat er den Verein in den zurückliegenden sieben Jahre auf ein anderes Level gebracht. Von seiner Arbeit partizipiere ich und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ich versuche, einige Sache zu verfeinern, will im Verein digital mit einem Liveticker und anderen kleineren Dingen auch neue Wege gehen.
Wie sehr würde Ihnen im weiteren Verlauf der Pokalsaison ein Duell mit Ihrem Ex-Verein SC Preußen gefallen?
Truckenbrod: Tatsächlich würden wir dann unser Spiel im Preußenstadion austragen. Ein mögliches Finale gegen den SC Preußen Münster wäre sensationell, würde für uns die Wahrscheinlichkeit auf eine Teilnahme am DFB-Pokal erhöhen - vorausgesetzt, der SCP landet in der 3. Liga am Ende unter den besten vier Mannschaften. Wir bleiben aber zunächst im Hier und Jetzt, sind heiß und freuen uns auf die kommenden Aufgaben.
Ihr Sohn Damian steht seit dieser Spielzeit im Oberligakader. Kann er in Ihre Fußstapfen als Profifußballer treten?
Truckenbrod: Ich möchte gerne, dass Damian seine eigenen Fußstapfen hinterlässt. Er hat in der Vorbereitung bereits angedeutet, wozu er fähig ist. Er kann für uns in der Offensive ein wertvoller Spieler werden. Ich glaube an ihn, habe viel Vertrauen in seine Fähigkeiten und wünsche mir, dass er einfach gesund bleibt.
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