Jannis Nikolaou vom SC St. Tönis: "Gefühl wie beim Pokalfinale"
Oberligist SC St. Tönis trifft im DFB-Pokal auf Eintracht Frankfurt. Mit FUSSBALL.DE spricht Ex-Profi Jannis Nikolaou über das Los und seine Pokalerlebnisse.
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Almir Porca: "Um so viele Tore zu erzielen, benötigt man zahlreiche gute Spieler im Kader."[Foto: Ahrweiler BC]
Almir Porca vom Ahrweiler BC hat nach 30 Einsätzen in der Rheinlandliga bereits 43 Treffer erzielt. Damit liegt er in der bundesweiten Wertung zur Torjägerkanone für alle in der 6. Liga auf Platz eins. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 29 Jahre alte Angreifer über Schichtdienst, den möglichen Aufstieg in die Oberliga, die Flutkatastrophe im Ahrtal und ein Kabinengespräch mit Anthony Modeste.
FUSSBALL.DE: Ihr Team führt die Tabelle an und hat mit 115 Treffern auch mit Abstand die meisten Tore in der Rheinlandliga erzielt. Wie sehr sind Sie vom Aufstieg in die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar überzeugt, Herr Porca?
Almir Porca: Wenn wir weiter unsere Hausaufgaben erledigen, werden wir es schaffen. Wir haben noch drei Spiele vor uns, müssen jetzt auch den letzten Schritt machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir unseren Vorsprung noch verspielen.
Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?
Porca: Um so viele Tore zu erzielen, benötigt man zahlreiche gute Spieler im Kader. Wir haben sowohl erfahrene als auch junge Kicker im Team, die alle sehr viel Qualität mitbringen. Außerdem sind wir von Verletzungspech verschont geblieben, konnten fast immer in Bestbesetzung auflaufen.
Als Sie aus Ihrer Heimat in Bosnien-Herzegowina 2017 nach Deutschland kamen, spielten Sie zunächst für den damaligen Regionalligisten TuS Koblenz, sind dann zum Ahrweiler BC und wieder zur TuS gewechselt. Warum?
Porca: Ich hatte zu Beginn erhebliche Sprachprobleme, konnte mich kaum verständigen. In meinem ersten halben Jahr bei der TuS Koblenz hatte ich mich außerdem verletzt und bin nach sechs Monaten zum Ahrweiler BC gewechselt, weil mir dort eine Ausbildung zum Maler und Lackierer vermittelt wurde. Nach dem Aufstieg mit Ahrweiler von der Bezirksliga in die Rheinlandliga wollte ich einen zweiten Versuch bei der TuS Koblenz unternehmen. Während der Corona-Pandemie verlor ich für neun Monate meinen Führerschein, konnte nicht täglich zum Training fahren. Daraufhin habe ich auf eigenen Wunsch meinen Vertrag aufgelöst. Inzwischen arbeite ich im Schichtdienst bei einem Getränkehersteller in der Sirup-Bearbeitung. In meiner Heimat Bosnien-Herzegowina habe ich Maschinentechniker gelernt. Ich bin also sehr vielseitig. (lacht)
"Früher habe ich mir darüber einen Kopf gemacht, habe über eine mögliche Krise oder andere Dinge nachgedacht"
In insgesamt 161 Partien in der Rheinlandliga für den Ahrweiler BC haben Sie nicht weniger als 185 Treffer erzielt. Mal ehrlich: Wie genervt sind Sie, wenn Sie leer ausgehen?
Porca: Für mich steht der mannschaftliche Erfolg immer im Mittelpunkt. Früher habe ich mir darüber einen Kopf gemacht, habe über eine mögliche Krise oder andere Dinge nachgedacht. Inzwischen gehe ich damit ganz gelassen um. Ich freue mich über jedes erzielte Tor. Wenn es aber nicht klappt, geht für mich auch keine Welt unter.
Gibt es bei Ihnen vor dem Spiel ein besonderes Ritual?
Porca: Ich bete immer, bevor ich den Platz betrete, möchte nach einem Spiel möglichst gesund zu meiner Familie fahren.
Die Torjägerkanone für alle gibt es bereits seit sieben Jahren. Warum werden Sie am Saisonende die Trophäe in den Händen halten?
Porca: Ich bin sehr abhängig von meinen Mitspielern, die mich sehr gut in Szene setzen. Wenn ich weiterhin so gut bedient werde und meine Trefferquote halte, kann ich es tatsächlich schaffen, bester Sechstliga-Torschütze in Deutschland zu werden.
Was würde Ihnen der Gewinn der Trophäe bedeuten?
Porca: Ich habe bereits mit 43 Treffern den Torrekord in der Rheinlandliga geknackt. Eine persönliche Auszeichnung wäre eine schöne Anerkennung für das, was man im Amateursport leistet.
Warum bekommen Ihre Gegenspieler Sie einfach nicht in den Griff?
Porca: Ich bin sehr ehrgeizig, möchte immer gewinnen, mache keine halben Sachen. In jedem Spiel möchte ich möglichst immer der Unterschiedsspieler sein und versuche immer, das Beste zu geben. Jeder Zuschauer, der zu uns kommt, soll mit einem guten Gefühl nach Hause fahren und sich sagen, dass es sich gelohnt hat, sich ein Spiel unserer Mannschaft anzuschauen.
Beim Ahrweiler BC wurden Sie für ein halbes Jahr von Ex-Profi Mike Wunderlich trainiert. Wie war die Zusammenarbeit und was konnten Sie von ihm lernen?
Porca: Mike hat uns die einfachen Dinge im Fußball nahegelegt. Er hat nichts Besonderes gemacht, keine Taktikreden geschwungen. Mike hat viel Respekt und Autorität versprüht. Jeder hat genau zugehört, wenn er was gesagt hat. Danach wussten wir, was wir zu tun hatten.
Welche persönlichen Ziele verfolgen Sie aufgrund Ihrer Torgefährlichkeit?
Porca: Ich bin mit Ahrweiler BC schon zweimal aufgestiegen, möchte es unbedingt ein drittes Mal schaffen. Grundsätzlich will ich immer das Maximale erreichen.
In Ihrer Laufbahn haben Sie schon einiges erlebt. Was war Ihr persönliches Highlight?
Porca: Ich hatte vor einigen Jahren bei der U 21 des 1. FC Köln ein Probetraining absolviert. In der Kabine saß ich plötzlich Anthony Modeste gegenüber, der damals aus China zurückkam und sich bei der zweiten Mannschaft fitmachen sollte. Ich hatte ein cooles Gespräch mit ihm. 2018 ist mir ein Traumtor gelungen, wurde anschließend ins ZDF-Sportstudio eingeladen. Ich durfte auf die Torwand schießen, habe aber leider keinen Treffer erzielt. Der Blick hinter den Kulissen war aber wirklich sehr interessant.
Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 war eine der verheerendsten Naturereignisse in Deutschland. Wie haben Sie damals diese Zeit erlebt?
Porca: Ich habe damals alles hautnah miterlebt. Während dieser Zeit sind wir mit dem Ahrweiler BC in die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar aufgestiegen. Unsere Platzanlage war komplett hinüber, wir mussten unsere Heimspiele auf einem fremden Sportplatz in der Umgebung ausgetragen. Die Zeit werde ich niemals vergessen.
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