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Tamsir Kane beim SV AKM Köln: "Für mich ist das wie eine zweite Familie."[Foto: SV AKM Köln/Collage FUSSBALL.DE]
Wenn Tamsir Kane einmal ins Rollen kommt, kennen seine Mitspieler des SV AKM Köln nur noch einen Namen für ihn: den "Kreisliga-Kane". Der 39-Jährige trifft zuverlässig, dirigiert das Spiel – und teilt sogar eine Gemeinsamkeit mit seinem berühmten Namensvetter vom FC Bayern: Auch er hat für sein Land gespielt. Doch während Harry Kane weltweit gefeiert wird, ackert Tamsir in der Kreisliga D und hat dort eine ganz eigene Erfolgsgeschichte geschrieben. FUSSBALL.DE stellt den Mann aus dem Senegal vor, der weit weg vom Profirummel sein persönliches Glück gefunden hat.
Tamsir Kane, 39, ist eigentlich ein Mensch, der gerne lacht. Doch an diesem Tag wirkt er etwas bedrückt. Eine hartnäckige Erkältung setzt ihm zu – Kopfschmerzen, Müdigkeit, Husten, das ganze Programm, wie man es in dieser Jahreszeit kennt. Und so bleibt ihm auch der Gang zum Training verwehrt. Kane spielt beim SV AKM Köln in der Kreisliga D, der untersten Spielklasse. Dort aber ist er alles andere als irgendein Spieler: Wenn er auf dem Platz steht, ist er immer torgefährlich. Seine Mitspieler nennen ihn augenzwinkernd den "Kreisliga-Kane" – in Anlehnung an den Torjäger des FC Bayern.
In dieser Saison allerdings stehen bis zur Winterpause erst sechs Treffer auf seinem Konto. Das liegt auch daran, dass der gebürtige Senegalese seine Rolle verändert hat. Kane agiert tiefer, lenkt und strukturiert das Spiel des D-Ligisten. Er zieht die Fäden im Mittelfeld, gibt die Richtung vor, bereitet Tore vor. Kurz: Er ist der Motor der Mannschaft.
Wie man ein Spiel ordnet, hat Kane früh gelernt. Schon als kleiner Junge kickte er stundenlang auf den Straßen seiner Heimat, und sein Talent brachte ihn weit. Sein erster Verein war der ASC Diaraf Dakar in der senegalesischen Hauptstadt. Für die U 20-Nationalmannschaft Senegals bestritt er fünf Länderspiele. Zwar blieb er ohne Tor, doch das schmälert seine Erinnerungen nicht im Geringsten. "Es war eine großartige Erfahrung. Ich habe als Kind davon geträumt, einmal für mein Land zu spielen. Diesen Traum habe ich mir erfüllt", sagt er.
Rund 20 Jahre ist das nun her. Als U 20-Nationalspieler wagte Kane den Sprung nach Europa und wechselte zum FC Madalena in die zweite portugiesische Liga. Es folgten weitere Stationen in Portugal und ein kurzer Abstecher in die Vereinigten Arabischen Emirate. 2015 schließlich landete er in Deutschland – ein Schritt, der sein Leben nachhaltig prägen sollte.
"Ich bin glücklich darüber, wie alles gekommen ist"
"Einer meiner besten Freunde wohnt in Wuppertal, und mir hat es hier schon immer gut gefallen. Deshalb war für mich klar, dass ich in Deutschland leben möchte." Kane absolvierte eine Ausbildung zum Krankenpfleger und arbeitet seitdem für die Caritas Köln. "Ich bin glücklich darüber, wie alles gekommen ist. Hier habe ich auch meine Frau kennengelernt. Unser Sohn ist jetzt neun Jahre alt."
Mit dem Fußball hatte er zwischendurch fast abgeschlossen. "Ich hatte einfach keinen Bock mehr", sagt er ehrlich. Doch dann kam sein Freund Mamadou-Mouhamadu M’Baye ins Spiel. "Er meinte: 'Komm doch einfach mal mit zum Training beim AKM Köln.' Erst wollte ich nicht, aber irgendwann stand ich dann doch auf dem Platz." Und seitdem ist die alte Leidenschaft zurück: "Wenn es irgendwie geht, bin ich immer dabei. Manchmal lässt mein Schichtdienst es nicht zu, aber ich versuche, alles möglich zu machen."
Mittlerweile ist er wieder so fußballverrückt, dass es sogar vorkommt, dass Kane nach einer erschöpfenden Nachtschicht direkt zur Sportanlage fährt, um bei einem Heimspiel auf dem Platz zu stehen. "Schlafen kann ich dann sowieso nicht", sagt er und lacht. "Dann kann ich auch zum Fußball gehen. Ich liebe es, Teil dieser Mannschaft zu sein. Die Verantwortlichen haben mich großartig aufgenommen. Für mich ist das wie eine zweite Familie – eine große Gemeinschaft, in der sich alle gegenseitig unterstützen."
Mit dieser "zweiten Familie" möchte der "Kreisliga-Kane" so schnell wie möglich aufsteigen. Doch nach der Hinrunde steht AKM Köln nur auf Rang fünf. "Noch ist alles drin. Wir hatten einige schlechte Spiele, die uns eine bessere Platzierung gekostet haben", sagt er. "Wenn wir in der Rückrunde konstanter auftreten, bin ich überzeugt, dass wir unser Ziel erreichen können."
Dafür muss auch der "Kreisliga-Kane" nochmals zulegen – und den einen oder anderen Treffer selbst beisteuern. Efendi Cözmez, Präsident und Geschäftsführer des SV AKM Köln, bringt es auf den Punkt: "Tamsir ist unser Kane. Ein Dirigent im Mittelfeld, mit Erfahrung aus dem Profifußball. Er sieht Räume, die andere nicht sehen, und spielt Bälle in die Tiefe, mit denen niemand rechnet." Dass er das auch bald wieder tun wird, scheint nur eine Frage der Zeit – nämlich bis seine Erkältung ausgestanden ist.
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