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"Das Verbindende und Einende": Fast jeder zweite Einwohner ist Mitglied des TSV Marktl.[Foto: TSV Marktl]
Der deutsche Papst und der Amateurfußball: Joseph Ratzinger war von 2005 bis 2013 der erste deutsche Pontifex seit 500 Jahren. Als Benedikt XVI. war er das Oberhaupt der katholischen Kirche. Aufgewachsen ist er in Marktl, einem Dorf in einem oberbayerischen Landkreis. Dort ist auch der TSV Marktl beheimatet - der eine starke Amateurfußballabteilung hat. Hat Benedikt auch dort seine Spuren hinterlassen? FUSSBALL.DE hat sich umgehört.
Der TSV Marktl ist ein besonderer Verein - und das in vielerlei Hinsicht. Seit über 100 Jahren organisieren die Verantwortlichen hier vielfältige Sportangebote. Besondere wie Stockschützen und Einradfahren, aber natürlich auch Fußball. Der TSV Marktl ist allerdings auch deshalb kein gewöhnlicher Sportverein, weil er aus einem ganz besonderen Ort kommt. Denn hier wurde Joseph Ratzinger geboren, der als Benedikt XVI. von 2005 bis 2013 der zweite deutsche Papst in der Geschichte der katholischen Kirche war. Wie verbunden war Papst Benedikt nach seiner Wahl zum Papst zu seinem Heimatort und dem dortigen Sportverein?
"Der Fußball lehrt ein faires Gegeneinander, bei dem die gemeinsame Regel in der Gegnerschaft das Verbindende und Einende bleibt"
Roland Stadler ist seit 1988 Vorsitzender des TSV Marktl. Seit fast 40 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich und investiert gerne viel Zeit und Leidenschaft, um den etwa 1200 Vereinsmitgliedern bestmögliche Bedingungen zu ermöglichen. "Wir haben 2023 unser 100-jähriges Bestehen gefeiert und sind stolz darauf, in Marktl eine wichtige Rolle für die Gemeinschaft einzunehmen", sagt Stadler. Der Ort hat derzeit etwa 2800 Einwohnerinnen und Einwohner. Das bedeutet, dass fast jeder Zweite Mitglied beim TSV Marktl ist.
Besonders der Fußball ist beim TSV Marktl stark repräsentiert. Damit möglichst viele Altersklassen besetzt sind, gibt es Spielgemeinschaften mit Nachbarorten. Die erste Mannschaft spielt als SG Marktl/Stammham in der A-Klasse. "Da sind wir im Moment gut aufgehoben", sagt Stadler. "Ein Aufstieg ist aktuell kein Thema. Vielmehr sind wir gerade damit beschäftigt, den Abstieg zu vermeiden. Aber ich bin zuversichtlich, dass uns das in der Rückrunde gelingen wird."
Bleibt immer noch die offene Frage, welche Beziehung Papst Benedikt zum TSV Marktl hatte? "Fußball verbindet die Menschen über alle Grenzen hinweg in derselben Seelenlage, in Hoffnungen, Ängsten, Leidenschaften und Freuden", hat er einmal gesagt: "Das zeigt, dass hier etwas Urmenschliches angesprochen sein muss. Aber worin liegt diese Macht eines Spiels begründet?"
Die Antwort gibt er selbst in dem Radiobeitrag "Zum Sonntag", der 1978 im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde, in dem er auch auf die Bedeutung des Fußballs für die Menschen eingeht: "Er lehrt ihn aber auch das disziplinierte Miteinander; als Mannschaftsspiel zwingt er zur Einordnung des Eigenen ins Ganze. Und er lehrt schließlich ein faires Gegeneinander, bei dem die gemeinsame Regel in der Gegnerschaft das Verbindende und Einende bleibt, und überdies die Freiheit des Spielerischen, wenn es mit rechten Dingen zugeht, die den Ernst des gespielten Gegeneinanders wieder in die Freiheit des beendigten Spiels auflöst. Im Zusehen identifizieren sich die Menschen, die Spieler werden zum Symbol des eigenen Lebens; das wirkt wieder auf sie zurück."
Was sich in den Worten des Papstes kompliziert anhört, bedeutet nichts anderes als: Fußball verbindet, Fußball macht Spaß, Fußball integriert und sozialisiert. So ist es auch beim TSV Marktl. "Für uns stehen die Gemeinschaft und die Freude am Sport an erster Stelle", sagt Stadler. "Wir sind ein reiner Amateurverein und machen das alle ehrenamtlich, weil es uns Spaß macht und weil uns der Zusammenhalt im Ort wichtig ist."
Am 11. September 2006 war der bekannteste Sohn des Ortes sogar noch einmal zu Gast in Marktl: Papst Benedikt schaute in seiner Heimat vorbei. Mit einem Hubschrauber landete er auf dem Fußballplatz. Von dort aus ging es in den Ortskern, wo auch sein Geburtshaus steht. Die Familie Ratzinger wohnte im ersten Stock des ehemaligen Amts- und Mauthauses, in dem sich damals die Polizeistation befand. Zu diesem Anlass vor fast genau 20 Jahren wurde auf dem Marktplatz eine 4,20 Meter hohe Benediktsäule aus Bronze eingeweiht, die an den berühmtesten Bürger des Ortes erinnert, der am 31. Dezember 2022 in Vatikanstadt verstarb.
"Über dieses Ereignis hinausgehend, hatten wir als Verein keinen Kontakt zu Joseph Ratzinger", sagt Stadler. "Allerdings profitierten wir von dem Hype, der bei der Papstwahl auch die bayerische Politik erfasste. An der Westseite unseres Sportgeländes entstand durch öffentliche Fördermittel ein großer Bus- und PKW-Parkplatz, der Sportheimbesuchern bei den zahlreichen größeren Events natürlich von großem Nutzen ist. Und natürlich ist der Papst auch darüberhinausgehend eine wichtige Persönlichkeit unseres Ortes."
Genauso, wie auch der TSV Marktl den Ort prägt. Und das seit mehr als 100 Jahren.
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