Familienbande|13.12.2017|10:00

Die Itters: Früher Möller, heute gegen Robben

Sportlich und privat: Gian-Luca Itter im Duell mit Arjen Robben (Foto links) sowie im familiären Kreis mit seinen Eltern und Bruder Ben-Jordi. Es fehlt Zwillingsbruder Davide-Jerome. [Foto: imago / Privat]

Es ist der 23. September 2017, als sich f ü r Gian-Luca Itter die Welt ver ä ndert. Der Jungprofi des VfL Wolfsburg darf unvermittelt die gro ß e Bundesliga-B ü hne betreten. Als ob das f ü r einen 18-J ä hrigen nicht schon aufregend genug w ä re, geht es ausgerechnet in M ü nchen gegen die Bayern und Weltstar Arjen Robben. Der Linksverteidiger besteht seine Feuertaufe beim 2:2 mit Bravour, auf der Trib ü ne der Allianz-Arena klatscht sein Vater begeistert. Es ist noch nicht so lange her, als Frank Itter selbst gekickt hat, allerdings nicht in einem der Tempel des deutschen Fu ß balls, sondern ein paar Klassen tiefer. Neue Folge unserer Serie Familienbande .

Alles beginnt beim hessischen FC Cleeberg. Bei dem kleinen Klub aus dem Taunus spielt schon Oswald Itter, Jahrgang 1938. Der Opa von Gian-Luca Itter, in den 50ern in der Junioren-Hessenauswahl am Ball, muss seine Karriere aber schon mit 18 wegen einer Meniskusverletzung beenden. Eine Generation später schließt sich Frank Itter dem FCC an, bleibt bis zur A-Jugend und wechselt dann zum sportlich stärkeren SV Nieder-Weisel im nicht weiten Butzbach. „Damals gab es ja noch keine U-19-Bundesliga, daher haben wir in der Landesliga Süd unter anderem auch gegen Eintracht Frankfurt mit Andy Möller gespielt“, erinnert er sich.

"Die Trennung als Familie ist uns natürlich schwer gefallen mit gerade einmal 16 Jahren"

Weitere Stationen sind der SC Waldgirmes, der VfR Lich, erneut Waldgirmes und die Usinger TSG, ehe Frank Itter seine aktive Karriere zunächst als Spielertrainer und dann wieder als Spieler beim FC Cleeberg in der Gruppenliga ausklingen lässt. „Beim letzten Spiel war ich schon über 40“, bemerkt er. Statt Profi zu werden – mit 19 fragt Kickers Offenbach an, aber Frank Itter will lieber bei seinen Kumpels bleiben – absolviert er eine Lehre als Bankkaufmann. Heute ist der 50 Jährige im Vertrieb einer großen Versicherung tätig – und zumindest am Wochenende ständig in Deutschland unterwegs.

Schließlich steht nach Gian-Luca auch dessen Zwillingsbruder Davide-Jerome Itter vor dem Sprung in den Profifußball. Wie sein Bruder spielt auch er beim VfL Wolfsburg, allerdings noch in der U 19. „Als Luca gegen die Bayern gespielt hat, sagte Davide sofort: Ich will auch!“, verrät Frank Itter. Er weiß, dass allerdings nur die wenigsten Talente den Sprung von der Junioren- in die Männer-Bundesliga schaffen. „Davide gehört dem Förderkader an, einer Mannschaft mit den besten Talenten der U23, U19 und U17“, erklärt Frank Itter. „Natürlich möchte auch er bald im Profiteam eingesetzt werden, und bei Luca hat man ja gesehen, wie schnell das gehen kann.“

Anfänge beim FC Cleeberg

U-19-Nationalspieler sind beide Itter-Zwillinge inzwischen, zuvor haben sie sämtliche Nachwuchsmannschaften des DFB durchlaufen. Nächstes Ziel der DFB-Talente ist die U 19-EM im Juli in Finnland. Für die Eltern ein Glücksfall, wenn die älteren Söhne wieder in einer Mannschaft spielen sollten, denn dann müssen sie sich nicht aufteilen. „Als Luca sein Debüt in München hatte, hat Davide in Braunschweig gespielt“, schildert Frank Itter die typischen Nöte von Fußballer-Eltern.

Früher war alles einfacher. Wie der Opa und der Papa fangen Gian-Luca und Davide-Jerome beim FC Cleeberg an, Fußball zu spielen, schon als Bambinis. Seit sie laufen können, ist der Ball immer dabei. Die Itters haben in Mönstadt bei Gießen ein großes Haus mit einem ausreichenden Grundstück für Jungs, die sich austoben wollen. In Cleeberg sind sie bald zu gut für ihre Mitspieler und Gegner, erst überspringen sie ein, zwei Jahrgänge, ehe sie im zarten zwölf Jahren zu Eintracht Frankfurt wechseln. „Dort sind sie von ihrer Position immer weiter nach hinten gezogen worden“, berichtet Frank Itter. „In Cleeberg haben beide noch weiter vorne gespielt, Luca links auf dem Flügel und Davide als Sechser oder Zehner, ehe sie in Frankfurt zu Außenverteidigern umgeschult wurden.“

Für die Jungs fängt nun das Fußballerleben so richtig an – und für die Eltern der Stress. „Das war natürlich ein erster Riesenschritt und mit großem Aufwand für uns verbunden. Vier- bis fünfmal in der Woche ging es zum Training und am Wochenende waren die Spiele, ab der U 15 in der Regionalliga Süd mit Fahrten bis nach Hoffenheim, München oder Freiburg“, sagt Frank Itter.

Fritz-Walter-Medaille in Gold

Frankfurt aber ist nur Zwischenstation der Zwillinge auf dem Weg in den Profifußball. Im Januar 2015 verlassen Gian-Luca und Davide-Jerome die Heimat und ziehen nach Wolfsburg „Wir haben uns zuvor einige Nachwuchsleistungszentren angeschaut und waren alle gemeinsam von den Möglichkeiten in Wolfsburg überzeugt. Alles ist nah beieinander, die Schule nicht weit vom Trainingsgelände weg und die pädagogische Betreuung der Jugendspieler top. So ist uns der Abschied etwas leichter gefallen, denn wir wussten, dass sie gut aufgehoben sind, obwohl uns die Trennung als Familie natürlich sehr schwer gefallen ist, mit gerade einmal 16 Jahren“, sagt Frank Itter: „Einige Jungs kannten sie schon von der U-Nationalmannschaft, so dass sich die Zwillinge dort schnell gut eingelebt haben. Weil sie inzwischen dort ihren Freundeskreis haben, kommen sie auch nicht mehr an jedem freien Wochenende nach Hause. Sie wohnen auch nicht mehr im Fußball-Internat, sondern haben zusammen mit einem Teamkollegen eine Wohnung.“

In Wolfsburg startet vor allem Gian-Luca richtig durch. Zunächst werden die Itter-Jungs mit der U 17 des VfL Deutscher Meister, Gian-Luca erhält 2016 die Fritz-Walter Medaille in Gold und im Januar dieses Jahres liegen für beide Profiverträge bereit. Etwas mehr als ein halbes Jahr später ist Gian-Luca ganz oben angekommen, inzwischen stehen für den Linksverteidiger vier Partien in der Bundesliga zu Buche. Für Davide, hinten rechts zu Hause, dürfte es nach dem Übergang von der Jugend zu den Senioren im nächsten Sommer wohl zunächst in der U 23 der „Wölfe“ in der Regionalliga weiter gehen.
Einen kleinen, großen Fan wissen die Zwillinge zu Hause hinter sich. Der achtjährige Ben-Jordi ist selbstverständlich schon im Verein – beim FC Cleeberg. Einer der Betreuer seiner Mannschaft heißt: Frank Itter, der Mann mit dem Faible für ungewöhnliche Vornamen. „Alle haben natürlich einen Bezug zum Fußball: Gian-Luca wegen Gianluca Vialli, den fand ich früher immer gut“, verrät Frank Itter. „Davide-Jerome wegen David Trezeguet und Ben-Jordi wegen Jordi Cruyff.“

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