Daniel Didavi: "Der Amateurfußball ist einfach eine geile Welt"
Daniel Didavi (r.): "Ich kann den Jungs etwas mitgeben, sie profitieren von meiner Erfahrung."[Foto: imago]
Daniel Didavi galt einst als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Der Mittelfeldspieler bestritt zahlreiche Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart und den VfL Wolfsburg und lief für die deutsche U 21‑Nationalmannschaft auf. Wiederkehrende Verletzungen warfen ihn jedoch immer wieder zurück. Inzwischen ist Didavi zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: Er arbeitet als spielender Co‑Trainer beim Kreisligisten TSV Harthausen im Württembergischen Fußballverband.
Im FUSSBALL.DE‑Interview spricht der 35 Jahre alte Didavi über die Faszination Amateurfußball, die Herausforderung, vom Profi zum Hobbyspieler zu werden, und seine bewegte Karriere.
FUSSBALL.DE: Daniel Didavi, Sie sind vor rund anderthalb Jahren als Spieler in den Amateurfußball zum TSV Harthausen gewechselt. Warum?
Daniel Didavi: Zwei Gründe waren entscheidend: Erstens hat mich ein Kumpel überredet, es einfach mal auszuprobieren. Und zweitens war mein Vater fast sein ganzes Leben als Amateurtrainer aktiv. Ich habe immer gesagt, dass ich nach meiner Karriere wieder dahin zurück will. Einfach kicken, ohne Druck, nur aus Freude am Spiel - das war meine Motivation.
Und, hat das funktioniert?
Didavi: Genau das war mein Problem. Ich kann nicht einfach nur zum Spaß Fußball spielen, auch nicht in der Kreisliga. Sobald ich auf dem Platz stehe, will ich gewinnen. Der Ehrgeiz schlägt sofort durch. Im Training war das entspannt, aber im Wettkampf wurde es schwierig, nicht zu überdrehen.
Auch in der Kreisliga?
Didavi: Ja, auch dort. Ich wurde unzufrieden, hatte zu hohe Erwartungen an meine Mitspieler und habe sie manchmal angemault. Das war unfair, weil sie ihr Bestes gegeben haben. Aber ich konnte nicht aus meiner Haut. Mein Verhalten passte nicht - das habe ich schnell gemerkt.
"Einfach kicken, ohne Druck, nur aus Freude am Spiel - das war meine Motivation"
Das haben Sie selbst reflektiert?
Didavi: Klar. Ich weiß, dass ich extrem gewinnen will - verlieren geht für mich gar nicht. Ich wollte in der Kreisliga zeigen, dass ich immer noch der Bundesligaspieler bin. Das war zu viel. Außerdem haben die Gegner mich ebenfalls als den Ex‑Profi wahrgenommen und wollten mir zeigen, wie Kreisliga funktioniert. Manchmal ist das zu weit gegangen. Deshalb habe ich entschieden, nicht mehr zu spielen.
Heute gehören Sie zum Trainerteam. Dabei haben Sie immer gesagt, Trainer werden Sie nie.
Didavi: Stimmt! Aber der Amateurfußball ist einfach eine geile Welt. Ich habe schnell gemerkt, wie viel Spaß mir das macht. Mittlerweile bin ich viel mehr Trainer als Spieler beim TSV Harthausen. Vielleicht spiele ich noch mal, aber geplant ist das nicht.
Wie fühlt es sich an, als Trainer zu arbeiten?
Didavi: Richtig gut. Ich kann den Jungs etwas mitgeben, und ich glaube, sie profitieren von meiner Erfahrung. Das macht mich glücklich. Das ist für mich sonntags echter Fußball - eine komplett andere Welt als der Profibereich, in dem ich viele Jahre unterwegs war.
"Das ist für mich sonntags echter Fußball - eine komplett andere Welt als der Profibereich"
Wie ist das Niveau in der Kreisliga?
Didavi: Absolut in Ordnung. Viele Profis denken - ich früher bestimmt auch -, dass alles unter Landesliga kein richtiger Fußball mehr ist. Das ist Quatsch. Da wird gut gespielt, mit unglaublicher Leidenschaft. Das beeindruckt mich.
Wie sieht das beim TSV Harthausen aus?
Didavi: Wir haben fünf bis zehn Spieler, die früher richtig ambitioniert waren. Viele haben sich aber für Schule oder Beruf entschieden und im Amateurfußball ihr Glück gefunden. Es muss nicht immer Bundesliga sein.
Wie würden Sie Ihren eigenen Weg beschreiben?
Didavi: Steinig, mit vielen Rückschlägen. Ich habe viel erreicht, aber eben nicht 500 Bundesligaspiele oder ein A‑Länderspiel. Verletzungen haben mich immer wieder zurückgeworfen. Das war mental hart.
Trotzdem war es eine beeindruckende Karriere.
Didavi: Auf jeden Fall. Ich habe Bundesliga gespielt, Europapokal erlebt, das U 21‑Trikot getragen - darauf bin ich stolz. Dennoch wäre mehr möglich gewesen. Ich habe mein Talent sicher nicht komplett ausgeschöpft, teils aus eigener Schuld, teils wegen Verletzungen. Ich war nah dran am A‑Nationalteam - dann hat mein Körper nicht mitgemacht. Es gab großartige Zeiten und richtig beschissene. Dann war die Karriere vorbei. Aber mein Leben ging weiter.
Nach der Karriere waren Sie erst einmal weg.
Didavi: Ja, ich bin zwei Jahre komplett abgetaucht. Ich wollte nicht mehr im Rampenlicht stehen, sondern einfach ich selbst sein. Es war eine richtig gute Zeit. Aber plötzlich war ich nicht mehr "der Bundesligaspieler Didavi". Da fragen dich die Leute: Was kannst du eigentlich? Ich wollte nie auf meine Karriere reduziert werden. Viel kann ich vielleicht nicht - aber Fußball kann ich. Deshalb bringe ich mich jetzt mit großer Freude im Amateurfußball ein. Das erfüllt mich. Ich bin dahin zurückgekehrt, wo alles begann: auf den Bolzplatz mit meinen Freunden.
Der Amateurfußball lebt vom Ehrenamt.
Didavi: Absolut. Ehrenamt und Amateurfußball sind die Basis für alles. Zum Glück engagieren sich viele Menschen - aber es werden weniger, und das ist schade. Ich merke gerade selbst, wie viel Spaß das Engagement bringt. Es gibt kein Geld, aber unglaublich viel Dankbarkeit. Wir haben in Deutschland im Amateurbereich fantastische Voraussetzungen. Das gibt es nicht in vielen anderen Ländern. Darauf können wir stolz sein. Unser Amateurfußball ist einmalig.