Magazin | 13.03.2026 | 08:45

Alica Kanbach: B+ Lizenz mit Kleinkind

"Mir war klar, dass ich auf jeden Fall im Fußball bleiben will": Ex-Zweitligaspielerin Alica Kanbach.[Foto: IMAGO]

Fußball begleitet Alica Kanbach seit ihrer Kindheit: Bereits mit neun Jahren stand sie in ihrer hessischen Heimat für den RSV Büblingshausen auf dem Platz, später lief sie in der 2. Frauen-Bundesliga für den FSV Wetzlar auf. Mit Mitte 20 musste sie ihre aktive Spielerinnenlaufbahn aufgrund von zahlreichen Knieverletzungen allerdings beenden. "Spätestens nach dem dritten Kreuzbandriss wusste ich, dass es für mich auf dem Platz nicht mehr weitergeht", sagt sie. "Für mich war aber schon damals klar, dass ich auf jeden Fall im Fußball bleiben will."

Die einstige Defensivspezialistin entschied sich, an die Seitenlinie zu wechseln, und absolvierte die B-Lizenz-Ausbildung des DFB. "Danach wollte ich sofort mit der B+ Lizenz weitermachen, wo der Fokus auf der Förderung von jungen Spielern liegt. "Ich bin Lehrerin, deshalb wollte ich auch auf dem Trainingsplatz gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten", sagt Kanbach. "Allerdings hat die Corona-Pandemie mein Vorhaben zunächst ausgebremst." Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Sechs Jahre später absolviert die inzwischen 31-Jährige den B+ Lizenz-Lehrgang.

"Letztlich ist das positiver Stress und hat dazu geführt, dass wir als kleine Familie noch mehr zusammengewachsen sind"

Das Besondere: Kanbach ist mittlerweile Mutter eines wenige Monate alten Babys. "Da ich meine Tochter stille, habe ich im Vorfeld Kontakt mit der DFB-Bildungsmanagerin Manuela Weil und Ausbilderin Romina Konrad aufgenommen", so Kanbach. "Ich hatte Respekt davor, ob das alles unkompliziert klappt - so ein kleiner Mensch hat schließlich seinen eigenen Kopf und macht gerne mal, was er will. Aber Romina und Manuela waren super verständnisvoll und haben mir sofort zugesichert, dass wir das auf jeden Fall hinbekommen."

Gesagt, getan: Wenige Wochen später startete die einstige Abwehrspielerin den B+ Lizenz-Lehrgang. "Ich bin gleich bei der ersten Präsenzveranstaltung gegenüber den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ganz offen damit umgegangen", sagt sie. "Nicht, weil ich eine Sonderbehandlung haben wollte, sondern nur, damit alle Bescheid wissen. Die Reaktionen waren durchgehend positiv."

"Müttern zeigen, was alles möglich ist"

Kanbach betont aber auch: Ohne die Unterstützung ihres Partners wäre die Teilnahme am Lehrgang nur schwer vorstellbar. "Mein Freund begleitet mich und passt zum Beispiel während der Seminare auf unsere Tochter auf. Die Pausen nutze ich dann, um sie zu stillen und zu schauen, wo ich ihm zur Seite stehen kann. Auch meine Mutter war schon dabei. Dafür bin ich dankbar."

Die Belastung sei dennoch extrem hoch, wie Kanbach hinzufügt: "Die Abendveranstaltungen gehen bis 18.30 Uhr, danach geht man noch in die Gruppenarbeiten als Vorbereitung für den nächsten Tag - und nachts kommt man auch nicht wirklich zur Ruhe, weil das Baby einen wachhält. Das sollte man im Vorfeld wissen. Ich möchte aber trotzdem anderen Müttern Mut machen und zeigen, was alles möglich ist. Letztlich ist das positiver Stress und hat dazu geführt, dass wir als kleine Familie noch mehr zusammengewachsen sind."