Aktionen | Magazin | 15.05.2026 | 09:40

AdJ-Kandidatin Tina Degenhardt und die unerwartete Fußballliebe

Tina Degenhardt: "Ich musste lernen, Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen."[Foto: DFB/dpa Picture-Alliance]

Zum zehnten Mal sucht FUSSBALL.DE die "Amateure des Jahres". Im Mittelpunkt stehen nicht nur sportliche Erfolge, sondern Menschen, die sich mit außergewöhnlichem Engagement auf und neben dem Platz einbringen. Am 21. Mai startet die Votingphase, dann wählen eine hochkarätige Jury und die FUSSBALL.DE-Community die Amateurfußballerin und den Amateurfußballer des Jahres. FUSSBALL.DE stellt die fünf Kandidatinnen und Kandidaten vor, die es in diesem Jahr in die finale Auswahl geschafft haben.

Für Tina Degenhardt kam die Liebe zum Fußball unerwartet. Vor etwa fünf Jahren, damals 31 Jahre alt, schnürte sie zum ersten Mal die Fußballschuhe. Ihre Schwägerin hatte sie überzeugt beim neu gegründeten Frauenteam des FSV Waltershausen ins Training reinzuschnuppern. Heute ist sie in ihrem Verein im Landkreis Gotha in Thüringen nicht mehr wegzudenken: Sie spielt, trainiert, greift bei Bedarf zur Schiri‑Pfeife und packt überall dort an, wo Hilfe gebraucht wird.

"Es war nie ein Kindheitstraum von mir"

Über ihre spät entdeckte Liebe zum Fußball sagt Tina: "Es war nie ein Kindheitstraum von mir." Doch der Sport zog sie schnell in seinen Bann. Auch wenn der Start für das neu gegründete Team schwierig war und sie zahlreiche Niederlagen hinnehmen mussten, machten sie weiter. Mit einer großen Portion Willenskraft schafften sie im vergangenen Jahr schließlich den Sprung vom Tabellenletzten der Kreisoberliga in die Thüringenliga. "Mit der Zeit kamen Struktur, Erfahrung und Selbstvertrauen dazu", sagt Tina über die Entwicklung der Mannschaft. "Und Schritt für Schritt wurde aus einem Underdog‑Team eine Aufstiegsmannschaft."

Neben dem Kicken begann Tina nach und nach weitere Aufgaben beim FSV Waltershausen zu übernehmen. So steht die 36-Jährige auch mal als Schiedsrichterin auf dem Platz, wenn es an Unparteiischen mangelt. Inspiriert von ihrer fußballbegeisterten Tochter gründete Tina zudem eine C‑Juniorinnen-Mannschaft. "Viele unserer Mädels hatten vorher kaum Berührungspunkte mit Fußball", erzählt die Trainerin und ergänzt: "Heute stehen sie mutig auf dem Platz, übernehmen Verantwortung und wachsen als Team zusammen." Um die jungen Spielerinnen bestmöglich zu unterstützen und sich als Trainerin weiterzuentwickeln, startete sie im Januar ihre DFB-Basiscoach-Ausbildung.

"Ich musste lernen, mehr auf meinen Körper zu hören"

Doch die letzten Jahre verlangten ihr gesundheitlich einiges ab. Eine plötzliche Diabetes-Diagnose stellte die Thüringerin vor unbekannte Herausforderungen. "Ich musste lernen, mehr auf meinen Körper zu hören und Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen", erzählt sie. Besonders beim Sport. Es folgte ein Schlüsselbeinbruch, der sie zusätzlich einschränkte, aber gleichzeitig darin bestärkte, den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

Mit ihrem Engagement möchte Tina den Mädchen langfristig Perspektiven im Fußball bieten und den Mädchenfußball im Verein stärken. Ihr Trainer Christoph Hill sagt über sie: "Tina Degenhardt zeichnet sich als Amateurin durch ihre stets positive Ausstrahlung und ihren ausgeprägten Ehrgeiz aus, mit dem sie das Team immer wieder mitreißt." Tina ist der Beweis, dass es nie zu spät ist, seine Leidenschaft zu entdecken - und damit eine inspirierende Kandidatin für den Titel "Amateurin des Jahres".