Edith Donwen bei der SG Ruwertal: "Für den Verein wie ein Lottogewinn"
"Sie hat Generationen begleitet": Edith Donwen bei der SG Ruwertal. [Foto: Andreas Arens]
Rund viereinhalb Jahrzehnte war sie unermüdlich für ihre SG Ruwertal im Einsatz: Edith Donwen schmiss den Imbiss, wusch, putzte, hatte für alle auf und um den Sportplatz ein offenes Ohr. Vor kurzem wurde sie 91 und noch immer ist sie nah dran am Geschehen.
Im Ruwertal ist sie weit mehr als nur eine langjährige Helferin. Für viele Vereinsmitglieder ist sie eine Institution – jemand, der über Generationen hinweg immer da war, wenn Hilfe gebraucht wurde.
"Dann habe ich es halt gemacht – dem Verein zuliebe"
Dabei begann alles vergleichsweise unspektakulär. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Paul, der 2016 verstarb, besuchte sie Anfang der 1980er-Jahre regelmäßig die Spiele der SG Ruwertal. Fußball war für sie allerdings schon lange vorher ein wichtiger Teil des Lebens. Bereits als junges Mädchen begleitete sie ihren Vater zu Spielen in der Region.
Aus der Zuschauerrolle wurde jedoch schnell mehr. "Karl-Heinz Schmitz aus dem Vorstand kam irgendwann zu mir und meinte: 'Du könntest doch sonntags mal eine Flasche Bier verkaufen'", erinnert sich Donwen. Zunächst habe sie gezögert: "Ich habe gesagt: Ich habe so was doch noch nie gemacht." Lange Widerstand leisten konnte sie aber nicht. "Dann habe ich es halt gemacht – dem Verein zuliebe."
Damit begann eine außergewöhnliche Ehrenamtsgeschichte. Über Jahrzehnte hinweg war Donwen aus dem Vereinsalltag nicht mehr wegzudenken. Von 1984 bis 2010 kümmerte sie sich um die Trikotwäsche der Seniorenmannschaften, reinigte gemeinsam mit ihrem Mann die Clubräume und stand von 1990 bis 2016 fast bei jedem Spiel hinter der Theke.
Später verlagerte sich ihr Engagement verstärkt auf den Jugendbereich. Bis Mitte vergangenen Jahres übernahm sie dort regelmäßig die Bewirtung bei Spielen der Kinder- und Jugendteams. Selbst heute hilft sie noch gelegentlich aus und unterstützt den Verein weiterhin mit Kuchenspenden.
"Sie hat Generationen begleitet"
"Sie war immer da – und absolut zuverlässig", sagt der frühere Vorsitzende Harald Herres, der bis heute dem Vorstand angehört und die E-II-Junioren des Vereins trainiert. "Solche Menschen findet man heutzutage kaum noch." Auch Präsidiumsmitglied Daniel Schell betont die Bedeutung Donwens für den rund 500 Mitglieder zählenden Verein: "Sie hat Generationen begleitet – von der Jugend bis zu den Alten Herren. Erst seit sie kürzertritt, merkt man wirklich, wie viel Arbeit sie übernommen hat."
Besonders in Erinnerung geblieben sind vielen ihre selbstgemachten Frikadellen. Das Rezept verrät Edith Donwen bis heute nur ansatzweise. "Drei Brötchen auf drei Kilo Gehacktes", sagt sie lachend. Eine Geschichte erzählt sie dabei besonders gern: Ein Besucher habe sie einmal gefragt, ob Zwiebeln enthalten seien. "Ich habe gesagt: 'Um Gottes Willen, bei den Kindern doch nicht.'" Der Mann sei begeistert gewesen und habe direkt noch eine Frikadelle bestellt. "Dabei waren reichlich Zwiebeln drin", erzählt sie schmunzelnd.
Doch nicht nur ihre Küche machte Edith Donwen im Verein so beliebt. Sie lebte die SG Ruwertal mit voller Leidenschaft. Ganze Wochenenden verbrachte sie auf den Sportplätzen, bereitete Essen vor, organisierte Abläufe und feuerte die Mannschaften lautstark an. "Das hat man bis auf den Platz gehört", erinnert sich Spieler und Präsidiumsmitglied Max Tyrell. "Und es hat den Jungs gutgetan." Für ihn steht fest: "Menschen wie Edith sind für einen Verein wie ein Lottogewinn."
Auch abseits der Spieltage packte sie überall mit an. Trainingslager begleitete sie mit selbstgekochten Mahlzeiten, bereitete Rindfleischsuppe und Salate zu, abends wurde meist gegrillt. Jedes Jahr backte sie rund 100 Kuchen für Vereinsveranstaltungen. Für die Trikots schaffte sie sich sogar eigens eine zweite Waschmaschine und eine Mangel an.
Unterstützt wurde sie dabei auch von ihrer Familie. Ehemann Paul half anfangs noch regelmäßig mit, musste später aber aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. Dafür sprangen die beiden Söhne Werner und Wolfgang ein. "Werner hat mir immer alles hingestellt, Wolfgang hat Thekendienst gemacht", erzählt Edith Donwen.
Für ihr jahrzehntelanges Engagement wurde sie bereits 2014 mit dem Ehrenbrief des Fußballverbandes Rheinland ausgezeichnet. Vor Kurzem folgte eine weitere besondere Ehrung: Im Rahmen eines Bezirksligaspiels der Ruwertaler erhielt sie die DFB-Ehrenamtsuhr samt Urkunde, überreicht vom Kreisehrenamtsbeauftragten Wilbert Stoll. "Darauf war ich schon stolz", sagt sie. Eigentlich habe sie an diesem Tag sogar noch eine kleine Ansprache halten wollen. "Ich hatte mir ein ganzes Blatt voll aufgeschrieben – und dann hatte ich es verloren."
Auch wenn gesundheitliche Probleme sie inzwischen etwas bremsen – nach einer Hüftoperation ist sie zeitweise auf einen Rollator angewiesen –, bleibt die Bindung an den Verein ungebrochen. Heimspiele besucht sie weiterhin regelmäßig, gelegentlich fährt sie sogar noch auswärts mit. "Irgendwann muss man kürzertreten", sagt sie. "Aber Spaß machen würde es mir immer noch." Einen Lieblingsverein im Profifußball hat sie übrigens nie gehabt. Fernsehen interessiert sie in dieser Hinsicht wenig. "Nur die SGR!", sagt sie entschlossen.
"Die gute Mutter der Nation"
Und langweilig wird ihr trotz ihres hohen Alters nicht. Mehrmals im Monat geht sie noch zum Singen, außerdem trifft sie sich regelmäßig zum Kartenspielen. Bei Vereinsfeiern ist sie ebenfalls nach wie vor gern gesehen. "Und meistens wird sie sogar abgeholt", sagt Max Tyrell grinsend.
Wie eng Edith Donwen und die SG Ruwertal bis heute verbunden sind, zeigte sich auch vor gut einem Jahr an ihrem 90. Geburtstag. Rund 100 Gäste feierten mit ihr. Verzehrt wurden dabei 80 ihrer legendären Frikadellen und 90 Würstchen. Außerdem bekommt sie bis heute jedes Jahr ein aktuelles Mannschaftsfoto für ihre Kellerbar. Für die Menschen im Ruwertal steht ohnehin fest, welchen Stellenwert Edith Donwen besitzt. "Immer da, immer freundlich – solche Menschen sind unbezahlbar", sagt Max Tyrell. Harald Herres formuliert es noch deutlicher: "Sie ist bei uns die gute Mutter der Nation."
Fokus Frauen - Sichtbarkeit auf allen Kanälen: Vom 8. bis 18. Mai 2026 findet zum mittlerweile vierten Mal die DFB Women‘s Week statt. Rund um das DFB-Pokalfinale der Frauen in Köln am 14. Mai sind wieder zahlreiche und vielfältige Aktionen, Maßnahmen und Veranstaltungen über alle Ebenen geplant. Vom DFB über Vereine, Verbände, Partner und Fans bis hin zu Aktiven in ganz Deutschland eint alle ein Ziel: den Fokus auf Frauen im Fußball zu richten. Die DFB Women’s Week ist eine Maßnahme der Strategie FF 27 Frauen im Fußball.