Braunschweigs Lyn Meyer: Erste Torjägerkanone im Kinderzimmer
Meyer: "Ich habe sehr gute Mitspielerinnen, die mich gut in Szene setzen."[Foto: Privat]
Macht sie es noch einmal? In 24 Saisonspielen in der Oberliga Niedersachsen traf Lyn Meyer für Eintracht Braunschweig bislang 39-mal. Die 31-Jährige, die schon 2023 die Torjägerkanone für alle in der 4. Liga mit starken 46 Treffern gewonnen hatte, könnte dieses Kunststück nun wiederholen. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht die frühere U 17-Nationalspielerin über ihren guten Lauf und Miroslav Klose.
FUSSBALL.DE: Nach dem 7:1 gegen die SVG Göttingen ist der Eintracht der Gewinn der Meisterschaft kaum noch zu nehmen. Wie sind die Feierlichkeiten ausgefallen, Frau Meyer?
Lyn Meyer: Wir haben uns gefreut, aber nicht überschwänglich gefeiert, weil wir nicht ganz durch sind und noch einen Schritt gehen müssen. Vor allem aber steht nach der regulären Saison am 30. Mai gegen den SV TiMoNo, der in der Oberliga West ungeschlagen Meister wurde, auch noch das Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Regionalliga Nord auf dem Programm. Das wird für uns das wichtigste Spiel in der Saison.
Im abschließenden Ligaspiel geht es zunächst gegen den Tabellenneunten Blau-Weiß Tündern. Was haben Sie sich für das Saisonfinale vorgenommen?
Meyer: Es geht darum, uns mit einem weiteren Sieg ein gutes Gefühl für das Aufstiegsspiel zu holen. Wir sind zu Hause noch unbesiegt, wollen die Meisterschaft auch rechnerisch perfekt machen. Anschließend werden wir mit Freunden und Familien eine Grillparty veranstalten.
"So lange meine Knochen noch mitmachen, denke ich nicht ans Aufhören"
Mit 39 Treffern nach 24 Einsätzen belegen Sie in der Wertung zur Torjägerkanone für alle aktuell den ersten Platz. Werden Sie gegen Tündern die 40-Tore-Marke knacken?
Meyer: Das hoffe ich doch sehr. (lacht) Ich gehe mit diesem klaren Ziel in das Spiel. Viel wichtiger ist mir jedoch der mannschaftliche Erfolg und der Gewinn der Meisterschaft.
Warum lief es bei Ihnen auch in dieser Spielzeit wieder wie am Schnürchen?
Meyer: Ich habe sehr gute Mitspielerinnen, die mich gut in Szene setzen. Wir haben in dieser Spielzeit bereits 100 Treffer erzielt. Ich bekomme gute Vorlagen, da ist es für mich relativ einfach, die Dinger zu machen. (lacht) Wir haben mit Carolin Helmerding, die sich während der Hinserie das Kreuzband gerissen hatte und nun als Betreuerin für das Teamgefüge zuständig ist, ein cooles Trainergespann. Alle ziehen an einem Strang.
In der Saison 2022/2023 wurde Ihr Team schon einmal Meister der Oberliga, musste aber nach einem Jahr in der Regionalliga Nord sofort wieder runter. Warum wird es diesmal anders laufen?
Meyer: Wir hatten in der Regionalligasaison extremes Verletzungspech. Ich zog mir nach dem vierten Spieltag einen Kreuzbandriss zu. Insgesamt lief es für uns nicht rund, weil nicht nur ich, sondern auch andere Spielerinnen schwerwiegende Verletzungen hatten. Wir verstehen uns untereinander super und ich bin mir sicher, dass wir bei einem möglichen Aufstieg diesmal eine bessere Rolle spielen werden."
In der zurückliegenden Aufstiegssaison hatten Sie mit 46 Saisontreffern schon einmal die Torjägerkanone für alle in der 4. Liga gewonnen. Was verbinden Sie mit der damaligen Ehrung und wo haben Sie die Trophäe aufgestellt?
Meyer: Das war ein richtig cooles Erlebnis. Uns wurde die Torjägerkanone in Dortmund im Rahmen des Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich überreicht. Rudi Völler betreute damals das DFB-Team. Vor der Partie hatte uns Miroslav Klose die Torjägerkanone überreicht. Danach durften wir uns das Länderspiel im VIP-Bereich anschauen. Die Torjägerkanone steht jetzt zu Hause bei meinen Eltern, in meinem ehemaligen Kinderzimmer. Meine Nichte Pauline passt gut auf die Trophäe auf. (lacht)
Mit 31 Jahren befinden Sie sich im Spätherbst Ihrer Karriere. Wie lange werden Sie dem Ball noch hinterherjagen?
Meyer: So lange meine Knochen noch mitmachen, denke ich nicht ans Aufhören. Wenn ich mit den "jungen Küken" nicht mehr mithalten kann, werde ich aufhören. Mit Victoria Wiedermann habe ich beispielsweise eine Mitspielerin, die zehn Jahre älter und immer noch topfit ist. Wenn ich in ihrem Alter noch so unterwegs bin, wäre das großartig. Vor ihrer Leistung habe ich großen Respekt.
Sie wurden in der Nachwuchsabteilung des 1. FFC Turbine Potsdam ausgebildet, gewannen dort dreimal in Folge die B-Juniorinnen-Meisterschaft und wurden Junioren-Nationalspielerin. Welche Erinnerungen haben Sie noch an diese Zeit?
Meyer: Ausschließlich positive. Durch den Fußball habe ich viele Leute, Städte und Länder kennengelernt. Diese Zeit hat mich unglaublich geprägt.
"Ich will mit Eintracht Brauschweig den Aufstieg in die Regionalliga schaffen"
Anschließend sind Sie zum VfL Wolfsburg gewechselt, spielten zunächst in der Reserve und gingen später auch zusammen mit Ex-Nationalspielerin Alexandra Popp auf Torejagd. Warum ist Ihnen der ganze große Durchbruch nicht gelungen?
Meyer: Alexandra Popp hat den Frauenfußball extrem geprägt, ist unglaublich sympathisch, war und ist heute immer noch ein Vorbild für alle. Ich war zu verletzungsanfällig, hatte mir während meiner Zeit beim VfL unter anderem einen Sprunggelenkbruch zugezogen. Insgesamt musste ich drei Operationen über mich ergehen lassen, was meinen Arbeitgeber auch nicht unbedingt vor Freude aus dem Sessel springen ließ. (lacht)
Mittlerweile spielen sie fast schon zehn Jahre für Eintracht Braunschweig. Was zeichnet Ihr Team in dieser Saison ganz besonders aus?
Meyer: Wir haben einen breiten Kader, können von der Bank jederzeit frische Kräfte einwechseln, die unser Spiel noch einmal pushen. Wir können jede Spielerin gleichwertig ersetzen, alle sind wichtig.
Welche sportlichen Ziele haben Sie sich mit der Eintracht gesetzt?
Meyer: Ich will mit Eintracht Brauschweig den Aufstieg in die Regionalliga schaffen und dann möglichst verletzungsfrei bleiben.
Nach einem Aufstieg würden auch die persönlichen Anforderungen steigen. Wie gut lässt sich Ihr Job als Polizeibeamtin mit Regionalligafußball in Einklang bringen?
Meyer: Ich arbeite bei der Kriminalpolizei in Gleitzeit, kann meine Einsätze ein wenig selbst planen. Als Polizeimeisterin werde ich das weiterhin ganz gut geregelt bekommen.