Finaltag der Amateure | Magazin | 17.05.2026 | 08:45

VfB Krieschow schon vor Finaltag im DFB-Pokal: "Verdienter Lohn"

Selling: "Die Jungs auf der Bank hatten natürlich ihre Augen und Ohren auch auf dem Spiel in Cottbus."[Foto: VfB 1921 Krieschow]

Der VfB 1921 Krieschow kann sich schon jetzt auf einen Höhepunkt der Vereinsgeschichte freuen. Der Tabellenachte der NOFV-Oberliga Süd steht bereits vor dem Endspiel um den Brandenburgpokal am Finaltag der Amateure (Samstag, 23. Mai, ab 11.30 Uhr) erstmals als Teilnehmer an der ersten Runde im DFB-Pokal fest, unabhängig vom Ergebnis im Finale.

Das liegt daran, dass der Finalgegner FC Energie Cottbus schon vor dem 38. und letzten Spieltag in der 3. Liga in der Meisterschaft bereits eine Platzierung unter den vier besten Teams sicher hat und somit automatisch am bundesweiten Pokalwettbewerbs teilnehmen wird. Den dafür entscheidenden Sieg landete der ehemalige Bundesligist in der Schlussphase des Heimspiels gegen den SV Wehen Wiesbaden (2:1). Der VfB 1921 Krieschow war zu diesem Zeitpunkt parallel beim FC Grimma (4:2) im Einsatz.

Duell mit Profiklub "Gewinn für uns"

"Wir hatten schon im Hinterkopf, dass an diesem Wochenende unsere Teilnahme am DFB-Pokal feststehen könnte", sagt VfB-Abteilungsleiter und -Vorstandsmitglied René Selling im Gespräch mit FUSSBALL.DE. "Unser Fokus lag natürlich dennoch auf unserem Spiel. Die Jungs, die auf der Bank saßen, hatten aber natürlich ihre Augen und Ohren auch auf dem Spiel in Cottbus."

Und von dort erreichte den Klub die gute Nachricht des späten Siegtreffers von Tolga Cigerci (89.). Da konnte es Krieschow auch verkraften, dass das Team von VfB-Trainer und Ex-Profi Robert Koch nach einer 4:0-Führung noch zwei Gegentore (85./88.) kassierte. "Unser Trainerteam spendiert der Mannschaft für jedes Spiel ohne Gegentor eine Runde an Getränken. Das lassen sich die Jungs sonst nicht so einfach entgehen", erklärt der Funktionär mit einem Augenzwinkern.

Verdienter Lohn

In der ersten DFB-Pokal-Teilnahme der Vereinsgeschichte sieht Selling den "verdienten Lohn" für die jüngste Vergangenheit des Klubs. "Vor 20 Jahren waren wir noch in der niedrigsten Spielklasse am Start. Seitdem konnten wir uns kontinuierlich nach oben arbeiten. Ungefähr alle drei Jahre hatten wir die nächsthöhere Spielklasse im Blick." In der inzwischen neunten Oberliga-Spielzeit hatte der VfB Krieschow eigentlich auch die Spitzenplätze ins Visier genommen. Der Finaleinzug und die damit verbundene Teilnahme am DFB-Pokal sind aber wesentlich mehr als ein Trostpflaster für den verpassten Aufstieg.

"Vor 20 Jahren waren wir noch in der niedrigsten Spielklasse am Start"

Die beim VfB 1921 Krieschow gehandelten Wunschgegner für die Auslosung am Samstag, 6. Juni (ab 18 Uhr, live in der ARD), sind vor allem "große Traditionsvereine wie der FC Schalke 04 oder der Hamburger SV", erklärt Selling. "In nächster Zeit wird in der Kirche bestimmt die eine oder andere Kerze angezündet, damit sich dieser Wunsch erfüllt." Der Abteilungsleiter selbst würde sich besonders über den FC Bayern München freuen. "So oder so ist es ein Gewinn für uns, gegen einen Profiklub antreten zu dürfen."

Hinter den Kulissen haben bereits die Planungen für die erste Runde begonnen. "Wir sind derzeit im Austausch, welche Anforderungen zum Beispiel an die Spielstätte gestellt werden", so Selling. "Am liebsten würden wir die Partie natürlich bei uns auf der Anlage austragen - aber das hängt auch vom Gegner ab. Etwa 2000 bis 3000 Fans hätten Platz. Aber wir wollen natürlich auch einen würdigen Rahmen bieten können", schließt der 55-Jährige, der selbst im Alter von sechs Jahren beim VfB mit dem Fußball begonnen hatte und hin und wieder noch für das Ü 50-Team auf dem Feld steht, einen Umzug keineswegs aus.

Wiedersehen mit Cottbus

Eine offensichtliche potenzielle Ausweichspielstätte für den VfB 1921 Krieschow wäre das weniger als 30 Minuten entfernte Stadion des benachbarten Finalgegners FC Energie Cottbus. "Das Verhältnis zwischen beiden Vereinen ist von beidseitiger Wertschätzung geprägt. Es gehört viel akribische Arbeit dazu, um so erfolgreich zu sein", sagt Selling. Auf die Cottbuser trifft der VfB auch im Endspiel um den Verbandspokal. Dabei haben Duelle mit dem ehemaligen Bundesligisten in den zurückliegenden Jahren quasi schon Tradition. Beide Vereine treffen im Wettbewerb zum fünften Mal in den vergangenen sechs Jahren aufeinander. Dabei hatte der FC Energie immer die Nase vorne. In der Saison 2021/2022 gab es die Paarung auch schon einmal im Finale.

Aber auch beim spielenden Personal gibt es Berührungspunkte. Linksverteidiger Bastian Dreßler war erst im zurückliegenden Sommer aus der Cottbuser U 19 zum VfB Krieschow gewechselt. Auch Torjäger und Kapitän Andy Hebler hat eine Vergangenheit beim FC Energie. Der bekannteste Ex-Profi im VfB-Aufgebot ist Alexander Bittroff. Der inzwischen 37-Jährige absolvierte insgesamt 143 Pflichtspiele für den FC Energie, darunter 132 Einsätze in der 2. Bundesliga.

"Alexander wollte seine Zelte wieder in der Heimat aufschlagen und dabei dem Fußball noch nicht ade sagen", erklärt René Selling das Zustandekommen der Verpflichtung im zurückliegenden Sommer. "Wir halten immer wieder Augen und Ohren offen, ob Ex-Profis Bock darauf haben, für uns aufzulaufen." Das war in der Vergangenheit unter anderem bei Ex-Bundesligaprofi Dimitar Rangelov oder Jonas Zickert der Fall. "Von den Erfahrungen können wir als Team sehr profitieren."

"Vielleicht gelingt sogar die Überraschung"

Die Zusatzeinnahmen durch den DFB-Pokal in sechsstelliger Höhe wollen die Verantwortlichen mit Bedacht einsetzen. "Bodenständigkeit war bislang immer ein wesentlicher Aspekt unserer Arbeit", betont der Abteilungsleiter. "Das Geld wollen wir vor allem für infrastrukturelle Maßnahmen einsetzen. Wir haben das eine oder andere Projekt in der Schublade." Die Bühne des bundesweiten Wettbewerb ist auch ein Aspekt, mit dem der VfB 1921 Krieschow nun in den Gesprächen mit Spielern punkten kann. "Die Vorfreude ist bei allen sehr groß."

Das gilt auch mit Blick auf den Finaltag im Stadion des Drittligisten. Schon im zurückliegenden Jahr stand der VfB 1921 Krieschow im Endspiel - Gegner damals war der RSV Eintracht 1949 (0:1). "Da haben wir die Erfahrung gemacht, wie schwer es sein kann, unter dem Druck eines Endspiels die Leistung abzurufen", erinnert sich Selling. "Diesmal können wir aber mit einer gewissen Lockerheit in die Partie gehen, weil die Qualifikation für den DFB-Pokal schon sicher ist. Und vielleicht gelingt uns ja sogar die Überraschung."