Wie Fußball jungen Frauen neue Perspektiven eröffnet
Ruhin: "Wir nutzen den Fußball als Werkzeug, um Werte zu vermitteln."[Foto: Dana Rösinger]
Mit Trainingseinheiten, Leadership-Workshops und Mentoring unterstützt Girl Power Germany Mädchen und junge Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung dabei, ihren Platz im Fußball zu finden. Einmal pro Woche wird auf einem Fußballplatz in Hamburg-Harburg nicht nur trainiert. Hier entstehen Selbstvertrauen, Gemeinschaft und neue Perspektiven. Unter dem Namen "Die Spielmacherinnen“ organisiert die Initiative Girl Power Germany regelmäßige Fußballangebote für Mädchen – viele von ihnen mit Migrations- oder Fluchterfahrung.
Harburg gilt als sozialer Brennpunkt, viele Mädchen wachsen mit gesellschaftlichen und kulturellen Hürden auf. Genau dort setzt Girl Power an. "Fußball ist für uns mehr als nur Sport“, sagt Shabnam Ruhin von Girl Power Germany. "Wir nutzen ihn als Werkzeug, um Werte wie Teamgeist, Respekt, Verantwortung und Selbstvertrauen zu vermitteln.“
Gemeinsam mit IN VIA Hamburg schafft die Initiative sichere Räume, in denen Mädchen einfach sie selbst sein können. Vor allem am sogenannten "Mädchentag“ kommen viele Teilnehmerinnen nach der Schule zum Training. Wer Interesse hat, wird anschließend auch an Fußballvereine vermittelt.
Führung lernen – auf und neben dem Platz
Girl Power will mehr sein als ein Fußballprojekt. Die Initiative verfolgt das Ziel, junge Frauen nachhaltig zu stärken und ihnen neue Perspektiven im Fußball zu eröffnen – insbesondere als Trainerinnen und Führungspersönlichkeiten.
Ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit ist die Leadership Academy, die zuletzt im April gemeinsam von Girl Power Germany und Girl Power Global in Hamburg organisiert wurde. Rund 30 Teilnehmerinnen kamen dort zusammen, um sich weiterzubilden, auszutauschen und neue Erfahrungen zu sammeln. Unter dem Motto "The Leader in You“ planten und leiteten die jungen Frauen eigenständig Trainingseinheiten, übernahmen Verantwortung innerhalb der Gruppe und reflektierten gemeinsam ihre Erfahrungen. Ergänzt wurde das Programm durch Workshops, Mentoring und eine interaktive Panel-Diskussion, die von den Teilnehmerinnen selbst gestaltet wurde.
"Wenn Mädchen Frauen sehen, die ihnen ähneln, entsteht das Gefühl: Auch ich kann diesen Weg gehen“
Ein besonderes Highlight war der Besuch von Katharina Fegebank als Gastsprecherin. Mit persönlichen Worten ermutigte sie die Teilnehmerinnen, ihren eigenen Weg zu gehen, und unterstrich die Bedeutung weiblicher Vorbilder und sicherer Räume im Sport. Genau diese Vorbilder spielen eine zentrale Rolle. Viele der Coaches bei Girl Power bringen eigene Erfahrungen als Spielerinnen, Trainerinnen oder Frauen mit Migrationsgeschichte mit. "Wenn Mädchen Frauen sehen, die ihnen ähneln,entsteht das Gefühl: Auch ich kann diesen Weg gehen“, sagt Shabnam Ruhin.
Langfristig möchte Girl Power mehr Frauen für Trainerinnen- und Führungsrollen im Fußball gewinnen. Junge Frauen sollen dabei unterstützt werden, Trainerlizenzen zu erwerben und Verantwortung in Vereinen und Projekten zu übernehmen. Denn noch immer erschweren Sprachbarrieren, fehlende Netzwerke und mangelnde Repräsentation vielen Frauen mit Flucht- oder Migrationserfahrung den Zugang zum organisierten Fußball. Initiativen wie Girl Power wollen genau hier ansetzen und neue Wege öffnen.
Eine Vision über Hamburg hinaus
Die Wurzeln von Girl Power liegen in Dänemark. Gegründet wurde die Initiative von Khalida Popal, ehemaliger afghanischer Nationalspielerin und Frauenrechtsaktivistin. Gemeinsam mit ihrem internationalen Netzwerk unterstützt sie inzwischen Projekte in verschiedenen Ländern – auch in Deutschland.
Der Fokus liegt aktuell auf Hamburg, langfristig soll die Initiative jedoch bundesweit wachsen. Die Vision ist klar: mehr Teilhabe, mehr weibliche Vorbilder und mehr Räume, in denen Mädchen und junge Frauen ihren Platz im Fußball finden können.