Magazin | 16.05.2026 | 12:30

Cleo Sievert: "Die Schiedsrichterei ist eine sehr komplexe Aufgabe"

Cleo Sievert: "Schiedsrichterin zu sein, hat mir meiner persönlichen Entwicklung sehr geholfen."[Foto: Privat]

Als Cleo Sievert vor sechs Jahren mit der Schiedsrichterei anfing, hätte sie vermutlich nicht gedacht, wohin sie ihr Weg in nur kurzer Zeit führen würde. "Ich wurde damals von meinem Verein SuS Niederbonsfeld gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Schiedsrichterin zu werden und habe kurzerhand zugesagt. Dann kam aber zunächst Corona, deshalb stand ich erst ab 2021 regelmäßig auf dem Platz“, blickt sie zurück.

Nach der Pandemie startete die heute 20-Jährige als Unparteiische richtig durch; mittlerweile ist sie unter anderem als Assistentin in der Frauen-Regionalliga und der Herren-Oberliga aktiv, zudem wurde sie im vergangenen Sommer beim Finale des Frauen-Niederrheinpokals an der Seitenlinie eingesetzt. "Bei einem Pokalendspiel an der Linie dabei zu sein und die Atmosphäre eines solches Spiels mitzuerleben, ist natürlich ein unvergessliches Erlebnis“, erzählt Sievert.

"Man ist sowohl physisch als auch psychisch gefordert"

Doch es sind nicht nur die Highlightspiele, die der Unparteiischen aus dem Raum Essen Freude bereiten. Auch im Ligaalltag steht sie Wochenende für Wochenende mit großer Motivation auf dem Platz. "Ich liebe mein Hobby. Die Schiedsrichterei ist eine sehr komplexe Aufgabe: Man ist sowohl physisch als auch psychisch gefordert, muss 90 Minuten lang Entscheidungen treffen, neun oder zehn Kilometer laufen und darüber hinaus mit kritischen Kommentaren umgehen können. Das kann mitunter eine Herausforderung sein, bereitet mir aber jedes Mal aufs Neue großen Spaß“, so Sievert.

Sie könne daher jeden Fußballbegeisterten nur ermutigen, ebenfalls die Schiedsrichterprüfung abzulegen und sich ehrenamtlich als Referee im Amateurbereich zu engagieren. "Dabei lernt man auch Dinge, die einem im Alltagsleben abseits des Platzes weiterhelfen; sich durchzusetzen, mit Kritik umgehen zu können und manche Dinge nicht zu nah an sich ranzulassen. Schiedsrichterin zu sein, hat mir meiner persönlichen Entwicklung sehr geholfen.“

"Fußball bleibt immer Fußball"

Neben den Partien, die Sievert im regulären Ligabetrieb leitet, liegt ihr auch das Thema Inklusion am Herzen. In der Vergangenheit war sie unter anderem bei den deutschen Meisterschaften der Werkstätten für Menschen mit Behinderung als Unparteiische aktiv. "Ich war dort schon zweimal dabei, und es sind jedes Mal sehr schöne Tage. Teilweise sind dort Spieler dabei, die trotz ihres Handicaps bereits in der Landesliga und der Oberliga gekickt haben. Das Niveau ist also ziemlich gut“, sagt sie.

Einige Dinge seien zwar anders als im regulären Ligabetrieb. So werde von den Schiedsrichter*innen zum Beispiel erwartet, dass Entscheidungen klarer kommuniziert und erklärt würden. Doch Sievert betont: "Letztlich sind die Unterschiede nicht allzu groß. Fußball bleibt immer Fußball – egal in welcher Liga, egal in welchem Wettbewerb."