LSK-Torhüter Arne Exner: "Auf Bauchgefühl und Reflexe vertraut"
Exner: "Ich habe meinen Lebensmittelpunkt in Hamburg und würde am liebsten im Volksparkstadion gegen den HSV spielen."[Foto: LSK Hansa]
Für Arne Exner, Torhüter in der Oberliga Niedersachsen beim Lüneburger SK Hansa, war der Elfmeterkrimi im Endspiel um den Niedersachsenpokal gegen den TuS Bersenbrück (7:6) am Finaltag der Amateure bereits der zweite Pokalsieg in Folge. Schon 2025 hatte Exner mit dem FC Eintracht Norderstedt den Landespokal in Hamburg durch ein 5:4 nach Elfmeterschießen gegen den USC Paloma gewonnen.
Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der 29 Jahre alte Schlussmann, der Lebensmittel-Technologie studiert und als Qualitätsmanager in einer Futtermittelfirma arbeitet, über sein Erfolgsgeheimnis die sensationellen Comeback-Qualitäten seines Teams.
FUSSBALL.DE: Ihr Team lag im Endspiel gegen den Ligakonkurrenten TuS Bersenbrück zur Halbzeit 0:3 zurück und feierte am Ende den Pokalsieg. Wie haben Sie den ersten Sieg in einem Landespokalfinale für den LSK Hansa erlebt, Herr Exner?
Arne Exner: Nach dem Spiel schoss mir sofort das Finale der Champions League 2005 zwischen dem AC Mailand gegen den FC Liverpool in den Kopf. Damals lag Liverpool auch zur Halbzeit 0:3 zurück und setzte sich später im Elfmeterschießen 3:2 durch. Ich muss meinem Team für die kämpferische Leistung auf jeden Fall ein großes Kompliment machen.
Mal ehrlich: Haben Sie nach dem Rückstand noch an den Pokalerfolg geglaubt?
Exner: Keiner von uns hatte damit gerechnet, dass wir zur Halbzeit 0:3 zurückliegen. Ich kann mich nur bei meinen Jungs bedanken. Wir hatten nichts mehr zu verlieren, sind wie verwandelt aus der Kabine gekommen. Wenn man als Mannschaft so zurückkommt, hat man den Titel auf jeden Fall verdient.
Gab es eine Standpauke in der Kabine?
Exner: Ich habe in der Kabine tatsächlich eine kurze Ansprache gehalten. Ich weiß nicht, ob es bei den Jungs etwas ausgelöst hat. Am Ende hat es auf jeden Fall funktioniert.
"Am Ende habe ich im Elfmeterschießen auf mein Bauchgefühl und Reflexe vertraut"
Wie haben Sie sich auf das Elfmeterschießen mental vorbereitet?
Exner: Schon vor dem Endspiel hatte ich mir einige Gedanken über ein mögliches Szenario gemacht. In der Saison 2022 hatte ich mit meinem ehemaligen Verein Heeslinger SC das Verbandspokal-Finale gegen Blau-Weiß Lohne 5:6 verloren, obwohl ich zwei Elfmeter gehalten habe. Ich habe viel darüber nachgedacht, bin ein ehrgeiziger Typ und habe mich immer hinterfragt, in welchen Bereichen ich mich noch verbessern kann.
Ist Elfmeterschießen eine Spezialität von Ihnen?
Exner: In unserem abschließenden Ligaspiel beim VfV Borussia 06 Hildesheim hatte ich bei unserem 3:1-Auswärtserfolg ebenfalls einen Strafstoß gehalten. Vielleicht kam diese Aktion für mich genau zum richtigen Zeitpunkt, um dieses gute Gefühl in das Pokalfinale mitzunehmen. Am Ende habe ich im Elfmeterschießen auf mein Bauchgefühl und Reflexe vertraut.
Sie haben beim Stand von 3:3 auch selbst einen Elfmeter geschossen. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen?
Exner: Ich hatte vor dem Finale mit meinem Vater gesprochen und meinte: Wenn ich den vorletzten Elfmeter halte und den letzten Elfmeter selbst reinschieße, wäre das der Hammer. Dazu ist es am Ende zwar nicht gekommen. Dennoch bin ich super glücklich.
"Wir haben auf der zweistündigen Rückfahrt einige Raststätten angesteuert, um aufzutanken"
Was war entscheidend, dass LSK Hansa den Platz als Sieger verlassen hat?
Exner: Wir geben niemals auf. Der Wille, Spiele gewinnen zu wollen, ist in der Mannschaft stark ausgeprägt. Wir haben als Aufsteiger in dieser Spielzeit bereits unglaublich viel erreicht, haben die Saison auf einem hervorragenden sechsten Tabellenplatz abgeschlossen. Es war wichtig, dass wir im Finale nicht emotional überdrehen, sondern bei uns bleiben und auf unsere eigenen Stärken vertrauen.
Wie sind die Feierlichkeiten ausgefallen?
Exner: Der Lüneburger SK Hansa feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Vereinsjubiläum, ist erst zum vierten Mal im DFB-Pokal dabei. Wir haben auf der zweistündigen Rückfahrt einige Raststätten angesteuert, um aufzutanken. Nachdem wir in Lüneburg angekommen waren, ging die Partie feucht und fröhlich weiter. Ich bin auch dabei vorangegangen. (lacht)
Mal Hand aufs Herz: Welchen Gegner würden Sie sich im DFB-Pokal wünschen?
Exner: Vor einem Jahr hatte ich mit dem FC Eintracht Norderstedt das Landespokalfinale in Hamburg gegen den USC Paloma gewonnen. Meine ehemaligen Teamkollegen zogen dann mit dem FC St. Pauli das große Los im DFB-Pokal. Ich wünsche mir ebenfalls einen Traditionsverein. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt in Hamburg und würde am liebsten im Volksparkstadion gegen den HSV spielen.