Finaltag der Amateure | Magazin | 26.05.2026 | 13:15

Pokal-Dauerbrenner Silas Schwarz: "Immer wieder etwas Besonderes"

Silas Schwarz (l.): "Es ist unheimlich schön, so etwas als Amateurspieler zu erreichen."[Foto: Chiara Pucci/TSV Schott Mainz]

Der TSV Schott Mainz bestätigte beim Finaltag der Amateure einmal mehr seinen Ruf als Pokalspezialist. Der Absteiger aus der Regionalliga Südwest sicherte sich durch das 2:1 gegen den FK Pirmasens zum vierten Mal innerhalb von nur fünf Jahren den Titel im Verbandspokal Südwest und die damit verbundene Teilnahme am DFB-Pokal. Außenverteidiger Silas Schwarz war bislang bei allen Partien des künftigen Oberligisten im bundesweiten Wettbewerb dabei. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der in Mainz geborene 28-Jährige über den Erfolg und die erneute Qualifikation.

FUSSBALL.DE: Der TSV Schott Mainz nimmt als Verbandspokalsieger erneut am DFB-Pokal teil. Wie hört sich das für Sie an, Herr Schwarz?

Silas Schwarz: Überragend. Es ist unheimlich schön, so etwas als Amateurspieler zu erreichen. Auch beim vierten Mal ist es immer wieder etwas Besonderes. Wenn man sich irgendwann daran gewöhnen sollte, wäre es ein Zeichen, besser mit dem Sport aufzuhören.

Das Siegtor ging dabei auf das Konto von Etienne Portmann, der den Verein verlassen wird. Hätte es ein noch besseres Drehbuch geben können?

Schwarz: Das wäre tatsächlich nur sehr schwer möglich gewesen. Vielleicht noch, wenn auch Johannes Gansmann eingewechselt worden wäre und getroffen hätte. Er war ebenfalls sechs Jahre lang im Verein und einer unserer dienstältesten Spieler. Wenn auch noch Leon Kern ein Tor erzielt hätte, wäre das Trio perfekt gewesen. Jeder freut sich für Eti, dass im der Treffer gelungen ist und er den Verein auf diese Art und Weise verlässt.

Wie schwer war es, den Abstieg aus der Regionalliga Südwest vor dem Finale abzuschütteln?

Schwarz: Meisterschaft und Pokalfinale konnte wir gut voneinander trennen. Wenn man ehrlich ist, hatte sich der Abstieg schon zur Winterpause angedeutet. Daher hatten wir es uns als klares Ziel gesetzt, den Verbandspokal zu gewinnen. Wenn wir in der nächsten Saison schon nicht in der Regionalliga Südwest an den Start gehen können, wollten wir wenigstens im DFB-Pokal dabei sein. Da macht die Vorbereitung noch mehr Spaß, wenn man gleich mit einem Highlight in die Saison startet.

"Wir haben die damaligen Jubelbilder des FK Pirmasens bei uns in die Kabine gehängt"

Schon vor einem Jahr ging es im Endspiel gegen den FK Pirmasens, damals mit negativem Ausgang. Hatte das für zusätzliche Motivation gesorgt?

Schwarz: Eine Woche vor dem Spiel hatte ein Spieler von uns die Idee, die damaligen Jubelbilder des FK Pirmasens bei uns in die Kabine zu hängen. Dadurch sollten die Gefühle, die nicht ganz so angenehm waren, noch einmal hervorgeholt und die Motivation gesteigert werden. Die Idee kam bei mir und auch den anderen Jungs gut an. Ein Pokalendspiel zu erreichen, ist eine Riesenleistung - da steckt viel Arbeit dahinter.

Was war entscheidend, um sich diesmal wieder durchzusetzen?

Schwarz: Wir hatten ein sehr hohes Maß an Aggressivität in den Zweikämpfen. Aus den vielen Duellen mit dem FK Pirmasens in der Vergangenheit wussten wir, dass unser Gegner über Körperlichkeit ins Spiel findet. Uns war klar: Wenn wir da besser sind, gewinnen wir auch das Spiel. Entsprechend war auch unser - vielleicht nicht ganz so attraktiver - Matchplan. Wir haben viele lange Bälle gespielt und dann mit harten, aber fairen Zweikämpfen versucht, das Spiel für uns zu entscheiden.

Damit stehen nun vier Titel in den zurückliegenden fünf Jahren zu Buche. Was macht den TSV Schott Mainz zum Pokalexperten?

Schwarz: Das enge, familiäre Umfeld und die ehrenamtlichen Helfer, die viel Zeit opfern, ermöglichen uns Spielern, unsere Leistung zu bringen. Zum ersten Mal den Pokal zu gewinnen, war absolut genial und hat uns viel Energie gegeben. Dieses Gefühl muss man einfach erlebt haben und hat dann Lust auf mehr gemacht. Bei uns ist es mittlerweile eine kleine Tradition, dass wir einige Stunden bei Dieter Senftleben, unserem leidenschaftlichsten Betreuer, zu Hause feiern. Danach sind zum Vereinsgelände gefahren und haben bei dem dortigen Gastwirt den Abend ausklingen lassen. Wir haben einige langjährige Spieler, die uns nun verlassen. Dass sich die Jungs mit einem Pokalsieg verabschieden konnten, macht es so besonders.

Was zeichnet den Klub aus Ihrer Sicht aus?

Schwarz: Ich spiele im Prinzip - mit einer kleinen Unterbrechung - schon seit der D-Jugend für den TSV Schott Mainz. Für eineinhalb Jahre hatte ich beim SV Waldhof Mannheim im Profibereich Luft geschnuppert, bevor ich im Sommer 2020 zurückgekehrt bin. Beim TSV Schott Mainz sind wir wie eine Familie. Ich mag das Umfeld sehr. Wir sind wie ein kleines Dorf, in dem man jeden kennt und mit allen befreundet ist. Es macht einfach jedes Mal Spaß, hierher zu kommen und sein Bestes im Training zu geben. So geht es jedem Spieler in der Mannschaft und das macht uns auch als Team aus.

Welche Erinnerungen haben Sie an ihre bisherigen Erlebnisse im DFB-Pokal?

Schwarz: Mir ist besonders im Gedächtnis geblieben, neben Weltmeister Mats Hummels zu stehen und mit ihm über unser Pokalspiel gegen Borussia Dortmund zu quatschen. Meine schönste Erinnerung ist, vor mehr als 30.000 Fans im Stadion des 1. FSV Mainz 05 vor einer gelben Wand aus BVB-Fans aufzulaufen. Für solche Momente spielt man Fußball. Es macht mich sehr stolz, dass ich bislang bei jedem DFB-Pokal-Spiel der Vereinsgeschichte dabei sein konnte. Das bedeutet mir sehr viel.

Welchen Profiklub wünschen Sie sich für die Auslosung am 6. Juni als Gegner?

Schwarz: Auch wenn das wahrscheinlich jeder sagt: Ich wollte schon immer mal gegen den FC Bayern München spielen. Einfach, um die körperlichen und spielerischen Unterschiede zu spüren, wenn man gegen die beste Mannschaft Deutschlands spielen muss. Vor allem wünschen wir uns aber einen Gegner, mit dem wir das Stadion füllen können und ein stimmungsvolles Highlight haben. Der nahegelegene Bundesligist Eintracht Frankfurt oder das Derby mit dem 1. FSV Mainz 05 wäre ebenfalls eine tolle Sache.