Maximilian Beier beim ESV Kirchmöser: "Er war der Beste"
Dustin Hoffmann (h.3.v.l.) über Maxi Beier (h.4.v.l.): "In vielen Spielen den Unterschied ausgemacht"[Foto: Collage privat/GES Sportfoto]
Wo sind unsere Nationalspieler eigentlich groß geworden? Wo haben sie ihre ersten fußballerischen Schritte gemacht? Anlässlich der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko vom 11. Juni bis zum 19. Juli stellt FUSSBALL.DE in seiner Serie "Die Wiege der WM-Fahrer" die Heimatvereine der Nominierten vor. Heute: Maximilian Beier und der ESV Kirchmöser.
Sprüche über seinen Namen hat er schon viele gehört, obwohl er zu jung ist, um den prominenten Mann dahinter zu kennen. Dustin Hoffmann heißt der Torhüter beim ESV Kirchmöser aus der 2. Kreisklasse B in Brandenburg an der Havel - wie der berühmte US-Filmschauspieler. Der ist immerhin schon 88 Jahre alt und zweifacher Oscar-Gewinner für seine Hauptrollen in "Kramer gegen Kramer" und "Rain Man". Dustin Hoffmann aus Kirchmöser kennt ihn nur vom Hörensagen.
Eng verbandelt ist der 25-Jährige dafür mit einem bekannten Fußballer: Nationalspieler Maximilian Beier. Mit dem Dortmunder Stürmer hat Dustin Hoffmann in der F- und E-Jugend des ESV Kirchmöser zusammengekickt. Im FUSSBALL.DE-Interview im Rahmen der Serie "Die Wiege der WM-Fahrer" erzählt der frisch gebackene Vater, wann "Maxe" immer mit einem Grinsen im Gesicht herumgelaufen ist, warum er seinem ehemaligen Mitspieler auch bei der Weltmeisterschaft zumindest eine gute Jokerrolle zutraut und was Oliver Kahn mit seiner eigenen Fußballer-Karriere zu tun hat.
"Wir waren sehr viel draußen, haben immer Fußball gespielt – und Max hat immer angefangen zu lachen, wenn er den Ball am Fuß hatte"
FUSSBALL.DE: Dustin Hoffmann, haben deine Eltern gewusst, was sie da mit deinem Vornamen machen?
Dustin Hoffmann: Ich denke schon. (lacht) Vor allem meine Mutter war dafür verantwortlich und hat sich bei der Wahl des Vornamens durchgesetzt. Ich wusste lange nicht, was es damit auf sich hat, aber vor allem ältere Menschen haben mich darauf angesprochen. Auf der Arbeit im Büro war das natürlich auch schon mal ein Thema, aber damit kann ich gut leben.
Statt Schauspieler wurdest du Fußballer – und hast die Anfänge eines Nationalspielers eng begleitet. Wie war Maximilian Beier als Kind und Mitspieler beim ESV Kirchmöser?
Hoffmann: Das ist jetzt knapp 20 Jahre her. 2006 habe ich beim ESV in der F-Jugend angefangen, mein älterer Bruder Marcel war schon dort. Als Max ein Jahr später kam, war sofort zu sehen, dass er der Beste von uns war. Er war zwar Jungjahrgang und kleiner als die anderen, aber sehr schnell. Er konnte super dribbeln und hatte, obwohl er so schmächtig war, einen guten Schuss.
Warst du damals schon Torwart?
Hoffmann: Meistens schon. Ab und zu habe ich in der Verteidigung gespielt, aber meistens stand ich im Tor. Ich hatte Bock darauf, die Position aber war auch ein bisschen meiner Mutter geschuldet. Sie war Bayern-Fan und fand Olli Kahn toll, das hat auf mich abgefärbt. Von ihm habe ich mir viel abgeschaut, allerdings war ich etwas ruhiger auf dem Platz. (lacht)
Mit Max Beier in der Mannschaft hattest du wahrscheinlich hinten nicht viel zu tun, oder?
Hoffmann: Das kam auf den Gegner an. Max hat in vielen Spielen den Unterschied ausgemacht, oft hat er sich einfach hinten den Ball geschnappt und ist dann bis zum anderen Tor durchgedribbelt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir bei Stahl Brandenburg Kreismeister geworden sind, da hat er drei von fünf Toren gemacht.
Max Beier hat immerhin sechs Jahre beim ESV Kirchmöser gespielt, ehe er weitergezogen ist, über den Brandenburger SC Süd 05 zu Energie Cottbus und dann schon mit 16 zu 1899 Hoffenheim. Hast du seinen Werdegang immer eng verfolgt?
Hoffmann: Na klar! Wir haben uns auch danach, als wir nicht mehr zusammen in einer Mannschaft waren, gelegentlich noch gesehen, zum Beispiel bei Kreismeisterschaften oder Hallenturnieren. Und auch, als er bei Süd war, haben wir uns oft zum Kicken auf dem Sportplatz Seegarten getroffen. Wir waren sehr viel draußen, haben immer Fußball gespielt – und Max hat immer angefangen zu lachen, wenn er den Ball am Fuß hatte.
Nach Cottbus und Hoffenheim kam Dortmund: Hat er sich die richtigen Vereine ausgesucht?
Hoffmann: Ich denke schon! Energie Cottbus ist der größte Verein in der Region, Hoffenheim war dann der nächste Schritt, von zu Hause weg, aber sportlich eine sehr gute Entscheidung. Auch in der Nachwuchsarbeit gehört die TSG zu den top Adressen in Deutschland. Und Dortmund ist noch mal eine größere Nummer, aber trotzdem ein bodenständiger Klub, wo Max sehr gut hinpasst.
Ist er noch regelmäßig zu Hause und dann auch mal bei Euch auf dem Platz?
Hoffmann: Ja, er war letztens noch hier. Dann sieht man sich im Dorf oder auf dem Sportplatz. Sein Vater ist ja auch noch bei uns im Verein tätig, bei den Alten Herren. Als er früher von Hoffenheim nach Hause kam, hat er auch schon mal meinen Bruder angerufen und gefragt, ob er bei uns auf dem Platz ein paar Runden drehen kann. Was er da für ein Tempo gemacht hat, da hat man erst einmal gesehen, wie groß der Unterschied zwischen Profifußball und unserer Liga ist.
Für den WM-Kader galt er als Wackelkandidat. Warst du von seiner Nominierung überrascht?
Hoffmann: Schon ein wenig, weil er bei den letzten Spielen nicht dabei war. Ich freue mich sehr für ihn und hoffe, dass er seine Chancen auf Einsätze bekommt. Mit seiner Schnelligkeit und Spritzigkeit kann er gute Akzente setzen, und er ist auch nach einer Einwechslung sofort voll da. Das hat man ja bei seinem Debüt gegen die Ukraine gesehen, als er direkt zu zwei super Torchancen kam.
Ist in Kirchmöser schon das WM-Fieber ausgebrochen?
Hoffmann: Das geht so langsam los. Bei uns im Vereinsheim läuft immer Fußball, am Wochenende Bundesliga, und wenn die WM startet, werden wir natürlich dort vor dem Fernseher sitzen. Und dann werden wir auf jeden Fall Deutschland und unseren "Maxe" anfeuern.