Groß beim VfL Neckarau: Speerspitze eines besonderen Jahrgangs
"Schon damals sehr ehrgeizig": Pascal Groß (h.2.v.r.) beim VfL Kurpfalz Mannheim-Neckarau.[Foto: Privat/DFB/Philipp Reinhard]
Wo sind unsere Nationalspieler eigentlich groß geworden? Wo haben sie ihre ersten fußballerischen Schritte gemacht? Anlässlich der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko vom 11. Juni bis zum 19. Juli stellt FUSSBALL.DE in seiner Serie "Die Wiege der WM-Fahrer" die Heimatvereine der Nominierten vor. Heute: Mittelfeldspieler Pascal Groß und der VfL Kurpfalz Mannheim-Neckarau.
Im Alter von 34 Jahren kann sich Pascal Groß den Traum von einer Teilnahme an einer Weltmeisterschaft erfüllen. Nachdem er bereits bei der Heim-EM 2024 in Deutschland dabei war, zählt der gebürtige Mannheimer als ältester Feldspieler erneut zum DFB-Aufgebot von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Seit seiner Rückkehr im Januar zu Brighton & Hove Albion hat der Mittelfeldspieler keine Partie des englischen Erstligisten verpasst. Das Trikot der "Seagulls" (Möwen) hatte Groß bereits zwischen 2017 und 2024 getragen, ehe er über Borussia Dortmund (August 2024 bis Januar 2026) an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehrte.
"Pascal hat auf dem Platz viel für die Mannschaft gearbeitet, war ein Dauerläufer"
Die internationale Karriere auf den Weg gebracht hatte der VfL Kurpfalz Mannheim-Neckarau. Bei dem Klub aus dem gleichnamigen Mannheimer Stadtteil, der vor der Fusion mit dem VfB Kurpfalz im Jahr 2011 noch als VfL Neckarau bekannt war, hatte Groß von 1995 bis 2007 die Nachwuchsteams durchlaufen. Von der E- bis zur B-Jugend wurde er dabei von seinem Vater Stephan trainiert. "Pascal war schon damals sehr ehrgeizig", berichtet Erhan Kürücü, der heute Spielbetriebsleiter für die erste und die zweite Mannschaft des Kreisligisten ist und schon damals als Jugendkoordinator dabei war, im Gespräch mit FUSSBALL.DE. "Pascal hat auf dem Platz viel für die Mannschaft gearbeitet, war ein Dauerläufer."
Stephan Groß hatte einst auch selbst im Nachwuchs des VfL Neckarau gespielt und später den Sprung in die Bundesliga (113 Einsätze für den Karlsruher SC) geschafft. Das gilt im Übrigen auch für Gernot Rohr, der anschließend mit dem FC Bayern München zweimal die Deutsche Meisterschaft (1972/1973 und 1973/1974) sowie einmal den Europapokal der Landesmeister (1973/1974) gewinnen konnte, ehe er seine große Trainerkarriere startete.
Hoch hinaus ging es auch für die Nachwuchsteams des VfL Neckarau mit Pascal Groß. In vier Jahren gelangen vier Aufstiege - von der Kreisliga bis in die Oberliga, der zweithöchsten Spielklasse. In den Ferien bat Trainer Stephan Groß - zu dessen Stab auch Torwart-Trainer Hilmar Stocker, Vertrauensperson und Co-Trainer Volker Messenzehl und Betreuer Wolfgang Gulde gehörten - seine Spieler auch schon mal vormittags zum Training. Viele Spieler nahmen zusätzlich einmal in der Woche am DFB-Stützpunkttraining teil. Zu den Mitspielern von Pascal Groß beim VfL Neckarau zählten unter anderem Manuel Gulde und Marcel Gruber, die damals Junioren-Nationalspieler waren.
Vier VfL-Talente werden Profis
Gemeinsam mit Gulde und Gruber sowie auch Robin Szarka, Marco Terrazzino, Anthony Loviso und Philipp Meyer zog es Groß schließlich 2007 in das Nachwuchsleistungszentrum der TSG Hoffenheim. Schon zuvor hatten sich immer wieder Scouts der umliegenden Profiklubs, die die Talente aus Neckarau verpflichten wollten, bei VfL-Trainer Stephan Groß gemeldet. Letztlich war dann aber doch ein Punkt erreicht, an dem die Spieler den Verein wechseln mussten, um den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu machen. "Wir hatten in dem Jahrgang einige Jungs, denen man ansehen konnte, dass ihr Weg weit führen könnte", so Kürücü. "Wir sind sehr stolz darauf, dass wir sie ein Stück begleiten durften. Wir stehen noch immer in einem guten Kontakt."
Die Jugendarbeit hat beim VfL Kurpfalz Mannheim-Neckarau bis heute einen sehr großen Stellenwert. "Etwa 80 Prozent unserer ersten Mannschaft hat früher selbst bei uns im Nachwuchs gespielt", so der Spielbetriebsleiter. Daniel Zimmermann, Fabian Stempel und Mario Barreto waren damals auch Teamkollegen von Pascal Groß und Co.
Für Marcel Gruber, Anthony Loviso und Philipp Meyer klappte es in der aktiven Zeit zwar nicht mit der Spielerkarriere im Profifußball. Neben Pascal Groß sollten aber auch Manuel Gulde (171 Einsätze), Marco Terrazzino (73 Partien) und Robin Szarka (drei Spiele) den Weg bis in die Bundesliga schaffen. Und sie alle eint nach der Zeit beim VfL Neckarau ein gemeinsamer sportlicher Erfolg: Mit der TSG Hoffenheim wurde das Septett 2007/2008 Deutscher B-Junioren-Meister.
Pascal Groß steuerte im Halbfinalhinspiel bei Hertha BSC gleich vier Treffer zum 6:1 bei. Da fiel das 1:3 im zweiten Aufeinandertreffen auch nicht mehr ins Gewicht. Im Endspiel standen mit Pascal Groß, Anthony Loviso, Manuel Gulde, Robin Szarka, Marcel Gruber und Marco Terrazzino sechs der langjährigen Teamkollegen von Beginn an auf dem Feld. Terrazzino (2), Szarka, Groß und Gulde konnten sich dabei auch zum 6:4 gegen Borussia Dortmund in die Torschützenliste eintragen - damit war also auch der VfL Neckarau entscheidend am Titelgewinn beteiligt.
Schon mal Länderspiele in den USA
Nicht nur zu den Besten seines Jahrgangs, sondern auch zu einem bundesweit besonderen Kreis gehört Pascal Groß seit seiner ersten Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft im September 2023. Nach den beiden Heimspielen gegen Japan (1:4) und Frankreich (2:1) führte die erste Länderspielreise unter dem damals neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann schon einmal in die Vereinigten Staaten, wo Vergleiche mit den USA (3:1) und Mexiko (2:2) auf dem Programm standen.
Nun hofft man auch beim VfL Kurpfalz Mannheim-Neckarau darauf, dass die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ähnlich erfolgreich verläuft. "In Neckarau wird es ein Public Viewing geben", so Erhan Kürücü, der gemeinsam mit dem gesamten Klub dem ehemaligen Nachwuchsspieler ganz besonders die Daumen. Und vielleicht eifern schon bald weitere Talente des Mannheimer Vereins, der aktuell von den A-Junioren bis zu den Bambinis 14 Nachwuchsteams stellt, der schon jetzt besonderen Karriere von Pascal Groß nach.