Rüdiger beim VfB Sperber Neukölln: Bolzplatz direkt vor der Haustür
Fest verwurzelt in der Hauptstadt: der gebürtige Berliner Antonio Rüdiger.[Foto: DFB/GES-Sportfoto/VfB Sperber Neukölln]
Wo sind unsere Nationalspieler eigentlich groß geworden? Wo haben sie ihre ersten fußballerischen Schritte gemacht? Anlässlich der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko vom 11. Juni bis zum 19. Juli stellt FUSSBALL.DE in seiner Serie "Die Wiege der WM-Fahrer" die Heimatvereine der WM-Fahrer vor. Heute: Innenverteidiger Antonio Rüdiger und der VfB Sperber Neukölln.
"Gemeinsam mehr erreichen", heißt der Leitspruch des VfB Sperber Neukölln, dessen erste Mannschaft in der kommenden Saison in der Berliner Kreisliga A an den Start gehen wird. So oder zumindest so ähnlich könnte auch das Motto der deutschen Nationalmannschaft für die anstehende K.o.-Runde bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko lauten.
Was der VfB Sperber mit dem DFB-Team zu tun hat? Die Neuköllner waren der erste Verein, für den der langjährige Nationalverteidiger und Vizekapitän Antonio Rüdiger (33) einst am Ball war. Von 2000 bis 2002 kickte der jetzige Abwehrspieler von Real Madrid für den Klub, für den zuvor auch schon sein acht Jahre älterer Bruder Sahr Senesie am Ball war. Auch er sollte später den Sprung in den Profifußball und zumindest in fast alle Junioren-Nationalmannschaften des DFB (U 17 bis U 21) schaffen.
Anfänge auf Jubiläumssportplatz
Antonio Rüdiger wurde in Berlin geboren, nachdem seine Familie zuvor aus ihrer Heimat in Sierra Leone wegen des dortigen Bürgerkriegs geflüchtet war. Im Bezirk Neukölln, wo er gemeinsam mit seinem Bruder sowie vier Schwestern aufwuchs, lag ein kleiner Käfig-Bolzplatz direkt vor der Haustür. Dort entwickelte "Toni" Rüdiger seine Fähigkeiten, die in später zu einem Top-Profi, einem zweimaligen Champions-League-Sieger und zu einem mittlerweile 85-maligen Nationalspieler werden lassen sollten: Durchsetzungsvermögen, Schnelligkeit, Zweikampfhärte, Kopfballstärke.
Nach zwei Jahren auf dem Jubiläumssportplatz des VfB Sperber Neukölln wechselte Rüdiger zu Tasmania Gropiusstadt (heute SV Tasmania Berlin), schloss sich später den Neuköllner Sportfreunden 1907 sowie dem für seine herausragende Nachwuchsarbeit bekannten Traditionsklub Hertha 03 Zehlendorf an. Ab 2008 trat er dann in der Jugendabteilung von Borussia Dortmund in die Fußstapfen von Bruder Sahr, der beim BVB inzwischen Profi geworden war.
Nach dem Wechsel zum VfB Stuttgart 2011 feierte Antonio Rüdiger zunächst für die zweite Mannschaft der Schwaben sein Profidebüt in der 3. Liga und lief ein knappes halbes Jahr später auch erstmals in der Bundesliga auf. 2012 wurde er als bester Nachwuchsspieler seines Jahrgangs in Deutschland mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Noch vor der erfolgreichen Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien absolvierte Rüdiger sein erstes Länderspiel für den DFB. Nach dem Turnier etablierte er sich - über seine weiteren Vereinsstationen bei der AS Rom, beim FC Chelsea und bei Real Madrid - auch in der Nationalmannschaft nach und nach als feste Größe, gewann 2017 den Confed-Cup in Russland und gehörte auch bei allen folgenden großen Turnieren zum Aufgebot.
Stiftung in Sierra Leone engagiert
Seine Wurzeln hat er dabei nie vergessen. Mit der von ihm gegründeten Stiftung, bei der er auch selbst als Vorstandsvorsitzender agiert, engagiert er sich in der Heimat seiner Familie. Dabei liegen ihm die Förderung von Bildungschancen, die Gesundheitsförderung und Sportprogramme an Grund- und weiterführenden Schulen in Sierra Leone besonders am Herzen. Durch Spendenaktionen und Partnerschaften mit lokalen und internationalen Organisationen erzielt die Stiftung spürbare Fortschritte bei der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen im Distrikt Kono.
Vom Bau von Schulen und der Vergabe von Stipendien bis hin zur Förderung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung und der Unterstützung sportlicher Talente reicht die Palette. Rüdigers Bruder Sahr Senserie, der noch in Sierra Leone zur Welt gekommen war, ist als Vorstandsmitglied und Co-Präsident ebenfalls in der Stiftung engagiert. Dazu ist Antonio Rüdiger Teil des "Gamechanging Teams" des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. In dieser Initiative engagieren sich Fußballprofis mit Flucht- oder Migrationsgeschichte für andere Geflüchtete und gegen Vorurteile.
Aber auch die Verbindung nach Berlin ist geblieben. So kommt es nicht von ungefähr, dass beispielsweise Rüdigers Nominierung für die Heim-EM 2024 von Arif Keles, dem Inhaber eines Döner-Imbisses in Schöneberg, verkündet wurde. Dort ist der Nationalspieler nach wie vor Stammkunde, wenn er in der Hauptstadt ist.
VfB Sperber aktuell auf Spielersuche
Nur wenige Kilometer weiter östlich hat Rüdigers Jugendklub VfB Sperber Neukölln seine Heimat. Der Verein wurde am 25. September 1921 als VfB Neukölln gegründet. Seine sportlich erfolgreichsten Zeiten erlebte der Klub in den 1970er- und 1980er-Jahren, als er lange Zeit in der höchsten Berliner Amateurliga spielte und damit drittklassig war.
Im Jahr 1998, also kurz vor Antonio Rüdigers Karrierestart, fusionierte der VfB Neukölln mit dem Neuköllner SC Sperber zum heutigen VfB Sperber Neukölln. In der Saison 2007/2008 gelang letztmals der Aufstieg in die Landesliga. Durch mehrere Abstiege rutschte der Verein 2015 bis in die Kreisliga B ab. Acht Jahre später gelang die Rückkehr in die Kreisliga A, ehe vor einem Jahr sogar der Wiederaufstieg in die Bezirksliga folgte. Dort reichten in der gerade abgelaufenen Saison 2025/2026 allerdings 28 Punkte aus 30 Partien lediglich zum vorletzten Tabellenplatz.
Eine Etage tiefer will der VfB Sperber wieder oben angreifen und sucht aktuell dafür geeignete Spieler. "Unser Ziel für die kommende Saison ist klar: Wir wollen eine starke, ambitionierte Mannschaft auf den Platz bringen", kündigte der Klub bei Instagram an.
Probleme gibt es im Nachwuchsbereich. Dort konnte der Verein in den zurückliegenden Jahren nur wenige Teams an den Start bringen. In der zurückliegenden Saison waren es eine A-Junioren-Mannschaft, die jedoch vom Spielbetrieb zurückgezogen wurde, und ein D-Junioren-Team. Im Senioren- und Herrenbereich sieht es dagegen deutlich besser aus. Sieben Seniorenmannschaften (Ü 60 bis Ü 32) und sechs Herrenteams sind für den VfB Sperber am Ball. Gemeinsam wollen sie mehr erreichen. Genau wie Antonio Rüdiger und das DFB-Team bei der WM.